Olympia-Zwischenbilanz Gewinner Schweden, Verlierer Russland

Deutschland jubelt über neun Goldmedaillen, aber wie ergeht es den anderen? Schweden und die Niederlande können zufrieden sein, Russland erlebt Spiele zum Vergessen. Die Gewinner und Verlierer in der Zwischenbilanz.

Schwedin Frida Hansdotter
AFP

Schwedin Frida Hansdotter

Aus Pyeongchang berichtet


Während deutsche Athleten auf Pressekonferenzen den internationalen Medien ihren "Gold-Rush" erklären müssen, haben andere Nationen in der ersten Olympiawoche zum Teil herbe Enttäuschungen erlebt. Insgesamt gibt es in diesen Tagen von Pyeongchang bislang eine Tendenz zu Favoritensiegen: Die Deutschen dominieren das Rodeln, die Niederländer den Eisschnelllauf, Kamil Stoch gewinnt im Skispringen, Laura Dahlmeier und Martin Fourcade im Biathlon. Das hatte man erwarten können.

Die größten Überraschungen waren bisher die Goldmedaillen für Ester Ledecká im Super G und den österreichischen Rodler David Gleirscher. Hier eine Auswahl der Gewinner und Verlierer der anderen Nationen.

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
14
14
11
39
2
Deutschland
14
10
7
31
3
Kanada
11
8
10
29

GEWINNER

  • Schweden: Im ewigen Medaillenspiegel der Winterspiele liegt das Land mit derzeit knapp zehn Millionen Einwohnern auf Platz sieben. Und auch 2018 kann Schweden deutlich größere Nationen wie Frankreich oder Italien bisher distanzieren. Die Sportförderung gilt als vorbildlich, weil sich der Nachwuchs breit ausprobieren darf, keine Medaillenziele vorgegeben werden und Breitensport eine hohe Akzeptanz genießt. Das schwedische Team strahlt Lockerheit aus, so sind Überraschungen wie von Biathletin Hanna Oeberg oder Frida Hansdotter im alpinen Slalom möglich. Schweden hat die Gold-Bilanz aus Sotschi bereits jetzt verdoppelt.
  • Kanada ist eine Wintersport-Nation, keine Frage. Und trotzdem ist es beeindruckend, wo die Kanadier überall vorn dabei sind. 16 Medaillen gab es bisher in den Sportarten Curling, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Freestyle-Skiing, Rodeln, Shorttrack und Snowboard. Kanada stellt allerdings hinter den USA auch das zweitgrößte Team dieser Spiele.
  • Anders verhält es sich mit den Niederlanden. Von Breite kann keine Rede sein, unter den 34 Athleten und Athletinnen starten in Pyeongchang nur vier nicht im Eisschnelllauf oder Shorttrack. Die Konzentration auf die schnellen Schaatsen zahlt sich zum dritten Mal in Folge aus. Seit Vancouver 2010 gehören die Niederlande zu den erfolgreichsten Nationen bei Winterspielen. Bisherige Bilanz: sechs Goldmedaillen, fünfmal Silber und zweimal Bronze.

VERLIERER

  • Olympische Athleten aus Russland - oder sollte man das 169 Sportler starke Team doch einfach Russland nennen, so wie es zwischenzeitlich mal auf der IOC-Seite stand und wie es vermutlich zur Schlussfeier sein wird? Der Skandal um das staatlich organisierte Doping war das Thema in den Wochen vor den Spielen, es könnte nach einem Dopingverdacht gegen einen russischen Curler noch einmal an Fahrt aufnehmen. Einige Stars waren nicht dabei, andere nicht in Form. Die große Wintersport-Nation wartet noch immer auf die erste Goldmedaille.
  • Was bei Ledeckás Sieg im Super G etwas unterging, ist symptomatisch für die bisherige Bilanz der Schweiz. Lara Gut war sich ihrer Medaille sicher, dann kam die Tschechin und verdrängte Gut auf den vierten Platz. Mit einem Rückstand von einer Hundertstel auf Bronze. Irgendwas fehlt halt immer. Fast immer, mittlerweile sind sieben Medaillen zusammengekommen, dank Langläufer Dario Cologna und Freestylerin Sarah Höfflin auch zweimal Gold.
  • Es sind einige Fans aus Finnland nach Südkorea gereist. Doch im Land der legendären Olympiasieger Matti Nykänen, Samppa Lajunen oder Marja-Liisa Kirvesniemi herrscht Stagnation. Seit Salt Lake City hat das finnische Olympiateam einmal Gold gewonnen. In Pyeongchang kamen bisher drei Bronzemedaillen hinzu.


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clift 18.02.2018
1. Sportler oder Flaggen?
Letzte Woche kommentiert SPON noch, man solle Flaggen-/Länder-/Nationen-Denken ablegen und nur 'Sportler' bei Olympia sehen. Und nun doch wieder die Länder-Rankings. Es lebe die Klickrate! Hier der Link: http://www.spiegel.de/sport/wintersport/olympia-2018-warum-die-spiele-keine-fahnen-und-hymnen-brauchen-a-1192542.html
M. Vikings 18.02.2018
2. SPON kommentiert gar nicht.
Zitat von cliftLetzte Woche kommentiert SPON noch, man solle Flaggen-/Länder-/Nationen-Denken ablegen und nur 'Sportler' bei Olympia sehen. Und nun doch wieder die Länder-Rankings. Es lebe die Klickrate! Hier der Link: http://www.spiegel.de/sport/wintersport/olympia-2018-warum-die-spiele-keine-fahnen-und-hymnen-brauchen-a-1192542.html
Der von Ihnen verlinkte Kommentar ist von Herrn Ahrens, und dieser Artikel ist von Herrn Kramer. Bei einigen Themen gibt es bei den SPON-Redakteuren doch noch unterschiedliche Meinungen. Das ist doch schön.
gibmichdiekirsche 18.02.2018
3.
Zitat von cliftLetzte Woche kommentiert SPON noch, man solle Flaggen-/Länder-/Nationen-Denken ablegen und nur 'Sportler' bei Olympia sehen. Und nun doch wieder die Länder-Rankings. Es lebe die Klickrate! Hier der Link: http://www.spiegel.de/sport/wintersport/olympia-2018-warum-die-spiele-keine-fahnen-und-hymnen-brauchen-a-1192542.html
Ja und? Letzte Woche hat der bei SPON beschäftigte Sportjournalist Peter Ahrens seine höchstpersönliche Sicht der Dinge als "Kommentar" zur Diskussion gestellt. Eine als Leitartikel oder sonstwie als "Kommentar" ausgewiesene Veröffentlichung gibt nun mal nicht immer die Linie des Verlags wieder. Oder glauben Sie, die politisch konservativen Kolumnen eines Herrn Fleischhauer entsprächen stets der Linie des SPIEGELs? Die meisten LeserInnen wollen aber nun mal auch meinungsstarke Beiträge lesen, auch wenn sie sich daran reiben mögen. Das ist doch so was wie das Salz in der Suppe, und Clickrate-Vorwürfe sind da unangebrachter Populismus.
meinerlei 18.02.2018
4. Ferner schniefen
Russland ohne seine Doper ist unter "ferner schniefen" zu verbuchen. Das ist ist mal ein ernstzunehmender Wink für ein Land, dass militärisch (Söldner und "Separatisten" anstelle regulärer Soldaten) und politisch (Desinformation auf allen Kanälen) nur noch herumtrickst und dabei wirtschaftlich und im Ansehen im weiter ins Abseits gerät. Vielleicht bringt das manche der wunderbaren Menschen in diesem Land mal so zu zum Nachdenken, dass mal wieder eine positive Bewegung einsetzt. Ansonsten weisen die vielen Überraschungen zart darauf hin, dass statt unbesiegbarer Doper ein Wettbewerb mit Chancengleichheit gelegentlich noch möglich ist.
lubale 18.02.2018
5.
Zitat von meinerleiRussland ohne seine Doper ist unter "ferner schniefen" zu verbuchen. Das ist ist mal ein ernstzunehmender Wink für ein Land, dass militärisch (Söldner und "Separatisten" anstelle regulärer Soldaten) und politisch (Desinformation auf allen Kanälen) nur noch herumtrickst und dabei wirtschaftlich und im Ansehen im weiter ins Abseits gerät. Vielleicht bringt das manche der wunderbaren Menschen in diesem Land mal so zu zum Nachdenken, dass mal wieder eine positive Bewegung einsetzt. Ansonsten weisen die vielen Überraschungen zart darauf hin, dass statt unbesiegbarer Doper ein Wettbewerb mit Chancengleichheit gelegentlich noch möglich ist.
Ich weiß nicht mehr ,wem ich glauben soll. Die ganze Olympia-Story 2018 ist verlogen und verkauft! "6000 Sprays für 121 SportlerOlympia 2018: Norweger überraschen mit Unmengen an Asthma-Mittel" www.focus.de/sport/olympia-2018/6000-sprays-fuer-121-sportler-olympia-2018-norweger-ueberraschen-mit-unmengen-an-asthma-mittel_id_8457228.html Olympische Spiele Norwegen überholt Deutschland im Medaillenspiegel http://www.t-online.de/sport/olympia/id_83250010/olympia-2018-deutschland-wurde-im-medaillenspiegel-ueberholt.html
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