Olympischer Rodelwettbewerb: Loch fährt zum ersten Gold für Deutschland
Die deutschen Rodler feiern bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver einen Doppelsieg. Felix Loch holte in dem entschärften Eiskanal von Whistler Gold - mit deutlichem Vorsprung auf seinen Teamkollegen David Möller und den Italiener Armin Zöggeler. Das Rennen stand im Schatten des tödlichen Unfalls von Freitag.
Hamburg - Felix Loch hat die erste deutsche Goldmedaille der Spiele von Vancouver gewonnen - und sich zum jüngsten Rodel-Olympiasieger gekrönt. Der 20-Jährige verwies bei seinem Olympia-Debüt im Whistler Sliding Centre nach vier Läufen seinen Teamkollegen David Möller mit deutlichem Vorsprung auf den Silberrang. Es war der erste deutsche Rodel-Doppelsieg bei den Männern seit 1988 in Calgary (Jens Müller vor Georg Hackl). "Es ist alles unglaublich, die letzten zwei Tage waren einfach nur geil. Ich bin sehr, sehr gut gefahren, es hat einen Riesenspaß gemacht", sagte Loch.
Auch Möller war glücklich. "Ich hatte eine Medaille immer als Ziel. Gold und Silber hatten die Trainer sicher nicht erwartet. Wir sind mit dem Druck sehr gut klar gekommen", sagte er. Bronze ging an den favorisierten Armin Zöggeler. Der Italiener verpasste nach seinen Olympiasiegen 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin den Hattrick. Dieser ist bislang nur Georg Hackl (1992, 1994 und 1998) gelungen.
Mit der deutschen Fahne über den Schultern jubelte Loch nach der Zieldurchfahrt mit hochgerissenen Fäusten vor den feiernden Fans. Unsicher fühlte sich Loch nach zwei perfekten Tagen nur, als ihn Möller und Zöggeler auf die Schultern hoben - und ins Wanken brachten.
"Das ist für uns ein absoluter Traumstart. Das gibt Zuversicht für alle Wettbewerbe. Zudem ist es eine Goldmedaille, die wir nicht unbedingt eingeplant hatten. Ich bin mir sicher, dass Felix und David diesen Riesenerfolg richtig feiern werden", sagte Andreas Trautvetter, der Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland.
Mit der im Rücken behielt Loch am Sonntag im schnellsten Eiskanal der Welt vor 12.000 Zuschauern die Nerven und baute seinen Vorsprung mit Bestzeit im dritten Durchgang weiter aus. Auch im vierten Lauf war er der Schnellste. Am Ende hatte Loch einen Vorsprung von 0,679 Sekunden auf Möller. Andi Langenhan wurde Fünfter.
"Er ist cool, er ist gut drauf"
Loch war 2008 in Oberhof bereits jüngster Weltmeister im Einsitzer geworden, seinen WM-Titel verteidigte er 2009 in Lake Placid erfolgreich. Allerdings hat er in seiner Laufbahn erst ein einziges Weltcuprennen gewonnen.
In Whistler kam Loch und Ex-Weltmeister Möller die verkürzte Strecke entgegen. Nach dem tödlichen Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili im Training am Freitag war der Hochgeschwindigkeitskurs entschärft worden. Die Männer gingen vom flacheren Damenstart ins Rennen, fuhren 176 Meter weniger und nur 14 der 16 Kurven. Als gute Starter profitierten Loch und Möller von der Entscheidung. "Nach der Verkürzung der Strecke haben wir am Schlitten etwas verändert. Dass die Läufe am Damenstart begannen, kam uns entgegen", sagte Loch.
Das schreckliche Ereignis am Freitag brachte Loch nicht um seine Konzentration und Lockerheit. "Mit Psychologie hatte ich noch nie Probleme", sagte der Sohn von Bundestrainer Norbert Loch. "Es war schwierig, damit umzugehen, aber wir haben das ganz gut geschafft." Für Hackl war die Sache angesichts der Abgeklärtheit des neuen Olympiasiegers schon am Morgen des Finaltags klar: "Er ist cool, er ist gut drauf." Auch von seinen anfangs eher mäßigen Trainingsleistungen ließ sich Loch nicht aus der Erfolgsspur bringen. Gleich im ersten Durchgang legte er den Grundstein für den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere.
Das bisher letzte deutsche Olympiagold bei den Männer-Einsitzern hatte Hackl 1998 in Nagano geholt. Für deutsche Rodler war es insgesamt die 26. Goldmedaille der olympischen Geschichte. Seit Aufnahme der Rodelwettbewerbe ins Olympia-Programm 1964 holten deutsche Athleten immer zumindest eine Goldmedaille.
wit/sid/dpa
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