Osterweiterung Ski-Weltverband plant zweites Neujahrsspringen

Seit Jahrzehnten wurden das Neujahrsspringen in einem Atemzug mit Garmisch-Partenkirchen genannt. Doch nun erwächst Konkurrenz. Durch eine zweite Veranstaltung mit demselben Namen, aber an einem anderen Ort und an einem anderen Neujahrsfest.


Garmisch-Partenkirchen - "Wir wollen ein Springen in Russland austragen, das am russischen Neujahrsfest stattfinden könnte", sagte Walter Hofer, der Skisprung-Chef des Skiweltverbandes Fis dem sid. Der Termin wäre dann der 13. Januar, dem Tag des Neujahrsfestes in Russland. "Das könnte dann eine Woche nach dem Ende der Vierschanzentournee die Revanche sein", erklärte Hofer.

Skispringer in Garmisch-Partenkirchen: Schanze von 1936
DPA

Skispringer in Garmisch-Partenkirchen: Schanze von 1936

Doch vor dem Skisprungaufschwung in Russland muss dort erst noch kräftig gebaut werden. Eine weltcupreife Schanze sucht man landesweit noch, aber die Ausschreibung für den Bau von zwei Anlagen in St. Petersburg und Jekaterinenburg läuft. Der russische Staatspräsident Wladimir Putin fördert offenbar diese Projekte. "Bis 2008 müssen die Schanzen stehen", sagt Russlands deutscher Cheftrainer Wolfgang Steiert.

Die Fis rechnet spätestens 2010 mit dem spektakulären "Neujahrs-Weltcup" in Russland, und zumindest der viermalige Weltmeister Martin Schmitt freut sich darauf: "So ein Springen am Neujahrs-Feiertag in Russland wäre doch eine gute Sache. Da könnte man vorher ein zweites Mal Silvester feiern."

In Garmisch-Partenkirchen kommt dagegen offener Unmut auf. "Uns gibt es seit 54 Jahren, und wir werden auch die nächsten 54 Jahre einmalig sein. So etwas gibt es weder in der Formel 1 noch im Tennis", erklärt OK-Präsident Toni Guggemoos.

Selbstverständlich sei die Weltcup-Planung Sache der Fis, aber zumindest der Name Neujahrsspringen sei geschützt, betont der Veranstaltungsleiter. Deshalb müsse der Weltcup auf dem Boden der aufstrebenden Skisprung-Macht zumindest anders heißen. Dabei ist die mittelfristige Zukunft des "echten" Neujahrsspringens in Deutschland nicht gesichert, denn das Schanzenzertifikat läuft nach dem nächsten Springen am 1. Januar 2007 aus.

Die Fis fordert einen Neubau der betagten Schanze in Garmisch-Partenkirchen auf den Gelände der Olympischen Spiele von 1936. Aber dafür braucht die Stadt 10 Millionen Euro - die sie offenbar nicht hat. Trotzdem geht Guggemoos davon aus, dass seine alte Schanze in den Tagen nach dem 2. Januar 2007 gesprengt ist und der neue Bakken bis zum nächsten Neujahrsspringen am 1. Januar 2008 steht. "Das ist eine historische Sportstätte der einzigen Olympischen Winterspiele, die jemals in Deutschland stattgefunden haben. Für die Sanierung des Berliner Olympiastadions sind auch über 200 Millionen geflossen."



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