Paralympische Winterspiele Athletinnen sorgen für deutsches Traum-Ergebnis

Neun Gold-, fünf Silber- und eine Bronzemedaille - die deutsche Paralympics-Bilanz kann sich sehen lassen. Die überragende Anna Schaffelhuber, ein Dopingfall und ein Politiker, der auf der Abschlussfeier für Unmut sorgt: Das sind die Tops und Flops der Spiele.

Monoskifahrerinnen Schaffelhuber (l.) und Forster: "Das ist so groß"
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Monoskifahrerinnen Schaffelhuber (l.) und Forster: "Das ist so groß"


Hamburg - Anna Schaffelhuber jubelte über ihre fünfte Goldmedaille, Andrea Eskau immerhin über ihre zweite: Die Paralympischen Winterspiele von Sotschi gingen für die deutsche Mannschaft mit einem glanzvollen letzten Wettkampftag zu Ende. Friedhelm Julius Beucher zog angesichts von insgesamt 15 Medaillen für das deutsche Team eine positive Bilanz: "Das hatte ich so nicht erwartet. Für unser kleines, aber feines Team ist das ein sensationelles Abschneiden", sagte der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS).

13 DBS-Athleten waren ans Schwarze Meer gereist und errangen mit neunmal Gold, fünfmal Silber und einmal Bronze hinter Gastgeber Russland (30-28-22) Platz zwei im Medaillenspiegel. Zum Vergleich: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte 152 Sportler nach Sotschi geschickt, sie gewannen 19 Medaillen und belegten am Ende Rang sechs in der Nationenwertung.

Beim DBS hoffen sie nach dem überraschend guten Abschneiden der deutschen Delegation nun auf einen nachhaltigen Effekt, auf mehr Fördergelder, vor allem aber auf mehr öffentliche Wahrnehmung. Mut machen wollte der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees: "Die Spiele waren absolut überwältigend in ihrer Wirkung, weit über die Erwartungen der Paralympische Bewegung hinaus", sagte Philip Craven. Gut 316.200 verkaufte Tickets - rund 86.000 mehr als noch bei den Vancouver-Paralympics vor vier Jahren - sprächen für "ein spektakuläres Schaufenster des Sports und die Kraft des menschlichen Geistes".

Was bleibt den Zuschauern von den neun Wettkampftagen in Sotschi wohl am stärksten in Erinnerung? Ein Überblick über die Highlights und Enttäuschungen der elften Paralympics.

  • Anna Schaffelhuber
    Nicht nur aus deutscher Sicht war die Monoskifahrerin mit ihren fünf Goldmedaillen aus fünf Rennen der Star der Spiele. Auch die Gastgeber schlossen die 21-Jährige ins Herz - erst recht nach ihrer nachträglich anerkannten Goldmedaille im Slalom, als sie zunächst wegen eines vermeintlichen Startfehlers disqualifiziert worden war. "Das ist so groß. Am meisten bin ich gespannt, wenn ich aus dem Traum in die Wirklichkeit zurückkomme", freute sie sich am letzten Wettkampftag.

  • Roman Petuschkow
    Erfolgreicher als Schaffelhuber war nur der russische Biathlet und Langläufer: Mit sechs Siegen bei sieben Starts sorgte er in Sotschi für einen Rekord.

  • Matthias Lanzinger
    Sechs Jahre nach seiner Beinamputation gab der einstige alpine Weltcup-Fahrer sein Paralympics-Debüt. Eine durchaus beeindruckende Premiere: Der Österreicher gewann zweimal Silber.

  • Die Snowboard-Wettkämpfe
    Die Boardercrosser feierten Paralympics-Premiere. Es fehlte zwar noch ein faires Klassifizierungssystem, das Sportlern mit schwererer Behinderungen ebenfalls Chancen einräumen würde, doch die spektakuläre Show - schon bei den Olympischen Winterspielen ein Hingucker - kam beim Publikum gut an.

  • Das Wetter
    Es hätte in den zehn Tagen unterschiedlicher kaum ausfallen können. Erst Sonne und frühsommerliche Temperaturen, dann Regen, Nebel und Schnee. Hatten die Teilnehmer der Olympischen Winterspiele bereits mit dem mitunter sehr weichen Schnee zu kämpfen, waren die Bedingungen rund zwei Wochen später noch schwieriger. Vor allem bei den alpinen Wettbewerben kam es wegen des weichen Schnees zu etlichen Stürzen.

  • Doping
    Bis zum Ende der Spiele gab es einen Fall - und zwar schon bevor die Wettkämpfe überhaupt begonnen hatten. Beim italienischen Sledgehockey-Spieler Igor Stella war ein verbotener Salbenwirkstoff entdeckt worden. Konsequenz: 18 Monate Sperre.

  • Die deutschen Männer
    15 Medaillen gewannen die DBS-Athleten - allerdings ging keine einzige davon an einen der acht männlichen Sportler. "Nach oben ist noch viel Luft", sagte DBS-Präsident Beucher, "aber wir können auch nicht alles finanzieren, was wir uns vorstellen und wünschen. Das ist die große Herausforderung für die nächsten Jahre."

Mit Material von dpa und sid



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