Disqualifikation aufgehoben Schaffelhuber gewinnt nachträglich Slalom-Gold

Anna Schaffelhuber hat in Sotschi ihre dritte Goldmedaille gewonnen. Das Paralympische Komitee nahm die Disqualifikation der Monoski-Fahrerin im Slalom zurück. Thomas Nolte wurde im Nacht-Slalom nachträglich disqualifiziert.

Monoski-Fahrerin Schaffelhuber: Dritter Sieg in Sotschi
Getty Images

Monoski-Fahrerin Schaffelhuber: Dritter Sieg in Sotschi


Hamburg - Der Traum von fünf Goldmedaillen in fünf Wettbewerben lebt: Anna Schaffelhuber hat nach ihrer zwischenzeitlichen Disqualifikation wegen eines angeblichen Startfehlers einen Tag nach dem Rennen Gold im Slalom bei den Winter-Paralympics zugesprochen bekommen. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hob den Ausschluss der Monoski-Fahrerin aus der Wertung auf.

Damit holte Schaffelhuber am Grünen Tisch ihr drittes Gold in Sotschi. Ihre Teamkollegin Anna-Lena Forster muss sich mit Silber zufrieden geben, Bronze geht an Kimberly Joines. Laurie Stephens aus den USA fällt auf Rang vier zurück.

Die deutsche Teamleitung erstritt nach einem Protest der Österreicher eine Anhörung beim IPC, nachdem Schaffelhuber in Führung liegend nach dem ersten Slalom-Durchgang wegen eines angeblichen Startfehlers zunächst disqualifiziert worden war - sie soll sich regelwidrig mit ihren Krücken zweimal abgestoßen haben. Schaffelhuber durfte im zweiten Durchgang nur unter Vorbehalt als Erste starten. In den ausstehenden Wettbewerben Super-Kombination und Riesenslalom gilt die 21-Jährige ebenfalls als Top-Favoritin.

Nolte verpasst Podium knapp - und wird disqualifiziert

Thomas Nolte hat eine Medaille im Nacht-Slalom knapp verpasst - wurde später dann aber disqualifiziert. Der 29 Jahre alte Monoski-Fahrer landete im Alpin-Stadion von Rosa Chutor zunächst auf dem vierten Platz. Am Abend wurde der querschnittsgelähmte Athlet wegen eines Torfehlers im zweiten Lauf nachträglich disqualifiziert. Nolte hatte nach dem ersten Durchgang auf dem sechsten Rang gelegen.

Gold holte sich der Japaner Takeshi Suzuki vor den beiden Österreichern Philipp Bonadimann und Roman Rabl. Der zweite Lauf auf einer fragwürdigen Piste wurde unter Flutlicht ausgetragen. Georg Kreiter schied im ersten Durchgang nach einem Fahrfehler aus.

Bei den Winter-Paralympics gibt es 72 Entscheidungen. Es gehen Sportler mit unterschiedlichsten Behinderungen an den Start - Rollstuhlfahrer, Blinde und Armamputierte. Wie können sich Athleten mit so unterschiedlichen körperlichen Fähigkeiten messen? Die Einteilung im Überblick.
Ski alpin
Die Sportler werden entsprechend ihrer Klassifizierung in drei Gruppen eingeteilt - sitzend, stehend und sehbehindert. Zu den Sitzenden, die auf einem Monoski mit Sitz fahren, zählen die Sportler der Klassifizierungen von LW2 bis LW9 - also die mit Beeinträchtigung der Beine oder Arme oder aller Gliedmaßen. Die Stehenden sind Sportler der Klassifizierung LW10 bis LW12. Sie alle haben Beinbehinderungen. Bei den Sehbehinderten, die einen Begleitläufer haben, gibt es drei Klassen (B1 bis B3). Ausnahme sind die Snowboarder, bei denen es nur einen Stehend-Wettbewerb gibt (SB LL und SB UL).
Biathlon und Langlauf
Auch bei den nordischen Skidisziplinen gibt es die Gruppen sitzend (LW2 bis LW9), stehend (LW10 bis LW12) und sehbehindert (B1 bis B3). Hier wird ein kompliziertes Prozent-System genutzt, um die gewertete Zeit jedes Athleten zu berechnen. So ist es möglich, dass ein Sportler, der in der Loipe nicht der schnellste war, dennoch der Sieger ist. Dazu wird jedem Teilnehmer ein Wert zugewiesen, der sich nach dem Grad seiner Behinderung und seiner Klassifizierung ergibt. Auch hier haben die Sitzenden einen Monoski mit Sitz und die Sehbehinderten je nach Klassifizierung einen Begleitläufer. Beim Schießen im Biathlon peilen die Sportler mit beeinträchtigtem Sehvermögen die Zielscheiben mithilfe von akustischen Signalen an.
Sledge-Eishockey
An dieser spektakulären Sportart dürfen nur Athleten einer Schadensklasse teilnehmen. Die Spieler müssen eine Behinderung im unteren Teil ihres Körpers haben, also etwa Muskelschwächen an den Beinen. Auch Querschnittsgelähmte zählen dazu. Die Sportler sitzen auf einem Schlitten dicht über dem Eis und haben in beiden Händen einen Schläger.
Rollstuhl-Curling
Auch beim Curling dürfen nur Sportler teilnehmen, die schwere Behinderungen ihrer unteren Körperhälfte haben. Der Großteil der Athleten ist auf einen Rollstuhl angewiesen. In jedem Team muss mindestens eine Frau sein. Wischen ist beim Rollstuhl-Curling nicht erlaubt.

buc/tpr/sid



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Terc wai Maseet 13.03.2014
1. Bei manchen Einsprüchem ...
sieht schon der Laie, dass die nicht durchkommen und zum Glück haben die Offiziellen es auch so gesehen. Ich freue mich für die Anna über ihr 3.Gold und hoffe, dass durch dieses Zwischenspiel ihr Selbstvertrauen für die nächsten Läufe gestärkt ist! Ich frage mich allerdings, was die Österreicher mit ihrem Einspruch bezwecken wollten. Um ihre Athletin auf's Podest zu kriegen hätten sie ja noch jemand stürzen müssen ... Oder sollte das nur ein kleines Psychospielchen vor den nächsten Wettbewerben sein ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.