Paralympische Winterspiele Wer wo starten darf

Mehr als 500 Wettbewerbe gibt es bei den Sommer-Paralympics, bei der Winter-Ausgabe sind es nur 72. Die Einteilung der Athleten in verschiedene Klassen ist dennoch ähnlich kompliziert. SPIEGEL ONLINE erklärt die Hintergründe.

Skirennfahrerin Schaffelhuber: Klassifizierung LW10
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Skirennfahrerin Schaffelhuber: Klassifizierung LW10

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Hamburg - Bei den Paralympischen Winterspielen gehen Sportler mit unterschiedlichsten Behinderungen an den Start. Es gibt Rollstuhlfahrer, Blinde und Armamputierte. Doch wie können sich Athleten mit so unterschiedlichen körperlichen Fähigkeiten messen?

Während die Sportler früher nach der medizinischen Diagnose eingeteilt wurden, sind heute die funktionellen Fähigkeiten der Maßstab. Dabei "achtet man auf die Bewegungen, welche die Athleten unterschiedlicher Behinderungsarten gemeinsam haben", schreibt der Deutsche Behindertensportverband (DBS) auf seiner Internetseite.

Grundlage sind zehn verschiedene Behinderungsarten, die das Internationale Paralympische Komitee (IPC) akzeptiert:

  • Beeinträchtigte Muskelkraft
  • Beeinträchtigung der passiven Beweglichkeit
  • Amputation oder Fehlbildung von Gliedmaßen
  • Unterschiedliche Beinlängen
  • Kleinwüchsigkeit
  • Hypertonie: Störung des Nervensystems und der Muskulatur
  • Ataxie: Ebenfalls Beeinträchtigung der Koordination der Muskeln
  • Athetose: Unwillkürliche, langsame Bewegungen der Gliedmaßen und/oder des Rumpfes
  • Beeinträchtigung der Sehfähigkeit
  • Geistige Behinderung

Auf dieser Basis legt jede Sportart fest, für welche Behinderungen es möglich ist, an Wettkämpfen teilzunehmen. Danach geht es an die Klassifizierung der einzelnen Sportler. Bevor Athleten das erste Mal an einem Wettkampf teilnehmen, wird geprüft, ob die Behinderung sie zur Teilnahme berechtigt. In der Folge wird untersucht, wie sehr die Behinderung die sportliche Aktivität beeinträchtigt. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, wie die Sportler möglichst ohne Einschränkung aktiv sein können.

Bei einigen Sportarten werden verschiedene Klassifizierungen in sogenannte Sportklassen zusammengefasst. Ziel ist es, möglichst viele Menschen am Wettkampfsport zu beteiligen. Bei den Winterspielen in Sotschi gibt es fünf verschiedene Sportarten mit insgesamt 72 Entscheidungen.

  • Ski alpin: Die Sportler werden entsprechend ihrer Klassifizierung in drei Gruppen eingeteilt - sitzend, stehend und sehbehindert. Zu den Sitzenden, die auf einem Monoski mit Sitz fahren, zählen die Sportler der Klassifizierungen von LW2 bis LW9 - also die mit Beeinträchtigung der Beine oder Arme oder aller Gliedmaßen. Die Stehenden sind Sportler der Klassifizierung LW10 bis LW12. Sie alle haben Beinbehinderungen. Bei den Sehbehinderten, die einen Begleitläufer haben, gibt es drei Klassen (B1 bis B3). Ausnahme sind die Snowboarder, bei denen es nur einen Stehend-Wettbewerb gibt (SB LL und SB UL).
  • Biathlon und Langlauf: Auch bei den nordischen Skidisziplinen gibt es die Gruppen sitzend (LW2 bis LW9), stehend (LW10 bis LW12) und sehbehindert (B1 bis B3). Hier wird ein kompliziertes Prozent-System genutzt, um die gewertete Zeit jedes Athleten zu berechnen. So ist es möglich, dass ein Sportler, der in der Loipe nicht der schnellste war, dennoch der Sieger ist. Dazu wird jedem Teilnehmer ein Wert zugewiesen, der sich nach dem Grad seiner Behinderung und seiner Klassifizierung ergibt. Auch hier haben die Sitzenden einen Monoski mit Sitz und die Sehbehinderten je nach Klassifizierung einen Begleitläufer. Beim Schießen im Biathlon peilen die Sportler mit beeinträchtigtem Sehvermögen die Zielscheiben mithilfe von akustischen Signalen an.
  • Sledge-Eishockey: An dieser spektakulären Sportart dürfen nur Athleten einer Schadensklasse teilnehmen. Die Spieler müssen eine Behinderung im unteren Teil ihres Körpers haben, also etwa Muskelschwächen an den Beinen. Auch Querschnittsgelähmte zählen dazu. Die Sportler sitzen auf einem Schlitten dicht über dem Eis und haben in beiden Händen einen Schläger.
  • Rollstuhl-Curling: Auch beim Curling dürfen nur Sportler teilnehmen, die schwere Behinderungen ihrer unteren Körperhälfte haben. Der Großteil der Athleten ist auf einen Rollstuhl angewiesen. In jedem Team muss mindestens eine Frau sein. Wischen ist beim Rollstuhl-Curling nicht erlaubt.



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