Trotz Krim-Krise Ukraine nimmt an Paralympischen Spielen teil

500 Kilometer von Sotschi entfernt droht ein Krieg, doch die Paralympischen Winterspiele finden trotz der Krise auf der Krim statt - und die Ukraine ist dabei. Das Team hat sich nun gegen einen Boykott entschieden.

  Paralympics-Starter aus der Ukraine: Kein Boykott der Spiele
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Paralympics-Starter aus der Ukraine: Kein Boykott der Spiele


Hamburg - Trotz der Krim-Krise tritt die ukrainische Mannschaft bei den Paralympics (7. bis 16. März) im russischen Sotschi an. Das gaben die Team-Verantwortlichen nach tagelangen Spekulationen um einen Boykott am Freitag wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier bei einer Pressekonferenz in Sotschi bekannt.

"Wir wollen teilnehmen - für den Frieden in der Ukraine, in Europa und der Welt", sagte Waleri Suskewitsch, Präsident des paralympischen Komitees der Ukraine. Er appellierte an Russlands Präsident Wladimir Putin: "Lasst uns keinen Krieg beginnen während der Paralympics. Ich bete zu Gott, dass der Frieden in Europa und der Welt erhalten bleibt. Mein Wunsch ist, dass die Ukrainer in Frieden leben können. Die paralympische Bewegung kann dazu beitragen."

Die Mannschaft der Ukraine habe einstimmig für eine Teilnahme gestimmt. Auch das deutsche Team hatte in den letzten Tagen stets einen Boykott abgelehnt. Die Bundesregierung hatte am Donnerstag die Reise ihrer Behindertenbeauftragten Verena Bentele aus politischen Gründen abgesagt. Auf einen geschlossenen Boykott konnten sich die Ministerien allerdings nicht verständigen, Innen-Staatssekretär Ole Schröder (CDU) wollte seine Reise bisher nicht absagen.

Der ukrainischen Mannschaft drohen trotz ihrer Teilnahme Sanktionen durch das Internationale Paralympische Komitee (IPC). Es werde geprüft, ob Teammitglieder am Donnerstagabend bei ihrer offiziellen Willkommens-Zeremonie im Athletendorf in Krasnaja Poljana gegen die Charta der Winterspiele verstoßen hätten. "Wenn es ein politischer Protest gewesen sein sollte, wären wir enttäuscht", sagte ein IPC-Sprecher am Freitag, "hier in Sotschi soll der Sport und nicht die Politik im Vordergrund stehen". Die Überprüfung sei noch nicht abgeschlossen.

Die Athleten hatten am Donnerstag laut ihre Nationalhymne mitgesungen und angesichts der Krim-Krise zwischen Russland und der Ukraine lautstark mit Sprechchören ("Frieden für die Ukraine") auf sich aufmerksam gemacht.

luk/dpa



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