Vierschanzentournee-Sieger Prevc Der fliegende Bücherwurm

Peter Prevc redet nicht viel, er siegt lieber. Der 23-Jährige aus Slowenien hat die Vierschanzentournee der Skispringer dominiert. Dabei hat er sich seinen Erfolg über die Jahre hart erarbeiten müssen.

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AFP

Wahrscheinlich ist über einen Sieger der Vierschanzentournee noch nie so wenig geschrieben worden wie über Peter Prevc. Die deutschen Journalisten bei der Vierschanzentournee hatten genug damit zu tun, Severin Freunds Topleistungen abzufeiern, die österreichischen Kollegen betrieben Nabelschau und litten mit ihren bis Bischofshofen wenig erfolgreichen ÖSV-Adlern. Dass diese Tournee aber von einem Springer beherrscht wurde, fand nur wenig Widerhall in der Berichterstattung.

Peter Prevc, der souveräne Gesamtsieger aus Slowenien, ist keine Medienfigur. Er will das nicht sein, und auch die Öffentlichkeit findet keinen rechten Zugang zu ihm.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat den 23-Jährigen das "Unbekannte Flugobjekt" getauft, und das liegt nicht nur daran, dass Prevc noch weniger Interviews gibt als Bayerntrainer Josep Guardiola. Der Slowene redet nicht viel, der Kontakt zu den anderen Springern ist höflich, aber mehr auch nicht.

Aus der Reserve lässt er sich nicht locken

Wer von Prevc etwas will, der muss ihn schon ansprechen, hat Österreichs Michael Hayböck letztens kundgetan. Lieber steckt der Slowene die Nase in die Bücher. Er ist da vorbelastet. Seine Mutter ist Bibliothekarin.

Preevc lässt sich nicht aus der Reserve locken. Das gilt für seinen Umgang mit den Journalisten ebenso wie beim sportlichen Wettkampf. Vor der Tournee wurde der Weltcup-Führende bereits zum großen Favoriten hochgeschrieben, gekoppelt mit der Vermutung, dass der junge Mann dadurch gewaltig unter Druck stehen müsse. Und als Prevc zum Auftakt in Oberstdorf nur auf den dritten Rang sprang, schien das ein Indiz dafür zu sein, dass der Slowene diesem Druck nicht standhält.

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Vierschanzentournee: Prevc schlägt zurück, Freund zufrieden
Was folgte, war eine Demonstration. Sieg in Garmisch-Partenkirchen, Sieg in Innsbruck unter schwierigsten Windbedingungen am Bergisel, Sieg in Bischofshofen. Schon nach Innsbruck hatte die Konkurrenz abgewinkt, zu bequem war der Vorsprung, den sich Prevc vor dem letzten Springen erarbeitet hatte.

Der Zweikampf mit Severin Freund, zu dem diese Tournee stilisiert worden war, war früher entschieden als gedacht, obwohl auch der Deutsche kaum Schwächen gezeigt hat und selbst den Sturz beim Probedurchgang in Innsbruck wegsteckte. Tatsächlich sind sich die beiden Überflieger dieses Winters ähnlicher, als es scheint. Beide sind keine Shootingstars der Szene, plötzlich in die Weltspitze aufsteigend. Beide sind Arbeiter ihres Sports.

Die großen Erfolge brauchten Zeit

Bundestrainer Werner Schuster hat bei Freund immer wieder betont, dass ihm "wenig zugefallen ist, er sich vieles hart erarbeitet hat" - und genau das gleiche könnte man über Prevc sagen. Zwar ließ er als 17-Jähriger bei den Winterspielen von Vancouver schon aufhorchen, als er auf der Großschanze beachtlicher Siebter wurde.

Dennoch hatte der Slowene danach schon vier Jahre im Weltcup hinter sich, bevor sich die großen Erfolge einstellten. Vizeweltmeister in Val di Fiemme, Olympiazweiter in Sotschi, Dritter der Vierschanzentournee im Vorjahr, Weltcup-Gesamtzweiter 2015 punktgleich mit Freund. Nur der ganz große Sprung hatte bisher gefehlt. Das holt er in diesem Winter eindrucksvoll nach.

Es dürfte jetzt schon schwer fallen, ihm den Weltcupsieg in dieser Saison noch zu entreißen, dabei ist der Winter noch nicht einmal zur Hälfte vorbei. Das Abschluss-Springen in Planica ist für die vorletzte Märzwoche terminiert, bis dahin stehen noch zwölf-Weltcup-Wettbewerbe und die Skiflug-WM an. Dieser Winter kann ein einziges Prevc-Festival werden. "Es ist beeindruckend, mit welcher Konstanz und auf welchem Niveau er springt. Er lässt sich offenbar durch nichts aus der Ruhe bringen", lobt Freund den Rivalen.

Prevc ist noch schneller beim Anlauf als Freund, er schafft es noch ein bisschen kraftvoller, den Absprung in die Flugphase mitzunehmen, er zieht die Ski im Flug so nah an den Körper wie fast kein anderer Konkurrent. All das zusammen macht ihn im Moment so schwer schlagbar.

"Ich muss weiter fokussiert bleiben." Das sind so die alles- wie nichtssagenden Zitate, die man von Prevc in der Öffentlichkeit bekommt. Aber das Schlimme daran für die Konkurrenz ist: Er meint es auch noch so.



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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Walter Sobchak 06.01.2016
1.
Alle viel zu dünn, diese "Sportler".
MHB 06.01.2016
2. Warum wird dem nur soviel
Aufmerksamkeit geschenkt? Eine gehypte Parade von anorektischen Jugendlichen und Jungen Erwachsenen für die riesige Mengen an Kunstschnee produziert werden. Hach ja ... dem Volk seine Spiele. Dieses Spektakel ist einfach super langweilig, und vor allem kein Breitensport, der jenseits der Gebirge im Süden Aufmerksamkeit bekommen sollte.
Stäffelesrutscher 06.01.2016
3.
Zitat von Walter SobchakAlle viel zu dünn, diese "Sportler".
Sie dürfen die Anführungszeichen ruhig weglassen. Skispringen ist Sport. Jedenfalls wenn man heil unten ankommen will. Und haben Sie schon mal überlegt, dass sich jemand für eine Sportart entscheidet, die zu seiner Statur passt? Ein Wladimir Klitschko wäre als Kunstturner oder Skispringer nix geworden, und ein Florian Hambüchen hätte einen schlechten Fußballtorwart abgegeben.
wernerz 06.01.2016
4. Hochachtung!
Esd ist schwierig, zu diesem Tema einen halbwegs aussagefähigen Leser-Beitrag zu bringen, denn es unterliegt keinem Zweifel, dass 99 % der Leser und Zuschauer nicht ermessen können, was diese Sportart an Energie und persönlicher Aufopferung erfordert, gleich, ob es den Springern gelingt, zur absoluten Spitze vorzustossen, oder ob sie im nachrangigen Feld verbleiben müssen.
akkzent 07.01.2016
5. Falsch ....
"Und als Prevc zum Auftakt in Oberstdorf nur auf den dritten Rang sprang, schien das ein Indiz dafür zu sein, dass der Slowene diesem Druck nicht standhält." Prevc hatte in Oberstdorf nach seiner komfortablen Führung nach dem ersten Durchgang wirklich absolut miserabe Bedingungen. Bei den anderen Stockerlplätzen war das nicht der Fall. Trotzdem erreichte er mit einer fabelhaften Leistung im zweiten den dritten Rang. Ich an seiner Stelle hätte an der Siegerehrung nicht teilgenommen. Bitte bei untergeordnetem Interesse an diesem Sport für die Berichterstattung besser recherchieren!
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