Minus 18 Grad bei Olympia Kalt erwischt

Es ist kalt in Pyeongchang, sehr kalt. Bedroht der olympische Dauerfrost sogar die Austragung der Wettbewerbe? Die Athleten geben sich noch gelassen - dank Heizsocken und Wärmepflastern.

Phoenix Snow Park, Pyeongchang (03.02.18)
AP

Phoenix Snow Park, Pyeongchang (03.02.18)


Die Temperaturen sind weiter rekordverdächtig niedrig. Am Montag, vier Tage vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele , wurden an einzelnen Wettkampfstätten Werte von -11,7 bis -17,6 Grad Celsius gemessen - wohlgemerkt: bei Sonnenschein. Mit dem kräftigen Wind in Pyeongchang wurde die gefühlte Temperatur vom offiziellen olympischen Wetterdienst sogar mit -23,2 Grad ausgewiesen.

"Das kann zum Problem werden", meinte der Leiter der deutschen Delegation, Dirk Schimmelpfennig, der schon seit fast zwei Wochen vor Ort ist. Für die Funktionäre, die Journalisten und die Zuschauer dürfte der olympische Dauerfrost zu einer harten Prüfung werden. Die Athleten geben sich dagegen betont gelassen.

"Ich habe zwei Ski-Unterwäschen eingepackt und Heizsocken", sagte Viktoria Rebensburg, Olympiasiegerin im Riesenslalom von 2010. Auch die Skispringer bleiben entspannt. "Den Punkt, dass Springen nicht mehr möglich ist, gibt es nicht", erklärte Markus Eisenbichler. "Wir sind schon bei -25 Grad in Kuusamo gesprungen, das ist jetzt nicht das Problem für uns. Das stecken wir weg."

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Olympische Winterspiele: Hier finden die Wettbewerbe statt

Der Sportdirektor der deutschen alpinen Skifahrer blickt ebenfalls gelassen auf das Thermometer. "Wir sind schon bei minus 33 Grad gefahren. So kalt wird es nicht werden", sagte Wolfgang Maier. Deshalb sollte man das Thema Kälte nicht überbewerten und froh sein, nicht wie im Dezember und Januar Regen zu haben.

Abwarten will Bernard Loer, Bundestrainer für Snowboardcross, die meteorologische Entwicklung, da seine Athleten erst am 15. Februar in die olympischen Rennen gehen. "Es wäre schon schön, wenn es ein bisschen wärmer wäre in der Zeit", sagte er. Denn: "Extreme Kälte ist nicht gut fürs Material. Es ist aber für alle gleich."

Minus 20 Grad als Richt-, aber nicht als Grenzwert

Bei extremer Kälte könnten einzelne Wettbewerbe in der Loipe, an den Hängen oder auf den Schanzen sogar abgesagt werden. Meistens gibt es Richt- und keine Grenzwerte dafür. Erst ab -20 Grad ruhen Ski und Kleinkalibergewehr nach dem Regelwerk im Biathlon. Langlauf kann bis -20 Grad betrieben werden, ist aber auch schon bei weniger tiefen Temperaturen abgesagt worden. Bei den vorolympischen Wettbewerben in Pyeongchang war es 2017 nachts so kalt gewesen, dass Langlauf und Nordische Kombination ein Jahr später gezielt in die Tagesstunden terminiert wurden.

Für die Eröffnungsfeier am Freitag sind zwar etwas höhere Temperaturen angesagt, die Organisatoren wollen trotzdem vorsorglich an jeden Zuschauer im Olympiastadion ein "Rettungspaket" verteilen - mit Pudelmütze, Poncho, Wolldecke sowie Hand- und Fußwärmern. Nach dem Einmarsch warten auf die Sportler geheizte Sitze.

Die Ärzte des italienischen Teams rieten ihren Sportlern und Trainern dennoch, sich während der etwa eineinhalbstündigen Zeremonie ständig zu bewegen. Auch der japanische Skisprung-Altmeister Noriaki Kasai bereitet sich wegen der Kälte besonders auf den ersten Tag seiner inzwischen achten Olympia-Teilnahme vor: "Ich werde Wärmepflaster an meinem gesamten Körper tragen müssen", sagte der 45-Jährige.

chh/dpa/sid/rtr



insgesamt 6 Beiträge
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smsderfflinger 05.02.2018
1. Ist doch eine Winterolympiade
Da sollte Winterwetter nicht weiter verblüffen. Wie üblich sitzen die Bedenkenträger in den - warmen -Redaktionsstuben unserer Konjunktiv - Medien (Könnte..., würde..., wäre...) Die Sportler sehen das offensichtlich ganz gelassen. Kein Wunder, sie sind ja auch im Gegensatz zu unseren virtuell frierenden "aus-dem-Büro-über-Wintersport-Berichtenden" an Winterwetter akklimatisiert. D
ahloui 05.02.2018
2. Was wollen die denn?
Winterspiele bei 20°C, oder was?
fliffis 05.02.2018
3. @smsderfflinger
nun, offenbar sind die Temperaturen nur knapp oberhalb der Werte, bei denen Wettbewerbe (Biathlon, Langlauf, Nordische Kombination) nicht ausgetragen würden. Und zwar zum Schutz der Athleten, nicht der "aus-dem-Büro-über-Wintersport-Berichtenden".
smsderfflinger 05.02.2018
4.
Zitat von fliffisnun, offenbar sind die Temperaturen nur knapp oberhalb der Werte, bei denen Wettbewerbe (Biathlon, Langlauf, Nordische Kombination) nicht ausgetragen würden. Und zwar zum Schutz der Athleten, nicht der "aus-dem-Büro-über-Wintersport-Berichtenden".
Da haben Sie völlig recht. Dann werden die Wettbewerbe eben verschoben. Ist schon öfter vorgekommen und wird bei einer solch grossen Veranstaltung in den Planungen sicher berücksichtigt. Noch ein Grund weniger für die "aus-dem-Büro-über-Wintersport-Berichtenden" hier ein Menetekel an die Wand zu malen. Aber das ist nunmal deren Geschäft... D
heinzi55555 05.02.2018
5.
Minusgrade und Wintersport passt ja gar nicht mehr. Aber die Lösung ist ganz einfach: Alle Wintersportwettbewerbe incl. Olympia nach Katar vergeben. Da können z.B. die Slalomläufer in kurzen Hosen und Shirt die Sanddünen runter wedeln. Funktionäre und Zuhschauer können entspannt und sonnengebräunt die Wettbewerbe genießen.
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