Meistertitel für EHC München Der FC Bayern auf dem Eis

Auch wenn die Berliner Eisbären ihnen das Leben so schwer wie möglich gemacht haben: Der EHC Red Bull München ist der logische Deutsche Eishockeymeister. Der Liga droht eine Dominanz wie im Fußball.

DPA

Es ist guter Brauch unter Eishockeyspielern, nach einem Tor an der Ersatzbank vorbeizufahren, um mit sämtlichen Kollegen abzuklatschen. Das tat auch Brooks Macek am Donnerstagabend. Der Stürmer des EHC Red Bull München hatte gerade das Tor geschossen, das alle Restzweifel im siebten Finale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) beseitigte. Am Ende gewann der EHC 6:3 (4:1, 1:0, 1:2) gegen die Eisbären Berlin und feierte seinen dritten Meistertitel in Serie.

Als Macek eine gute Viertelstunde vor Schluss zum 6:2 traf, sah das aber gar nicht nach Feierlaune aus. Nicht der Hauch eines Lächelns huschte über sein Gesicht, als er sich die Glückwünsche der Kollegen abholte. Als wolle er sagen: "Da habt ihr eurer blödes Tor endlich."

Jenes Tor hätte Macek schon vor vier Tagen erzielen müssen. München führte in der Serie 3:1 und brauchte nur noch einen Sieg zum Titel. Da schlug der DEL-Torschützenkönig in der Verlängerung des fünften Spiels vor dem leeren Berliner Gehäuse über den Puck. Fast im Gegenzug trafen die Eisbären, gewannen das Spiel und danach auch noch die sechste Partie. Plötzlich stand es 3:3 in der Serie. Und alles sprach über Macek, der vorher doch getroffen hatte, wie er wollte.

Letztes Spiel wurde zur Machtdemonstration

Die Geschichte von Brooks Macek steht symbolisch für das Finale 2018. Erst hatte der Favorit alles unter Kontrolle, dann geriet er ins Wanken - doch er fiel nicht. Das siebte Spiel schließlich wurde zur Machtdemonstration. Nach 27 Minuten stand es 5:1.

Hinterher gab Nationalspieler Patrick Hager zu, dass sein Team unter "unglaublichem Druck" stand, weil es zuvor "zwei Matchbälle vergeben" hatte. Kapitän Michael Wolf sprach von der "härtesten Serie, die wir je gespielt haben". Drei Spiele hatten die Münchener verloren. Mehr als in den kompletten Play-offs der beiden Vorjahre, als sie jeweils ohne Mühe Meister wurden. Im Finale auch mal mit 4:0 Siegen.

Im deutschen Eishockey hat es zuletzt Debatten gegeben, ob die Dominanz der Münchener der Liga schadet, Debatten, die jeder Fußballfan bestens kennt. Jahrelang hatte die DEL zuvor behaupten können, unberechenbar zu sein. 2014 wurde sogar der Tabellenneunte aus Ingolstadt Meister. Doch seitdem die Münchener die vielen Red-Bull-Millionen sinnvoll einsetzen, ist es damit vorbei. Zuletzt wurden sie drei Mal in Folge Hauptrunden-Meister, bis zum diesjährigen Finale hatten sie 32 von 36 Play-off-Spielen gewonnen.

Ausgeruhte und selbstbewusste Berliner

Dort trafen sie im Gegensatz zu den Vorjahren allerdings nicht auf ehrfürchtige oder müde Wolfsburger, sondern auf ausgeruhte und selbstbewusste Berliner. Folglich sahen die Zuschauer eine komplett andere Serie. "Sie haben ein Mittel gegen uns gefunden", sagte Stürmer Frank Mauer über die Eisbären, "Nuancen haben entschieden."

Dass nun doch wieder die Münchener jubelten, war dennoch kein Zufall. Der EHC hat nicht nur mehr Geld als der Rest der Liga - geschätzter Jahrestat: zwölf Millionen Euro -, er hat auch den ausgeglichensten Kader. Die vierte Angriffsreihe wäre bei zahlreichen Konkurrenten mindestens die zweite. Nicht zufällig war es in Jon Matsumoto einer aus jener vierten Reihe, der allein in den Finalspielen sechs Tore erzielte. Hinterher wurde er als wertvollster Spieler der Playoffs ausgezeichnet.

Zum Kader gehören sieben Silbermedaillengewinner aus Südkorea. Unter anderem Torwart Danny Aus den Birken, Abwehrchef Yannic Seidenberg und Jungstar Dominik Kahun. Hinzu kommen Steve Pinizzotto, der härteste (und unbeliebteste) Spieler der Liga, sowie Altmeister Keith Aucoin, Topscorer und DEL-Spieler des Jahres. Und natürlich haben sie auch den erfolgreichsten Trainer: Don Jackson, nun achtfacher DEL-Meister.

Jackson hat auch mit 61 Jahren nicht genug. Noch auf dem Eis kündigte er an, nun den vierten Titel in Folge in Angriff zu nehmen. Doch das dürfte schwerer werden. Aucoin (39) hört auf, Kahun versucht es dem Vernehmen nach beim NHL-Team Chicago Blackhawks, Rübel Pinizzotto und Torjäger Matsumoto bekommen keine neuen Verträge. Nachdem es zuletzt kaum Fluktuation gab - 15 Spieler gewannen alle drei Titel - steht in München also ein kleiner Umbruch an. Es dürfte eins der wenigen Argumente sein, nächste Saison auf einen anderen Meister zu tippen.



insgesamt 7 Beiträge
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andreas13053 27.04.2018
1. So, so,
da wird der Uli Hoeneß ja nicht begeistert sein, wenn er erfährt, dass man in lediglich 3 Jahren zum FC Bayern avancieren kann. Zumal der der dritte Titel eigentlich nur errungen wurde, weil die special teams der Bären schlecht funktioniert haben. Spielerisch waren, die gesamte Serie betrachtet, außer beim dritten Spiel, die Eisbären wohl leicht besser. Zudem ist wohl eher der siebenfache Rekordmeister, mit 3 weiteren, verlorenen, Finalserien, der FC Bayern auf dem Eis.
ach_du_lieber_gott 27.04.2018
2. Der logische Deutsche Meister ?
Stimmt bei unsauberer, unfairer Spielweise gepaart mit Rudelbidung bei den Schiedsrichtern und einem Trainer und Spielern die in ein Gruppen Mimimimi verfallen, wenn sie ihre eigene Spielweise zu spüren bekommen sind wohl der logische Meister. Eine Mannschaft die Spieler wie Pinizotto, Leggio und Konsorten in ihren Reihen hat mit Bayern zu vergleichen ist schon eine Beleidigung der Fußballer. Eine Dominanz wie im Fußball wird es beim Eishockey nicht geben, zumal auch München vor einem Umbruch steht und andere Mannschaften aus ihren Fehlern gelernt haben.
The Project 27.04.2018
3. Ach man hey, .......
........, jetzt ist auch noch das Eishockey, trotz Playoff-Runde total laaaaaangweilig.!
var 27.04.2018
4. Der Liga droht eine Dominanz wie im Fußball.
Oder wie beim Basketball.
xvxxx 27.04.2018
5. FC Bayern?
Wohl eher RB Leipzig auf Eis...
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