Saisonstart der Skispringer: Alte Männer mit neuer Bindung

Von Peter Ahrens

Alle reden vor dem Weltcup-Start der Skispringer von der neuen Wunder-Bindung - die Springer selbst jedoch sind die alten Bekannten. Martin Schmitt versucht in seiner 15. Saison noch einmal anzugreifen, und auch die meisten Weltcup-Favoriten sind echte Veteranen auf der Schanze.

Skispringen: Rückkehr der Adler
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Die Athleten sind alt, das Material ist neu. Auf der Zielgeraden ihrer Karriere wagen Martin Schmitt und Michael Uhrmann noch einmal etwas ganz Neues. Mit der als Wunderwaffe gelobten Bindung, die im Vorjahr den Schweizer Simon Ammann von Sieg zu Sieg trug, wollen auch die DSV-Skispringer den kommenden Winter angehen. Die Weltcup-Premiere im finnischen Kuusamo an diesem Wochenende wird zum ersten Härtetest, was die Umstellung gebracht hat.

Im Vorjahr hat die Konkurrenz noch gegen die Ammann-Bindung gestänkert, sie hat mit offiziellen Protesten versucht, dem Schweizer das Material zu untersagen. Weil das nicht funktioniert hat, hat man vor diesem Weltcup-Winter eine andere Strategie gewählt und die Bindung des Doppel-Olympiasiegers von Vancouver einfach kopiert. Beinahe die gesamte Weltspitze geht jetzt mit dem gebogenen Aluminiumstab, der das herkömmliche Band ersetzt, an den Start.

Skispringen war immer schon eine Sportart für Tüftler, jahrelang haben die Teams versucht, aus dem Rennanzug und den Skiern herauszuholen, was möglich war, um noch ein paar Zentimeter Weite mehr zu erzielen. Um die Bindung hat sich dabei niemand so recht gekümmert - bis Ammann kam.

Technikprofis des FES haben Material ausgetüftelt

Beim Deutschen Skiverband hat man nach der mäßig verlaufenen Vorsaison früh Kontakt mit dem Berliner Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) aufgenommen, um die Skitechnik für den jetzt beginnenden Winter zu optimieren. Am FES haben sie schon zu DDR-Zeiten die Bobs gebaut, die die deutschen Fahrer in die Weltklasse gesteuert haben, sie haben den Radsportlern Rennmaschinen konstruiert und die Schlitten der Rodler perfektioniert. "Phantastische Möglichkeiten", sieht Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster dank der Unterstützung der FES-Techniker auf den DSV zukommen.

Den Kontakt zwischen FES und DSV hat Schusters Assistent Marc Noelke gepflegt - Ex-Assistent, muss es allerdings korrekt heißen. Noelke, den der DSV erst im Frühjahr aus dem erfolgsverwöhnten österreichischen Team abwarb, soll sich auf einem Sponsorentermin des Teams im Oktober dermaßen im Ton vergriffen haben, dass der DSV ihn kurzerhand wieder feuerte. Einzelheiten der Geschichte hält der Verband bis heute unter Verschluss, Noelke soll in angetrunkenem Zustand Teammitglieder derbst beleidigt haben, heißt es.

So etwas dürfte auch Martin Schmitt noch nicht erlebt haben, und es gibt nicht viel, was für den fast 33-Jährigen in seiner Laufbahn noch neu ist. Schmitt, der Teenie-Schwarm von einst, geht in seinen 15. Weltcup-Winter. Als er seine ersten Erfolge sammelte, waren die Stars der Branche Dieter Thoma oder der Norweger Espen Bredesen, nur der Pole Adam Malysz und der Finne Janne Ahonen waren damals wie heute mit dabei.

Nächste Achterbahn-Saison für Schmitt?

Für Schmitt war die Vorsaison eine seiner bekannten Achterbahnfahrten aus Höhepunkten wie der Silbermedaille von Vancouver mit der Mannschaft und Tiefpunkten wie der Vierschanzentournee zu Jahresbeginn. Der Oldie in der Mannschaft hatte sich sogar zwischenzeitlich ganz aus der Saison zurückgezogen, fühlte sich ausgelaugt. Jetzt sagt er, er wolle wieder attackieren und wähnt sich gut in Form. Es sind die Sätze, die man von Schmitt schon oft gehört hat.

Michael Uhrmann ist nur ein halbes Jahr jünger als Schmitt, war in den vergangenen Jahren allerdings erheblich stabiler und dürfte auch in diesem Winter die Führungsfigur für die jungen Springer in der Mannschaft sein. Für den Olympia-Vierten auf der Normalschanze von Vancouver ist die Umstellung auf die neue Bindung wie für Schmitt kein risikoloses Unterfangen, schließlich sind beide über Jahrzehnte an das alte Material gewöhnt. Dennoch ist Schuster der Ansicht, dass Uhrmann, Schmitt und der ebenfalls schon 31-jährige Michael Neumayer weiter "die Besten sind, die wir haben". Es gehe "schließlich nicht nach Alter, bei mir herrscht das Leistungsprinzip", sagt der Trainer.

Das heißt: Der Nachwuchs um Pascal Bodmer, der im Vorjahr in Kuusamo an die Weltspitze sprang, um danach jedoch wieder im Mittelmaß zu versinken, muss sich weiter hinten anstellen. Bodmer, Severin Freund und Maximilian Mechler - ihnen traut Schuster noch nicht den großen Sprung zu. Die Saison mit dem Höhepunkt der WM am Holmenkollen Ende Februar wird für sie eine weitere Saison des Lernens.

Die üblichen Verdächtigen - das trifft auch auf die Weltspitze zu. Es bedarf keiner großen Phantasie, sich auszumalen, dass die Österreicher Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern den Weltcup-Winter wieder beherrschen und Malysz, Ammann und Ahonen sie daran zu hindern versuchen.

Ein mögliches Siegerpodest mit diesen drei Springern ist durchaus realistisch - es hätte auch ein Weltcup-Endresultat vor sieben, acht Jahren sein können. Beim Skispringen zählt am Ende die Erfahrung immer noch mehr als die Technik.

Und die alten Männer wollen es noch einmal wissen.

Mit Material von sid und dpa

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  • Freitag, 26.11.2010 – 06:18 Uhr
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Wird es ein Erfolgswinter für die DSV-Adler?

Die arrivierten Skispringer des DSV haben sich für den Winter noch einmal viel vorgenommen. Können Martin Schmitt und Michael Uhrmann ganz vorne mitfliegen?

  • Ja, ihre Routine hilft ihnen dabei
  • Nein, die Zeit von Schmitt und Co. ist vorbei





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