Schlussfeier in Sotschi Puschkin, Putin und ein weinender Bär

Mit einer pompösen Schlussfeier sind die Olympischen Spiele von Sotschi zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt stand Russlands Hochkultur - ein bisschen sentimental wurde es auch. IOC-Chef Thomas Bach fand freundliche Worte für die Organisatoren.

AFP

Hamburg - Als IOC-Präsident Thomas Bach um 22.08 Uhr Ortszeit die 22. Winterspiele beendete, applaudierte Russlands Präsident Wladimir Putin. Dabei hatte Bach am Ende einer der Show-Zeitreise durch die russische Kultur das 17-tägige Spektakel nicht als das beste der Geschichte bezeichnet, wie es viele seiner Vorgänger taten. "Es gibt kein größeres Kompliment als im Namen aller Teilnehmer zu sagen: Das waren die Spiele der Athleten", rief Bach in die mit rund 40.000 Menschen gefüllte Fischt-Arena.

Bevor die olympische Flamme erlosch, würdigte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees die Gastgeber als "effizient und freundlich, patriotisch und weltoffen" und dankte insbesondere den vielen freiwilligen Helfern: "Ihr habt mit eurer herzlichen Freundlichkeit jeden Tag die Sonne für uns scheinen lassen."

Sotschis Chef-Organisator Dmitri Tschernyschenko war eine Spur euphorischer und pries sein Werk in höchsten Tönen: "Unsere Spiele waren wirklich cool. Wir haben bewiesen, dass wir jede Herausforderung meistern können. Für uns waren es die besten Spiele, die es je gegeben hat. Wir haben den olympischen Gipfel erklommen. Diese Spiele gehören für immer uns."

Zum Auftakt der vom Schweizer Theaterregisseur Daniele Finzi Pasca inszenierten Schluss-Gala bewiesen die Gastgeber Humor. 700 Menschen in silbernen Glitzerkostümen stellten die Panne bei der Eröffnung nach, als sich der fünfte der olympischen Ringe nicht geöffnet hatte. Da musste sogar Putin lachen.

Wie ein Gemälde von Chagall

Mit der sportlichen Bilanz der russischen Sportler konnte der Kremlchef ja auch hochzufrieden sein. Mit 33 Medaillen stellten die Gastgeber die stärkste Nation bei den Heim-Spielen. Zur Belohnung durften die russischen Olympiasieger die Fahne des Landes ins Stadion tragen. Anschließend sangen 1000 Kinder die russische Hymne. Das Gastgeberland feierte sich selbst bei der Schlussfeier.

Die deutsche Fahne wurde von Rodel-Doppelsieger Felix Loch ins Stadion getragen. Unter tosendem Applaus beschloss Russlands Olympia-Team den Athletenreigen. Einen emotionalen Höhepunkt erlebte Norwegens Ski-Legende Marit Björgen, die aus den Händen von IOC-Chef Bach die Goldmedaille für den Triumph über 30 Kilometer erhielt. Als Russlands Langläufer um 50-Kilometer-Champion Alexander Legkow geehrt und von den Zuschauern gefeiert wurden, bebte die Arena. Wie gesagt: Russland feierte sich selbst.

Danach wurde es ruhiger, die anschließende Choreografie mutete an wie ein Gemälde von Marc Chagall, gerahmt von Rachmaninows Klavierkonzert Nummer 2. Auch die großen Schriftsteller Russlands wurden gewürdigt: Tolstoi, Dostojewski, Puschkin und auch Solschenizyn, der bei der Eröffnung gefehlt hatte. Nach einer opulenten Zirkusnummer übernahm Lee Seok-Rae, Bürgermeister des nächsten Winter-Olympia-Gastgebers Pyeongchang, die Fahne mit den Fünf Ringen.

Zum Schluss wurde es sentimental. Die Maskottchen der Spiele traten auf: Bär, Schneeleopard und Schneehase. Dem Bären rollte dabei sogar eine Träne über die Wange.

buc/dpa



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