Schweizer Abfahrtssieger Der doppelte Didier

Das Ergebnis galt als ausgemacht: Der Sieger des olympischen Abfahrtsrennens würde Didier heißen und aus der Schweiz kommen. Es kam genau so - und doch anders als erwartet. Während Didier Defago Gold holte, verpasste Teamkollege und Top-Favorit Didier Cuche die Medaillenränge.

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Olympiasieger Didier Defago: In Rekordzeit ins Tal
Hamburg - Als Didier Defago im Ziel war und auf die Anzeigetafel blickte, ließ er sich rücklings in die Bande fallen, stand wieder auf, riss jubelnd die Arme in die Höhe und schrie seine Freude hinaus. 1:54,31 Minuten war dort zu lesen. Bestzeit.

Mit dem US-Amerikaner Bode Miller und dem Norweger Aksel Lund Svindal, die vor Defago gestartet waren, hatte der Schweizer Ski-Rennfahrer damit schon zwei Gold-Kandidaten hinter sich gelassen. Defago, 32, war mit der Nummer 18 ins Rennen gegangen. Seinen Olympiasieg konnten ihm - realistisch betrachtet - nur noch sein Teamkollege Didier Cuche und der Kanadier Manuel Osborne-Paradis nehmen. Osborne patzte, kam nicht unter die Top 15.

Und Cuche, der große Favorit? Lange schien er den Erwartungen gerecht zu werden. Bei den ersten Zwischenzeiten steuerte er noch auf die Medaillenränge zu. Doch im Ziel war er 0,36 Sekunden langsamer als Defago - Platz sechs. Defagos Zeit reichte für Gold. Mit 0,07 Sekunden hatte er kaum mehr als eine Skispitze Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Svindal, der sich trotzdem freute. "Ich bin sehr, sehr glücklich", sagte Svindal. "Es sind die Olympischen Spiele, was kann man mehr verlangen? Silber zu gewinnen ist phantastisch."

Defago statt Cuche - Hauptsache Didier

Die Schweizer Fans im Zielraum feierten den Gewinner - auch wenn es Defago statt Cuche und damit nicht der Didier war, den sie erwartet hatten. Hauptsache Didier. 22 Jahre hatte das Land seit Pirmin Zurbriggens Triumph in Calgary auf einen Sieg in der Abfahrt gewartet. Auf dem Siegerpodest reckte Defago den Daumen in die Höhe und warf den mit übergroßen Kuhglocken feiernden Fans eine Kusshand zu. "Olympiasieger klingt sehr, sehr gut", sagte er. "Ich bin sehr glücklich. Ich wollte unbedingt mit einer Medaille nach Hause gehen." Seine Erfahrung habe den Unterschied gemacht, sagte Defago. Er müsse erst noch begreifen, was passiert sei.

Cuche war enttäuscht: "Es war echt knapp. Ich habe nicht verstanden, warum ich im letzten Abschnitt so langsam war." Immerhin konnte er sich für seinen Landsmann freuen. "Jetzt werde ich die Nacht mit Didier genießen - er verdient es", sagte Cuche.

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Olympische Winterspiele: Alle Goldmedaillengewinner vom 15. Februar

Dass ausgerechnet Defago die zweite Goldmedaille für die Schweiz holte, war eine große Überraschung. Fast hätte er das Rennen gar nicht bestritten. Er hatte sich seinen Startplatz im Schweizer Team hinter Cuche, Carlo Janka und Ambrosi Hoffmann erst mit Platz fünf im einzigen Training gesichert.

Zwar war Defago nicht als völliger Außenseiter ins Rennen gegangen, schließlich hatte er in seiner Karriere drei Weltcup-Rennen gewonnen und ist Sechster der Abfahrtswertung dieser Saison. Aber auf eine Medaille für ihn hatten nur verwegene Optimisten gesetzt. Sein bestes Ergebnis bei Olympischen Spielen war Platz sechs im Super-G von Salt Lake City 2002.

Ein Wackler zum Schluss

Auf der Piste zeigte er sich aber gar nicht wie ein Außenseiter. Defago lieferte ein nahezu perfektes Rennen. Er kam mit den Bedingungen - vereiste Stellen im oberen Streckenteil und weichere Abschnitte im Mittelabschnitt - am besten zurecht. Sicher meisterte er Gleitpassagen genauso wie Sprünge und Hochgeschwindigkeitsabschnitte und fand besonders im oberen und unteren Streckenabschnitt die Ideallinie. Selbst ein Wackler beim letzten Sprung vor dem Ziel brachte ihn nicht mehr aus dem Gleichgewicht.

Nur aus der Ferne konnte Stephan Keppler, der als einziger Deutscher am Start war, den Jubel Defagos verfolgen. Der 27-Jährige war am Ende 1,80 Sekunden hinter Defago und belegte Platz 24 unter 64 Startern. "Ich war heute nur Nebendarsteller, im Super-G ist hoffentlich mehr drin. Da ist die Chance größer, für eine Überraschung zu sorgen. Mein Ziel bleibt es, einmal in die Top Zehn zu fahren", sagte Keppler.

Mit Material von sid, dpa und AFP

insgesamt 381 Beiträge
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Seite 1
MadMad 11.02.2010
1. Doping
nach den Doping Gerüchten (?) der letzten Tage lässt sich laum etwas sagen. Gute Chancen haben die Deutschen, wenn sie nicht erwischt werden ... MadMad von www.diemeinungen.de
Umberto, 11.02.2010
2.
Zitat von MadMadnach den Doping Gerüchten (?) der letzten Tage lässt sich laum etwas sagen. Gute Chancen haben die Deutschen, wenn sie nicht erwischt werden ... MadMad von www.diemeinungen.de
Die Geschichte mit dem Doping wird hier auch diskutiert. (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=11998) Aber Sie haben natürlich Recht, wenn die Deutschen sich beim Dopen nicht erwischen lassen, wird der Medaillenspiegel wohl einen erfreulichen Anblick bieten.
puter70 11.02.2010
3. Doping wahrscheinlich.
Olympische Höchstleistungen/Siege sind ohne unerlaubte Mittel kaum mehr möglich, deshalb steht jeder Medaillengewinner unter Dopingverdacht. Da es auch um viel Geld und die anschließende Vermarktung der Erfolge geht, haben die Athleten auch kein schlechtes Gewissen, sondern hoffen nur, dass sie nicht erwischt werden.- Übrigens sind die Zeiten vorbei, dass sich nationale Größe über die Anzahl der gewonnenen Medaillen definiert. Deshalb ist es verständlich, dass vielen Mitmenschen das Vancouver-Spektakel mit den zu erwartenden Doping-Siegern ziemlich gleichgültig ist.
krafts 12.02.2010
4.
Zitat von puter70Olympische Höchstleistungen/Siege sind ohne unerlaubte Mittel kaum mehr möglich, deshalb steht jeder Medaillengewinner unter Dopingverdacht. Da es auch um viel Geld und die anschließende Vermarktung der Erfolge geht, haben die Athleten auch kein schlechtes Gewissen, sondern hoffen nur, dass sie nicht erwischt werden.- Übrigens sind die Zeiten vorbei, dass sich nationale Größe über die Anzahl der gewonnenen Medaillen definiert. Deshalb ist es verständlich, dass vielen Mitmenschen das Vancouver-Spektakel mit den zu erwartenden Doping-Siegern ziemlich gleichgültig ist.
Doping wurde schon in gefühlten 1000 Threads diskutiert. Ich will auch nicht drumreden. Klar ist Doping ein Problem und wird es auch immer bleiben. Aber dass man in einem Forum gar nicht mehr die Leistungen der Sportler diskutieren kann, nervt mich. Bis jetzt kein einziger Beitrag hier, in dem nicht das Wort Doping fehlt so nach dem Motto : sind ja eh alle gedopt. Diskutieren Sie doch in den dafür eigens geschaffenen Threads. Nun zum Thema: Sicher wird es für die deutschen Sportler einige Medaillen geben. Dass es so viele werden, wie in Turin glaube ich nicht. Aber meiner Meinung nach wird der Medaillenspiegel eh überbewertet und spiegelt auch nicht exakt die Leistung des ganzen Teams wieder.
MadMad 12.02.2010
5.
Zitat von kraftsDoping wurde schon in gefühlten 1000 Threads diskutiert. Ich will auch nicht drumreden. Klar ist Doping ein Problem und wird es auch immer bleiben. Aber dass man in einem Forum gar nicht mehr die Leistungen der Sportler diskutieren kann, nervt mich. Bis jetzt kein einziger Beitrag hier, in dem nicht das Wort Doping fehlt so nach dem Motto : sind ja eh alle gedopt. Diskutieren Sie doch in den dafür eigens geschaffenen Threads. Nun zum Thema: Sicher wird es für die deutschen Sportler einige Medaillen geben. Dass es so viele werden, wie in Turin glaube ich nicht. Aber meiner Meinung nach wird der Medaillenspiegel eh überbewertet und spiegelt auch nicht exakt die Leistung des ganzen Teams wieder.
Ich glaube auch nicht, dass die Deutschen so stark werden wie in Turin. Allein schon die Biathleten laufen hinter der Form von Turin hinterher und das sind doch bald 50% der Miete. Mal sehen, was die Rodler bringen. Ist eigentlich Cross-Ski oder wie das heisst jetzt offiziel im Programm ? MadMad von www.diemeinungen.de
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