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Unglück am Shisha Pangma: Zwei Bergsteiger werden nach Weltrekordversuch im Himalaja vermisst

Sebastian Haag und Andrea Zambaldi wollten am Shisha Pangma einen neuen Weltrekord aufstellen. Hundert Meter unterhalb des Gipfels verschüttete eine Lawine die Extrembergsteiger. SPIEGEL ONLINE hatte intensiv über ihren Versuch berichtet.

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Shisha Pangma im Himalaja: Bergsteiger nach Lawinenunglück vermisst

Hamburg - Das Unglück geschah am Morgen des 24. September. Die Expeditionsgruppe um die Extrembergsteiger Benedikt Böhm und Ueli Steck war auf dem Weg zum Gipfel des 8013 Meter hohen Shisha Pangma im Himalaja. Böhm und der Schweizer Steck mussten dort mitansehen, wie ihre Teammitglieder und Freunde Sebastian Haag, Andrea Zambaldi und Martin Maier knapp unterhalb des Gipfels von einer Lawine verschüttet wurden. Maier konnte sich später aus eigener Kraft befreien.

Böhm und sein Team wollten innerhalb von sieben Tagen auf die Gipfel des Shisha Pangma und des Cho Oyu (8201 Meter) steigen und auf Skiern hinabfahren. Die 170 Kilometer lange Strecke zwischen den beiden Bergen wollten die Männer mit dem Mountainbike zurücklegen.

SPIEGEL ONLINE hatte in den vergangenen Tagen mit Texten, Videos und Interviews über den Weltrekordversuch berichtet. Auf einer Karte konnten die Leser und auch wir die GPS-Position der Männer verfolgen. Als sich das Team am Mittwoch nicht zur verabredeten Zeit meldete, wuchs in der Redaktion in Hamburg die Sorge. Am Donnerstagmittag wurden die Befürchtungen bestätigt. Die Nachricht vom Unglück der beiden Sportler macht uns betroffen und traurig.

Zurück im Basislager übermittelte Bergsteiger Böhm an diesem Donnerstag folgendes Statement:

"Um 6.50 Uhr nepalesischer Zeit befand sich das Team circa 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Die Zuversicht und Motivation waren hoch, da das Team gut zusammenarbeitete und sich zusammen vorwärts nach oben bewegte. Das Team war sicher, um 8 Uhr den Gipfel zu erreichen.

Um 6.55 Uhr wurden Haag, Zambaldi und Maier auf 7.900 Metern, knapp 100 Meter unterhalb des Gipfels, von einer Lawine erfasst. Sie wurden circa 600 Höhenmeter über steile Gletscher und in einen anderen Bereich des Hangs nach unten gerissen.

Böhm und Steck haben umgehend das Basecamp um Hilfe und Unterstützung gebeten, während sie auf der Aufstiegsroute in Richtung Camp 3 abgestiegen sind, um die Lawinenzone zu durchqueren und nach den drei Bergsteigern zu suchen. Über vier Stunden lang haben sie versucht, von verschiedenen Seiten in die Lawinenzone zu gelangen, aber sie mussten schließlich umkehren, da der Zustieg nicht möglich war.

Am Morgen des 25. September 2014 konnte Maier, der selbstständig Camp 3 erreicht hat, von einem Sherpa-Rettungsteam bei Bewusstsein in Empfang genommen werden und ist auf dem Weg ins Basecamp. Haag und Zambaldi sind von der Lawine verschüttet und konnten nicht gefunden werden."

Haag, Böhm und Zambaldi während ihrer Anreise in den Himalaja Zur Großansicht
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Haag, Böhm und Zambaldi während ihrer Anreise in den Himalaja

Sebastian Haag kannte Böhm aus der Schulzeit. Zweimal bestiegen sie gemeinsam den Manaslu, den achthöchsten Berg der Welt; sie stellten Geschwindigkeitsrekorde am Muztagata und Gashaerbrum II auf.

Der in Mailand geborene Andrea Zambaldi war ebenfalls ein erfahrener Bergsteiger. Er kannte den Shisha Pangma von einer Expedition im Jahr 2008, und er war außerdem bei Touren auf den Makalu und Aconcagua in Argentinien dabei.

Trotz Lawinengefahr zum zweiten Versuch

Den ersten Aufstiegsversuch am vergangenen Donnerstag hatten die Bergsteiger abgebrochen, weil der Schnee teilweise brusthoch lag. Starker Wind hatte den Sportlern zusätzlich zugesetzt. Auf 7700 Metern Höhe machten die Männer schließlich kehrt. Die Lawinengefahr war zu groß, das Wetter zu instabil.

Obwohl sie die Lawinensituation als kritisch eingeschätzt hatten und bereits durch den wochenlangen Aufenthalt in der Höhe und die Strapazen des ersten Anlaufs entkräftet waren, wollte das Team einen zweiten Versuch wagen. Kurz vor dem Aufstieg hatte Böhm mit SPIEGEL ONLINE telefoniert und von guten Wetterbedingungen berichtet - Sonnenschein und wenig Wind.

Haag startete die Tour im Lager 1 auf 6300 Metern Höhe, Zambaldi und Maier von Lager 2 (6800 Meter Höhe). Böhm war vom Advanced Basecamp aus aufgebrochen (5600 Meter Höhe), dort hatte sich ihm der erfahrene Steck angeschlossen. Die fünf Bergsteiger trafen sich in der Nacht zu Mittwoch um 1 Uhr auf etwa 7100 Metern, um ihren Weg gemeinsam fortzusetzen.

Böhm und Haag kannten die Gewalt von Lawinen. Sie waren im Jahr 2012 als Ersthelfer zur Stelle, als eine Lawine am Manaslu elf Menschen unter sich begrub.

psk/jul

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Alle Achttausender: Höchste Berge der Welt
Name Höhe* Land Erst-
besteigung
Mount Everest 8850 Meter China (Tibet), Nepal 29.05.1953
K2 8614 Meter China, Pakistan 31.07.1954
Kangchendzönga 8586 Meter Indien, Nepal 25.05.1955
Lhotse 8516 Meter China (Tibet), Nepal 18.05.1956
Makalu 8463 Meter China (Tibet), Nepal 15.05.1955
Cho Oyu 8201 Meter China (Tibet), Nepal 19.10.1954
Dhaulagiri I 8167 Meter Nepal 13.05.1960
Manaslu 8163 Meter Nepal 09.05.1956
Nanga Parbat 8126 Meter Pakistan 03.07.1953
Annapurna 8091 Meter Nepal 03.06.1950
Hidden Peak (Gasherbrum I) 8068 Meter China (Tibet), Pakistan 05.07.1958
Broad Peak 8047 Meter China (Tibet), Pakistan 09.06.1957
Gasherbrum II 8035 Meter China (Tibet), Pakistan 07.07.1956
Shisha Pangma 8012 Meter China (Tibet) 02.05.1964
*Quelle: Brockhaus Enzyklopädie


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