Rücktritt des Skeleton-Bundestrainers Das Geld liegt nicht in der Eisrinne

Skeleton ist eine Randsportart. Das weiß auch Bundestrainer Jens Müller. Trotzdem fürchtet er um die Zukunft - und tritt zurück: "Die Bezahlung ist nicht mehr zeitgemäß."

Skeleton-Bundestrainer Jens Müller
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Skeleton-Bundestrainer Jens Müller


Jens Müller ist als Bundestrainer der deutschen Skeleton-Piloten zurückgetreten. Als einen wesentlichen Grund für seine Entscheidung nannte er die schlechte Bezahlung. "Es gibt viele Gründe für meinen Entschluss", sagte der Rodel-Olympiasieger von 1988 der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Dazu gehört auch die Vergütung der Trainer. Der Aufwand ist teilweise wahnsinnig, die Bezahlung aber nicht mehr zeitgemäß."

Trotz der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Politik in Angriff genommenen Leistungssportreform ist Müller skeptisch, dass sich die Lage für die Trainer in den Randsportarten bald ändert. "Vor zehn Jahren ist mal eine Traineroffensive angekündigt worden. Im neuen Koalitionsvertrag ist nicht mal das Wort Trainer erwähnt", sagte Müller.

Der langjährige Bundestrainer hat vor allem Schwierigkeiten mit der Potenzial-Analyse-Kommission, die die Notwendigkeit der Förderung von Verbänden und Sportlern bewertet. "Wir mussten einen enormen Fragenkatalog beantworten", sagte der 52-Jährige. "Ich bin gespannt, ob die Kommission so viele Dokumente fachlich einschätzen und die Einhaltung der daraus resultierenden Forderungen an Verbände und Sportarten kontrollieren kann." Zuvor hatte schon der deutsche Curler Felix Schulze Bedenken geäußert, nach der Leistungssportreform mit seiner Sportart in der Versenkung zu verschwinden.

Müller hatte seinen Vertrag auch deshalb vorzeitig auflösen lassen, weil er mit den Ergebnissen der deutschen Skeletonis unter seiner Regie nicht zufrieden war - trotz der Silbermedaille von Jaqueline Lölling bei Olympia 2018 in Pyeongchang. Bei den Männern enttäuschten Alexander Gassner, Christopher Grotheer und Axel Jungk mit den Plätzen acht bis zehn. Müller wollte in Südkorea einen Olympiasieg feiern.

Außerdem sollen gesundheitliche Gründe eine Rolle gespielt haben. Müller hatte vor vier Jahren einen Herzinfarkt erlitten.

krä/sid

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Waldemar Peschel 17.04.2018
1. leider, leider...
...ist Herr Müller mit seinem Anliegen und Sorgen beliebig austauschbar mit z.B. den Shorttrackern, Curlern, bald Eisschnellläufern, Eiskunstläufer...Judokas, Ringer, Segler...Sportgymnastik, Schießen, Volleyballer...Die Liste ließ sich fortsetzen, wenn der Platz reichen würde. Kein Geld, keine Präsenz, keine Sponsoren....aber Hauptsache "der Diesel läuft"
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