Ski-Rennfahrer Hirscher Vom Erfolg besessen

Marcel Hirscher hat mit dem fünften Triumph im Gesamt-Weltcup Geschichte geschrieben. Die Konkurrenz verneigt sich vor dem Österreicher. Eine weitere Bestmarke bleibt aber wohl unerreicht.

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Marcel Hirscher
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Marcel Hirscher


Als Marcel Hirscher die Ziellinie im slowenischen Kranjska Gora überquerte und die Konkurrenz ein weiteres Mal düpiert hatte, ließ er sich zu einem spontanen Jubelschrei hinreißen. Der 27-jährige Ski-Rennfahrer hatte sich soeben zum fünften Mal zum Gesamt-Weltcupsieger gekrönt. Wohlgemerkt: in Folge. Keinem anderen Skifahrer war dieses Kunststück zuvor geglückt, nicht einmal Marc Girardelli, dem großen Luxemburger, der zwischen 1985 und 1993 ebenfalls fünf Titel gewann und bis gestern der erfolgreichste Athlet der Ski-Geschichte war.

"Ich kann es noch gar nicht glauben", sagte Hirscher nach dem Erfolg. "Ich glaube es erst, wenn ich es selber durchrechnen kann, mit allen Eventualitäten."

Hirscher zählt zu den Fahrern, die nichts dem Zufall überlassen. Auch in dieser Saison dominierte der Österreicher den alpinen Ski-Weltcup, nie zuvor stand so früh fest, dass er den Gesamt-Weltcup gewinnen würde. Und das, obwohl er in seiner Paradedisziplin, dem Slalom, nur zweimal ganz vorne lag. Dort führte kein Weg an Henrik Kristoffersen vorbei. Der 21-jährige Norweger gewann sechs der neun Wettbewerbe. Doch Hirscher ist längst kein reiner Slalom-Spezialist mehr, mittlerweile dominiert er gemeinsam mit dem Franzosen Alexis Pinturault auch den Riesenslalom, zudem fuhr er erstmals auch im Super-G einen Sieg ein.

Die ersten großen Erfolge von Hirscher fielen in eine Zeit, in der andere Stars ihren Zenit bereits überschritten hatten. Ivica Kostelic, Bruder der ebenfalls sehr erfolgreichen Janica, Bode Miller oder auch Hirschers Landsmann Benjamin Raich befanden sich in der Schlussphase ihrer Karrieren. Hirscher prägte die Jahre danach gemeinsam mit Aksel Lund Svindal. Der Norweger, der sich in dieser Saison bei einem schrecklichen Sturz in Kitzbühel schwer verletzt hatte, wäre wohl der einzige gewesen, der Hirscher seinen fünften Triumph hätte streitig machen können. Doch es kam anders.

Schon in jungen Jahren sehr erfolgreich

Felix Neureuther zählt ebenfalls zu den besten Technikern im alpinen Sport, doch die Karriere des Deutschen wird wohl eine unvollendete bleiben. Im Kampf um die kleine Kristallkugel, die ein Athlet am Ende einer Saison überreicht bekommt, wenn er in einer Disziplin der Beste war, landete er zweimal hinter seinem ewigen Rivalen. Auch bei der Weltmeisterschaft in Schladming vor drei Jahren war nur Hirscher schneller.

Mit nur 1,73 Metern zählt Hirscher zu den eher kleineren Fahrern im Feld. Doch er ist ein wahres Kraftpaket, das auch im unteren Streckenabschnitt noch mal zulegen kann, während bei anderen Fahrern die Kraft zu schwinden scheint. Sein großes Talent hatte sich schon zu Jugendzeiten angedeutet, im Alter von 18 Jahren war er bereits dreifacher Junioren-Weltmeister, sein Vater, der bis heute bei fast jedem Rennen als Betreuer vor Ort ist, hatte ihn einst zum Skisport gebracht.

Der endgültige Durchbruch gelang ihm dann im Dezember 2009, als er in Val-d'Isère erstmals ein Weltcuprennen gewinnen konnte. Sein jüngster Sieg war der insgesamt 39. Von der Bestmarke ist er allerdings noch weit entfernt: Ingemar Stenmark dominierte seinerzeit ebenfalls in den Technik-Disziplinen und fuhr zwischen 1975 und 1989 86 Weltcupsiege ein.

Ähnlich wie der Schwede deklassierte auch Hirscher die Konkurrenz des Öfteren. Im vergangenen Jahr kam er in Garmisch-Partenkirchen 3,28 Sekunden vor Neureuther ins Ziel, im alpinen Skisport gleicht das einem Klassenunterschied. 37 Jahre zuvor stellte nur Stenmark eine bessere Marke auf. Er überquerte 4,06 Sekunden vor dem Zweitplatzierten die Ziellinie.

Dass er die Marke seines Idols jemals erreichen wird, ist unwahrscheinlich. Das muss er aber auch nicht. Andere Bestmarken haben ihn ohnehin nie interessiert. Sein Vater brachte es nach dem Erfolg auf den Punkt. "Er hat immer sein Bestes gegeben, es ging ihm nie darum, Geschichte zu schreiben. Er will immer nur Erfolg haben."

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matteo51 06.03.2016
1. Erster
ich weiß nicht, ob der verfasser des artikels sport macht oder gemacht hat, aber ich finde es eine frechheit, die karriere eines sportlers unvollendet zu nennen, nur weil dieser nicht der ERSTE war. felix neureuther ist einer der besten im alpinen skizirkus, auch als ZWEITER oder DRITTER oder ZEHNTER. beste grüsse
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