Ski Alpin Stürze überschatten Cuches Abfahrtstriumph

Vier Verletzte an drei Tagen - eine Woche nach dem schweren Unfall von Hans Grugger beherrschen Stürze den alpinen Ski-Weltcup. Didier Cuche feierte seinen zweiten Erfolg hintereinander und ist kurz vor der WM in Top-Form. Doch auch er zeigt sich vom Schicksal der Konkurrenz beeindruckt.

Abfahrtssieger Cuche: "Der Sport ist so gefährlich"
dpa

Abfahrtssieger Cuche: "Der Sport ist so gefährlich"


Hamburg - Die Serie der furchterregenden Stürze im alpinen Ski-Weltcup reißt nicht ab. Während der Österreicher Hans Grugger nach seinem Unfall in Kitzbühel langsam aus seinem künstlichen Koma geholt wird, wurde die Abfahrt im französischen Chamonix gleich von mehreren schwerwiegenden Zwischenfällen überschattet. Nachdem sich am Donnerstag der Österreicher Mario Scheiber bei einem Trainingssturz schwer verletzt hatte, stürzten im Rennen selbst Scheibers Landsmann Georg Streitberger und der Kanadier Manuel Osborne-Paradis.

Sportlich dominierte Didier Cuche in Chamonix. Bereits vor einer Woche hatte der Schweizer mit einer überragenden Fahrt auf der Streif in Kitzbühel gewonnen, nun triumphierte er auf der tückischen "La Verte". Nach 1:58,91 Minuten kam Cuche ins Ziel und hatte damit 0,67 Sekunden Vorsprung auf Dominik Paris aus Italien (1:59,58) und 0,88 Sekunden auf Klaus Kröll aus Österreich (1:59,79).

Überschattet wurde Cuches 16. Weltcupsieg aber von den Stürzen der Konkurrenten. Osborne-Paradis verlor nach eineinhalb Fahrminuten an einer Stelle die Kontrolle, die schon Scheiber im Training zum Verhängnis wurde. Dort befinden sich "zwei ausgeprägte Wellen", sagte der Österreicher Michael Walchhofer, der Rang fünf belegte. Hinzu sei aber ein schwieriger "Licht-Schatten-Wechsel" gekommen, ergänzte er. "Bei Manuel hat es gar nicht so schlimm ausgeschaut bei der Anfahrt - aber das geht schnell", sagte er.

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Von Maier bis Albrecht: Schwere Stürze im Ski-Weltcup
Osborne-Paradis wurde nach seinem Sturz in die Fangzäune noch auf der Strecke behandelt und erlitt nach ersten Erkenntnissen einen Bruch des Wadenbeines. "Er ist auf dem Weg zu weiteren Tests nach Genf, um das genaue Ausmaß der Verletzungen zu bestimmen", sagte Teamarzt Stephen French. Ein weiterer Einsatz im WM-Winter sei "fraglich".

Der vor ihm gestürzte Streitberger konnte selbst auf Skiern ins Ziel fahren, klagte aber über Schmerzen im linken Knie. "Es war ein Fahrfehler. Mir hat es auf der Welle den Innenski verschnitten - dann geht es eh dahin", so der Österreicher.

Auch Sieger Cuche zeigte sich im Ziel beeindruckt vom Schicksal der Konkurrenz: "Man sieht derzeit so viele Stürze, der Sport ist so gefährlich", sagte der Schweizer, der im Gesamtweltcup nun auf Platz zwei liegt - allerdings mit bereits 405 Punkten Rückstand auf Ivica Kostelic aus Kroatien, der 28. wurde. Die Deutschen Tobias Stechert und Andreas Sander holten auf den Rängen 26 und 30 Weltcuppunkte, doch vor allem Stechert war mit seiner Fahrt unzufrieden. "Die Piste war in einem sauguten Zustand, da habe ich schon damit gerechnet, unter die ersten 15 zu kommen", sagte er.

Stechert und Sander haben nach der letzten Abfahrt vor der WM in Garmisch-Partenkirchen (7. bis 20. Februar) die offizielle Qualifikationsnorm nicht erfüllt, dürfen aber darauf hoffen, dass der Deutsche Skiverband (DSV) sie dennoch nominiert.

Im italienischen Sestriere wurde derweil wegen starken Nebels die Weltcupabfahrt der Damen abgesagt. Nach mehrmaliger Verschiebung wurde das Rennen auf Sonntag verschoben. Für die ursprünglich am Sonntag geplante Super-Kombination stünde der Montag als Reservetermin zur Verfügung. Besonders im Mittelteil behinderte am Samstag dichter Nebel die Sicht und machte ein Rennen für Maria Riesch und Co. unmöglich.

luk/dpa/sid

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Seite 1
Blackwin, 29.01.2011
1. So kommt es...
... wenn man sich in Erfüllung der Sensationsgier der Massen mit weit über 100 km/h den Hügel herunterstürzt, seitens der Veranstalter immer spektakulärere Sprünge einbaut und sich dann wundert, wenn die Sportler crashen. Und das alles entweder für vergänglichen kurzen Ruhm oder für Geld. Welch eine Begründung.
Holperik, 29.01.2011
2.
Zitat von Blackwin... wenn man sich in Erfüllung der Sensationsgier der Massen mit weit über 100 km/h den Hügel herunterstürzt, seitens der Veranstalter immer spektakulärere Sprünge einbaut und sich dann wundert, wenn die Sportler crashen. Und das alles entweder für vergänglichen kurzen Ruhm oder für Geld. Welch eine Begründung.
Irgendwie passt es nicht ganz zur Aussage von Michael Walchhofer im Interview während des Rennens, der sagte, dass die Rennen in den letzten Jahren langsamer geworden sind.
der_durden 29.01.2011
3. So ist es auch.
Zitat von HolperikIrgendwie passt es nicht ganz zur Aussage von Michael Walchhofer im Interview während des Rennens, der sagte, dass die Rennen in den letzten Jahren langsamer geworden sind.
Und genau das entspricht der Wahrheit. Auch die Sprünge wurden NICHT länger und/oder gefährlicher. Einzig die Taillierung der Ski haben es ermöglicht, in Kurven höhere Geschwindigkeiten zu fahren. Hierzu gibt es auch in der Tat Überlegungen, diese wieder etwas - jedenfalls beim Abfahrtslauf - zurückzunehmen...
mic123 29.01.2011
4. Geschwindigkeit
Mit aerodynamischen Mitteln wäre noch viel mehr drin. Es wird nicht gemacht um den Bogen nicht endgültig zu überspannen. Das sehen Veranstalter und die FIS wohl genauso, denn regelmässig Tote möchte keiner. Es war immer (Franz Klammer Innsbruck 1976, was für ein irrer Ritt!), ist und bleibt eine Gratwanderung auf die sich die Athleten bewusst einlassen. Wobei, zugegeben, manche Fahrer aus dem Mittelfeld oder weiter hinten sehen auf den richtig harten Strecken teilweise aus wie fremdgesteuert. Da bibbert man manchmal förmlich mit, sie/er möge heil unten ankommen. Aber trotzdem: Auch in diesen Fällen bleibt es eine selbstbestimmte Entscheidung. Nur wegen der Kohle macht das keiner und auch potentieller Ruhm reicht für diese jahrelange Schinderei bis an die Weltspitze (das ist übrigens der Worldcup generell und nicht nur die ersten Zehn) nicht aus. Da gehört Herzblut, echte, gelebte Leidenschaft dazu. Und natürlich die Sucht nach Adrenalin, die Droge die alle Protagonisten letztendlich verbindet.
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