Ski-Sensation in Kitzbühel Thomas Dreßen siegt am Hahnenkamm

Überraschung im Abfahrtsrennen von Kitzbühel: Skifahrer Thomas Dreßen hat den ersten deutschen Sieg auf der legendären Streif seit 1979 geholt. Der Triumph gelang auch dank einer glücklichen Entscheidung.

REUTERS

Der deutsche Ski-Rennläufer Thomas Dreßen hat überraschend das legendäre Abfahrtsrennen in Kitzbühel gewonnen. Der 24-Jährige siegte vor Weltmeister Beat Feuz aus der Schweiz (0,20 Sekunden Rückstand) und dem Österreicher Hannes Reichelt (0,41). Es war der erste Weltcuperfolg seiner Karriere.

Letzter und bislang einziger deutscher Abfahrtssieger am Hahnenkamm war Sepp Ferstl auf den Tag genau vor 39 Jahren. Ferstl hatte auf der Streif auch 1978 gewonnen. Der inzwischen 63-Jährige sagte: "Gott sei Dank, dass ich jetzt mal abgelöst bin, das hältst du auf Dauer nicht aus. Jetzt ist endlich der Mythos Ferstl-Streif erledigt." Der Wettkampf gilt als das schwierigste Abfahrtsrennen der Welt.

"Im Ziel habe ich es gar nicht glauben können, ich dachte, die wollen mich verarschen. Für mich ist das auch eine Überraschung", sagte Dreßen. Der Abfahrtsdritte von Beaver Creek hatte bei seiner starken Fahrt auch etwas Glück: Weil sich Reichelt für die Startnummer 1 entschieden hatte, konnte Dreßen die bessere 19 wählen - und bei deutlich besserer Sicht abfahren.

"Wahnsinn", sagte Zuschauer Felix Neureuther über Dreßens Vorstellung: "Ich hatte noch nie so Gänsehaut." Für die deutschen Männer ist es zudem der erste Sieg in einem Abfahrtsrennen seit 2004.

Dreßens Teamkollege Andreas Sander verspielte einen Podestrang durch einen Fehler auf den letzten Metern und wurde Sechster. Josef Ferstl, der Sohn des bis dahin einzigen deutschen Kitzbühel-Siegers, kam auf den 20. Platz. Manuel Schmid verpasste als 37. die Punktränge.

jan/sid



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zweituerer 20.01.2018
1. Der Oberhammer!!!
Habs gesehen und noch NIE so vorm TV gejubelt! Riesige Glückwünsche! Jeder sportliche Skifahrer kann sich die Mega-Kräfte auf den Oberschenkel auf der Streif entfernt vorstellen. Nächste Woche darf ich zumindest "seine" Ski in der Riesenslalom-Version (F23 statt F50) fahren. Ich werde an ihn denken!
OhMyGosh 20.01.2018
2. Da blieb mir glatt
die Spucke weg... eine Fahrt wie aus einem Guss! Auch Sander ist toll gefahren. In der Form ist von unseren Abfahrern bei Olympia die eine oder andere Überraschung zu erwarten.
fatfreddy 20.01.2018
3. Klasse
Der Sieg auf der Streif ist wertvoller als Olympisches Gold. Legendär!
worlorn 20.01.2018
4. Wahnsinn !!!!!
Dass der Bursche gut ist, dass er mit das größte Abfahrtstalent im Skizirkus ist, hatte man gewusst. Hatte er diesen Winter auch schon gezeigt, mit seinem großartigen 3. Platz auf der grimmigen Birds of Prey in Beaver Creek und dem 5. Platz in Wengen, wo er bis zur letzten Zwischenzeit auch auf Podestkurs war, aber das Ziel-S verhaute. Auch seine hohe Konstanz, immer in den Top 15, war außerordentlich. Trotz eher mäßigen Fahrten im Training und Super G, wo ihm jedesmal die so wichtige Ausfahrt aus dem Steilhang misslang, konnte man auf Top 10 schon hoffen, bekanntlich legt er im Rennen eine Schippe drauf. Mit Top 5 oder sogar Podest wäre es absolut super gewesen, aber das Rennen zu gewinnen, alle Abfahrtsgrößen wie Svindal, Feuz, Reichelt, Mayer, Jansrud, Fill, Paris zu schlagen, ist unglaublich, der pure Irrsinn. Die Abfahrt auf der Streif ist das Größte im Wintersport außerhalb von Großereignissen. Budget, Umsätze, Anzahl von TV-Stationen, Anzahl Journalisten, Zuschauer weltweit und vor Ort (ca. 40.000), alles Rekordzahlen. Dort zu gewinnen, ist fast so viel wert, wie ein Olympiasieg. Es ist sicher der größte Moment des deutschen Herrenrennsports seit den Goldenen von Wasi in Lillehammer 1994.
worlorn 20.01.2018
5.
Zitat von OhMyGoshdie Spucke weg... eine Fahrt wie aus einem Guss! Auch Sander ist toll gefahren. In der Form ist von unseren Abfahrern bei Olympia die eine oder andere Überraschung zu erwarten.
Dreßen ist jetzt 3. im Abfahrts-Weltcup, war in den bisherigen Abfahrten 1., 3., 5. und dreimal zwischen Platz 12 und 14. Jetzt muss man ihn endgültig zu den Medaillenkandidaten zählen. Dafür spricht auch seine hohe Konstanz und Kontrolle, für einen so jungen Abfahrer ganz außerordentlich. Mit 24 ist man ja praktisch noch ein Azubi, war heute seine erst vierte Fahrt auf der Streif von ganz oben. Eine große Stärke von ihm: Er kann überall schnell sein, hat keine erkennbare Schwäche. Auch Sander ist klasse, bisher schon 6. und 7. Heute war sogar der Sieg drin, in den Zielschuss nur mit 4/100 Rückstand. Leider misslang ihm die Zielschuss-Einfahrt, aber Platz 6 in Kitz ist auch super. Den Sieg von Ferstl im Super G von Gröden nicht zu vergessen. Fast unglaublich, was sich bei den DSV- Abfahrern tut.
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