Silber für Ski-Legende Svindal Der Mann, der aus der Kälte kam

Aksel Lund Svindal ist einer der beliebtesten Skifahrer der Geschichte. Beim letzten Rennen seiner Karriere zeigte sich noch einmal, warum das so ist. Wer so verlieren kann, hat schon gewonnen.

Aksel Lund Svindal
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Aksel Lund Svindal

Aus Åre berichtet


Es ist üblich, bei noch laufenden Skirennen den Führenden in seiner Wartebox zu zeigen. Auf den Großbildleinwänden im Ziel sind dann manchmal Gefühlsausbrüche oder einfach stoische Blicke zu sehen, bisweilen wirken die Fahrer in Erwartung eines möglichen Siegs recht einsam. Nicht so der Norweger Kjetil Jansrud, der bei der WM-Abfahrt im schwedischen Åre als Fünfter ins Rennen gegangen war und deshalb recht lange warten musste. Drei Startnummern später fuhr Aksel Lund Svindal, landete 0,02 Sekunden hinter dem späteren Weltmeister und so holte Jansrud seinen Landsmann in sein Wartezimmer.

Da standen sie nun, die beiden Norweger und zeigten mit den Fingern auf den jeweils anderen. Svindal wollte die Aufmerksamkeit auf den Sieger lenken, Jansrud wusste aber, dass er die an diesem Tag teilen musste. Denn es war das letzte Rennen in der Laufbahn des Aksel Lund Svindal. Er hatte unzählige Verletzungen, an Kreuzband, Meniskus, Jochbein, Achillessehne, Rippen, Nase. Letztlich zwang ihn sein malades Knie zum Karriereende, das hatte er Ende Januar am Rande der Hahnenkammrennen in Kitzbühel bekanntgegeben.

"Jetzt spreche ich ja nicht mehr als Abfahrer", sagte Svindal nach dem Rennen. Alles sei eine Frage der Perspektive und deshalb könne er nun aus voller Überzeugung sagen: "Meinem Knie geht es gut." Und eine Abkehr vom Abschied wird es für ihn nicht geben. "Der Rücktritt war die richtige Entscheidung", sagte Svindal. "Auch wenn ich morgen aufstehen werde, werde ich damit zufrieden sein."

Svindal wird fehlen

Sieger Jansrud wollte nicht zu viel über den nun anstehenden Verlust für den Skisport sprechen, immerhin sei es ein Feiertag und keine Beerdigung. Aber, "wir werden ihn vermissen, er reißt eine große Lücke im Team", sagte der 33-Jährige dann doch. "Er hat den Zeitpunkt des Rücktritts selbst gewählt, das schaffen nur wenige Sportler. Es fühlt sich nach den vielen Jahren gemeinsam mit Aksel wie ein Märchen an." Ein Märchen vor stimmungsvoller Kulisse, denn es waren sehr viele Norweger unter den Zuschauern. "Es hat sich wie ein Heimvorteil angefühlt", sagte Jansrud.

Es war typisch, wie Svindal an seinem letzten großen Tag darauf bedacht war, seinem Freund Jansrud nicht zu viel von der Show zu stehlen. Der 36-Jährige ist bescheiden, er wird von seinen Konkurrenten als große Persönlichkeit bezeichnet. "Es ist eine Riesenehre für mich, mit Aksel auf dem Podest zu stehen", sagte auch der österreichische Bronzemedaillengewinner Vincent Kriechmayr. "Er ist zu jedem Fahrer nett, für mich ist er ein Vorbild." Svindal will nicht als Star der Szene wahrgenommen werden, sondern einfach gute Rennen fahren.

Das ist ihm seit seinem Debüt im Weltcup im Jahr 2001 trotz der vielen Rückschläge und Verletzungen immer wieder gelungen. Svindal nahm an vier Olympischen Spielen teil, gewann dabei 2010 in Vancouver Gold im Super G und wiederholte seinen Triumph acht Jahre später in Pyeongchang in der Abfahrt - im Übrigen in umgekehrter Reihenfolge mit Jansrud auf dem zweiten Platz. Bei Weltmeisterschaften hat er fünf Titel gewonnen, Silber in Åre war seine insgesamt neunte WM-Medaille, hinzu kommen 36 Weltcupsiege.

Svindal ist aber auch einer der Athleten, die sich Gedanken über Entwicklungen im Sport machen. So kritisierte er wenige Tage vor WM-Beginn in der "Welt am Sonntag" die olympische Bewegung, die ihre Werte verloren habe. "Das ist wirklich traurig für unseren Sport und für unsere Gesellschaft", sagte Svindal. "Olympische Spiele werden mittlerweile wie eine Fußball-WM mit Bestechung, Untreue und Betrug in Verbindung gebracht." Und als Gian-Franco Kasper, Präsident des Ski-Weltverbands Fis, in den vergangenen Tagen im Tagesanzeiger mit kruden Aussagen zu Ausrichtern von Olympischen Spielen und dem Klimawandel Schlagzeilen produzierte, positionierte sich Svindal deutlich: "Manchmal sagen Leute Dinge, die so dämlich sind, dass man sie nicht kommentieren muss."

"Es war nicht unfair"

Ob Kasper auch direkten Einfluss auf die Jury-Entscheidung genommen hat, die Abfahrt trotz Nebel, Wind und einsetzendem Schneefall nach einer Verschiebung um eine Stunde starten zu lassen, ist nicht bekannt. Der Schweizer gilt als klarer Verfechter davon, bestehende Zeitpläne nicht zu verändern. Sicher, alle Fahrer mussten mit ähnlich schlechten Bedingungen klarkommen, aber angesichts der Möglichkeit, das Rennen auf Sonntag oder kommenden Mittwoch verschieben zu können, war es eine unglückliche Entscheidung.

"Ich bin als Sieger nicht die richtige Person, zu entscheiden, ob das fair war oder nicht", sagte Jansrud. Der Zweitplatzierte wollte dagegen gar keine Diskussion aufkommen lassen: "Es waren keine perfekten Bedingungen, aber es war nicht unfair." Typisch Svindal.



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hansriedl 09.02.2019
1. Kaum geht's um Medaillen,
sind die sonnst verschlafenen Norweger wieder da. Gratulation an Svindal Absolut perfektes Karriere Ende ... für mich der wohl sympathischste und fairste aus dem Ski Zirkus der letzten 20 Jahre! Einen Abgang mit eine Medaille war sein Wunsch.
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