Hamburg - Da stand er nun im Zielbereich und versuchte gar nicht erst, seine Enttäuschung zu verbergen. "Vierter will man hier nicht werden", sagte Klaus Kröll nach dem Abfahrtsrennen bei der alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Schladming. Der Ort liegt in Österreich, Kröll ist Österreicher, und im Land des Gastgebers ist die Stimmung - nun ja, mies reicht als Bezeichnung wohl nicht mehr aus.
Die größte und spektakulärste Ski-WM der Geschichte: Das soll von Schladming im Gedächtnis bleiben. Dafür wurden rund 400 Millionen Euro ins Skigebiet in der Steiermark investiert. Die Österreicher wollten und wollen sich der gesamten Ski-Welt glänzend präsentieren, als Veranstalter. Aber natürlich schließt dieses Vorhaben den Sport mit ein. Eine Ski-alpin-WM im Land der erfolgreichsten Ski-alpin-Nation - wer bitteschön soll bei diesem Großevent dominieren? Österreich jedenfalls tut es nicht.
Vier von zehn Wettbewerben sind in Schladming absolviert, und für den Österreichischen Skiverband (ÖSV) gab es bislang nur eine Bronzemedaille. Nicole Hosp wurde bei Maria Höfl-Rieschs Triumph in der Super-Kombination Dritte, ansonsten galt der - leicht abgewandelte - Satz von Kröll: Vierter wollte man eigentlich nicht werden. Wurde man aber. Neben Kröll auch Hannes Reichelt im Super-G und Michaela Kirchgasser in der Super-Kombination. Und beim Super-G, der vom schweren Sturz von Lindsey Vonn überschattet wurde, war die beste Österreicherin Andrea Fischbacher auf Platz neun.
Hirscher löste mit Facebook-Eintrag große Diskussionen aus
Einmal Bronze, Platz sieben im Medaillenspiegel, sogar der nicht gerade geliebte Nachbar aus Deutschland ist besser: Die WM-Euphorie ist bei den Österreichern erst einmal futsch. Das selbsternannte "Powerteam" hat alles, nur keine Power. "Abfahrts-Blech für Kröll", titelte die "Kronenzeitung", nachdem der 32-Jährige 0,38 Sekunden zu langsam war, um in der Königsdisziplin eine Medaille zu holen.
Nun ruhen alle Hoffnungen auf Marcel Hirscher, den Über-Fahrer dieses Winters. Er soll in WM-Woche zwei im Slalom und Riesenslalom für die ersehnten Goldmedaillen sorgen, aber Hirscher hat erstmal für eine landesweite Diskussion gesorgt. Nach dem Super-G, den der US-Amerikaner Ted Ligety gewonnen hatte, schrieb der 23-Jährige auf seiner Facebook-Seite: "Gratuliere Ted!!! Diesen Lauf wäre ich auch gerne gefahren..." Würde man behaupten, dieser Eintrag hätte für Wirbel gesorgt, wäre das reichlich untertrieben.
Hirscher wurde vom ÖSV nämlich nicht für den Super-G nominiert, weil er kaum Super-G gefahren war diese Saison. Daher wurde Hirscher - und damit Österreich - vom eigenen Verband um eine Medaille gebracht, so der unterschwellige Vorwurf. Weil der Super-G von seinem Streckenprofil her eher ein Riesenslalom und kein Super-G war, und Hirscher damit wohl in der Lage gewesen wäre, in die Medaillenränge zu fahren.
"Ligety nutzt die Chance, die Hirscher nicht bekam", schrieben die "Salzburger Nachrichten". Mathias Berthold, Männer-Cheftrainer des ÖSV, kritisierte anschließend die Medien für diesen Vorwurf, "unseriös" sagte er, und er könne das "nicht nachvollziehen". Und Hirscher beeilte sich per Pressemitteilung klarzustellen: War alles nicht so gemeint, wie es interpretiert wurde. Natürlich nicht.
Hirscher wird erst Ende kommender Woche auf die Piste gehen, am Freitag (Riesenslalom) und Sonntag (Slalom, jeweils ab 10 Uhr) stehen seine Spezialdisziplinen an. Der nächste Wettbewerb ist am Sonntag (11 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die Abfahrt der Frauen. Im Training dafür war Regina Sterz schneller als alle anderen. Sterz ist Österreicherin, und nach ihrem Erfolg im Training titelte die Kronenzeitung: "Regina holt den ersten Sieg für Österreich." Wenigstens ihren Humor haben sie im Gastgeberland noch nicht verloren.
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