Skisprung-Silber für Wellinger Knapp ausgestochen

Andreas Wellinger hat auch beim zweiten Sprung-Wettbewerb eine Medaille gewonnen - der 22-Jährige befindet sich in brillanter Form. Für Teamgold am Montag müssen sich seine Kollegen allerdings steigern.

Andreas Wellinger
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Andreas Wellinger

Aus Pyeongchang berichtet


Ein Weißbier wollte sich Andreas Wellinger in der Nacht dann wenigstens doch noch gönnen. Ausgelassenes Feiern war dem 22-Jährigen nach seiner zweiten Olympia-Medaille von Pyeongchang allerdings nicht vergönnt. Der Teamwettwettbewerb steht schon zwei Tage später auf dem Terminkalender, und Wellinger will auch dann wieder aufs Podium.

Die Party wird nachgeholt. Und sie dürfte dann etwas rauschender ausfallen. Wellinger hat nach Gold von der Normalschanze auch von der Großschanze brilliert und sich nur dem Dominator dieses Winters, Kamil Stoch aus Polen, geschlagen geben müssen. Noch bei der Vierschanzentournee hatte alles über seinen Teamkollegen Richard Freitag gesprochen. Bei den Olympischen Spielen jedoch ist es Wellinger, der die führende Rolle in der Mannschaft übernommen hat.

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
14
14
11
39
2
Deutschland
14
10
7
31
3
Kanada
11
8
10
29

"Ich wusste bereits vor den Spielen, dass ich hier gut vorbereitet anreisen würde", sagte der DSV-Springer. Dass es jedoch so gut funktionieren würde, hatte sich erst vor Ort bei den ersten Trainingssprüngen herausgestellt. Von Anfang an war Wellinger dort eindrucksvoll aufgetreten. Er zeigte eine Form, die er in beide Wettkämpfe hinübergerettet hat.

In der Tiefgarage vorbereitet

In den Stunden vor dem Wettkampf sei Wellinger "komplett relaxed" gewesen, erzählt er, als alles vorbei war: "Da war ich selbst von mir überrascht." Am Nachmittag habe er mit Lockerungsübungen in der Tiefgarage des deutschen Quartiers versucht, "das richtige Gefühl für den Sprung zu bekommen". Ein bisschen Fußball zum Auflockern, ein bisschen Stretching - "und das scheint genau das Richtige gewesen zu sein". Eine Olympiamedaille, die in einer Tiefgarage geboren wurde.

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Vor allem im zweiten Durchgang machte Wellinger, bis dahin auf Rang drei liegend, Druck auf die Konkurrenz, als er bis auf 142 Meter segelte. Es war der weiteste Sprung des Abends überhaupt. "Ich habe direkt nach dem Absprung gespürt, dass es weit gehen wird", sagt er. Der Österreicher Michael Hayböck, Zweiter nach dem ersten Durchgang, konnte nicht mehr dagegenhalten, fiel aus den Medaillenrängen heraus und sorgte damit erneut für ein ernüchterndes Resultat der österreichischen Adler.

Lediglich Stoch erwies sich wieder einmal als Mann ohne Nerven. Der polnische Titelverteidiger von Sotschi sprang mit 136,5 Metern genau die Weite, die er benötigte, um den Vorsprung aus Durchgang eins zu halten. "Kamil hat absolut verdient gewonnen", musste Wellinger anerkennen.

Für Stoch geht die märchenhafte Wintersaison damit weiter. Bei der Vierschanzentournee hatte er alles gewonnen, was möglich war, jetzt ist er schon dreifacher Olympiasieger - vor vier Jahren hatte er sowohl auf der Normal- als auch auf der Großschanze gesiegt.

Norwegen mit geschlossener Teamleistung

Und mit einer starken polnischen Mannschaft im Rücken hat er auch die Option auf ein viertes Gold. Die Entscheidung am Montag (ab 13.30 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) dürfte zum erwarteten Dreikampf werden. Wenn sie ihre Leistung von der Großschanze bestätigen, werden Wellinger, Freitag, Markus Eisenbichler und Karl Geiger dagegenhalten. Alle vier waren am Ende unter den besten 15 platziert.

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Aber die Favoritenrolle haben weder die Polen noch die Deutschen in der Hand. Der Bronzemedaillengewinner von der Großschanze, Robert Johansson, schaute zufrieden über seinen gezwirbelten Schnurrbart hinweg, der ihn so aussehen lässt, als sei er aus einem Hercule-Poirot-Krimi entsprungen, und sagte: "Unsere Jungs haben heute schon auf höchstem Level gesprungen." Unsere Jungs, das sind die Norweger. Das Quartett Johansson, Daniel André Tande, Johann Forfand und Andreas Stjernen landete im Gesamtpaket unter den besten Acht.

Wer Team-Olympiasieger werden will und damit Nachfolger der DSV-Mannschaft von Sotschi, der muss Norwegen schlagen. Johansson zählte neben Polen und Deutschland auch die Slowenen zum Anwärterkreis. Die Österreicher erwähnte er gar nicht mehr. "Ich freue mich auf das, was am Montag passieren wird", sagte Johansson. Wellinger saß leicht lächelnd daneben. Das könnte in seinem Gesicht ebenfalls Vorfreude gewesen sein.

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