Skispringer Freitag: Jetzt schon so gut wie Papa Holger

Von Nils Lehnebach

Richard Freitag soll die Durststrecke im deutschen Skispringen beenden. Nach seinem ersten Weltcup-Sieg ist der 20-Jährige in aller Munde, die Experten schätzen sein großes Potential. Doch um ein Großer zu werden, muss sich Freitag erst von seinem Vater absetzen.

Skispringer Freitag: Der deutsche Hoffnungsträger Fotos
dapd

Hamburg - Es ist schon eine ganze Weile her, dass Martin Schmitt nach einem Weltcup mal so richtig gute Laune hatte. Der letzte Weltcup-Erfolg des einstigen deutschen Vorzeige-Skispringers liegt fast zehn Jahre zurück, in dieser Saison war Rang 25 sein bestes Ergebnis. Zuletzt strich ihn Bundestrainer Werner Schuster aus dem Kader.

Dass Schmidt nach dem Springen am vergangenen Sonntag in Harrachov mal wieder zum Grinsen zumute war, lag nicht an seinem 36. Platz, sondern am starken Abschneiden seiner Teamkollegen. Richard Freitag, 20, feierte seinen ersten Weltcup-Erfolg, der drei Jahre ältere Severin Freund wurde Dritter. "Das ist fast wie in alten Zeit mit mir und Sven Hannawald auf dem Podest", freute sich Schmitt. Als bisher letzten DSV-Springer war es ihnen im März 2002 in Falun gelungen, gemeinsam aufs Podest zu springen.

Nach einer jahrelangen Durststrecke im deutschen Skispringen scheint das Duo Freund und Freitag pünktlich zu Beginn der Vierschanzentournee in knapp zwei Wochen bereit für große Erfolge. Zunächst gilt es aber noch am Samstag und Sonntag (jeweils 13.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim Weltcup im schweizerischen Engelberg zu überzeugen, vor allem für Freitag.

Thoma: "Freitag hat unheimliche Qualität"

Der 20-Jährige ist plötzlich in aller Munde, die Experten sind begeistert. Joachim Winterlich, ehemaliger Trainer von Jens Weißflog, sagte: "Mit Richard haben wir ein großes Talent, bei dem die ganze Persönlichkeit stimmt. Er kann das Erbe Weißflogs antreten." Auch Ex-Springer Dieter Thoma lobte in der "Welt": "Richard Freitag hat unheimliche Qualität. Er hat das Zeug, ein Siegspringer zu sein."

"Nach dem Weggang von Sven Hannawald hatten wir eine ganz schöne Krise. Ich denke, jetzt ist die Talsohle durchschritten", sagte DSV-Generalsekretär und Sportdirektor Thomas Pfüller.

Freitag selbst hebt nicht ab. Nach dem ersten Sprung in Harrachov, er führte zu diesem Zeitpunkt bereits, analysierte er ruhig, sprach davon, dass der Sprung "oben noch ein bisschen schnell" war. Der erste Weltcup-Sieg ist für ihn kein Grund, die Saisonziele zu verändern: "Ich bleibe bei dem, was ich mir vor der Saison vorgenommen habe. Ich will unter die Top Ten kommen."

Dass Freitag eines Tages im Wintersport groß rauskommen würde, deutete sich schon früh an. Auch Vater Holger war Skispringer, Richard kam im Klinikum Erlabrunn im Erzgebirge zur Welt - genau wie seine Vorgänger Weißflog und Sven Hannawald. Seine Schwester Selina (17) ist Sachsen-Meisterin im Skispringen. Zum Wintersport kam Freitag durch seinen Bruder Christian, der, nachdem beide Hannawald im Fernsehen verfolgt hatten sagte: "Richi, wir melden uns auch beim Skispringen an."

Freitag hatte keine Lust mehr auf die Nordische Kombination

Zunächst begann Freitag jedoch in der Nordischen Kombination, wurde dort aber nicht glücklich. "Mit 15 hatte ich die Nase voll. Sich so allein durch den Wald zu schinden, war nicht mein Ding. Da ich beim Springen ganz gut aussah, wechselte ich zu den Spezialspringern."

Mit seinen 56 Kilogramm bei 1,72 Meter Körpergröße ist Freitag selbst für Skispringer zierlich. "Er hat eine tolle Athletik und optimale Voraussetzungen", sagte Schuster über seinen in dieser Saison konstantesten Springer. Bei allen fünf Einzel-Weltcups sprang Freitag in die Top Ten, bereits zweimal stand er auf dem Treppchen.

Freitag konnte sich in den vergangenen Monaten komplett auf das Skispringen konzentriert, nachdem er im Sommer sein Abitur mit der Note 1,5 bestanden hatte. Ab dem ersten Januar beginnt er als Sportsoldat, 2014, nach den Olympischen Winterspielen, will er Medizin studieren.

Vorerst gilt seine Konzentration aber den kommenden Weltcups. Er muss beweisen, dass er dauerhaft ein Siegkandidat ist, im Gegensatz zu seinem Vater. Der hatte ebenfalls in Harrachov seinen erste Weltcup-Sieg gefeiert. Es sollte sein einziger bleiben.

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Vierschanzentournee: Sieger seit 2000
Jahr Athlet
2014 Thomas Diethart (AUT)
2013 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2012 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2011 Thomas Morgenstern (AUT)
2010 Andreas Kofler (AUT)
2009 Wolfgang Loitzl (AUT)
2008 Janne Ahonen (FIN)
2007 Anders Jacobsen (NOR)
2006 J. Ahonen (FIN)/Jakub Janda (CZE)
2005 Janne Ahonen (FIN)
2004 Sigurd Pettersen (NOR)
2003 Janne Ahonen (FIN)
2002 Sven Hannawald (GER)
2001 Adam Malysz (POL)
2000 Andreas Widhölzel (AUT)
Vierschanzentournee: Rekordsieger
Athlet Land Siege
Janne Ahonen Finnland 5 (1999, 2003, 2005, 2006, 2008)
Jens Weißflog Deutschland 4 (1984, 1985, 1991, 1996)
Björn Wirkola Norwegen 3 (1967, 1968, 1969)
Helmut Recknagel Deutschland 3 (1958, 1959, 1961)
Jochen Danneberg Deutschland 2 (1976, 1977)
Veikko Kankkonen Finnland 2 (1964, 1966)
Matti Nykänen Finnland 2 (1983, 1988)
Andreas Goldberger Österreich 2 (1993, 1995)
Hubert Neuper Österreich 2 (1980, 1981)
Ernst Vettori Österreich 2 (1986, 1987)
Gregor Schlierenzauer Österreich 2 (2012, 2013)