US-Skispringerin Hendrickson: "Ich hatte noch nie Angst, wenn ich oben stand"

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Das ist doch nichts für Frauen, die tun sich bei der Landung weh! Denkste: Skispringen ist seit Jahren weiblich, 2014 wird die Disziplin sogar olympisch. Und sie ist der Superstar: die erst 18-jährige Amerikanerin Sarah Hendrickson. Verblüffend, welche Weiten sie erreicht.

Skispringen: 18-jährige Überfliegerin Fotos
Getty Images

Hamburg - Es war der 6. April, der Sarah Hendricksons Leben veränderte. Der aus ihrem Hobby mit einem Mal einen ernstzunehmenden Leistungssport machte. An diesem Mittwoch vor fast zwei Jahren entschied das Internationale Olympische Komitee, dass Skispringen der Frauen ab 2014 olympisch sein, dass es einen eigenen Weltcup und regelmäßige Weltmeisterschaften geben wird. "Die Entwicklung, die mein Sport seitdem genommen hat, ist verrückt", sagt Hendrickson SPIEGEL ONLINE.

Die US-Amerikanerin ist 18 Jahre alt und eine der derzeit besten Skispringerinnen der Welt. Im vergangenen Jahr schrieb sie als erste offizielle Weltcupsiegerin Geschichte, neun von 13 Wettbewerbe hatte sie in der Saison gewonnen. In ihrer Heimat, im US-Bundesstaat Utah, bekamen das nur wenige mit, dort interessiert sich kaum jemand für Skispringen. Der beste - und einzige - männliche US-Athlet, Peter Frenette, belegt im Weltcup aktuell Rang 55.

Actionsport-Sponsor Red Bull hielt das nicht davon ab, Hendrickson unter Vertrag zu nehmen, und auch der Sportartikel-Riese Nike unterstützt sie seit einiger Zeit. Große Namen für einen Sport, den es in organisierter Form eigentlich erst seit knapp zehn Jahren gibt - und der immer nur dann im deutschen Fernsehen übertragen wird, wenn zeitgleich auch die Männer springen.

Noch bis vor gut 20 Jahren hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass der weibliche Körper zum Skispringen gänzlich ungeeignet sei, weil bei der heftigen Landung die Gebärmutter Schaden nehmen könnte.

Es fehlt an Homogenität in der Leistungsdichte

Sarah Hendrickson lacht: "Wie kann man so etwas denken? Klar kann in dem Sport etwas passieren, aber den Männern genauso wie den Frauen", sagt sie. Ihre schwerste Verletzung war bislang ein abgesprungenes Knorpelstück im Knie. Im vergangenen Frühjahr bohrten ihr Ärzte deshalb ein kleines Loch in den Oberschenkelknochen, bis dieser blutete. So sollte der Knorpel sich regenerieren können. "Es ist schon viel besser, aber ich bin noch nicht bei 100 Prozent", sagt Hendrickson.

Sie hofft, dass sie bis zum Start der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im italienischen Val di Fiemme (20. Februar bis 2. März, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wieder fit wird. Denn dann soll der erste WM-Titel für die 18-Jährige her. Im vergangenen Jahr gewann sie auf dem gleichen Hügel den Weltcup und stellte mit 108 Metern den damaligen Schanzenrekord ein. Ihre bisherige Bestweite liegt bei 143 Metern - damit könnte sie locker bei den Männern mitspringen.

Auf einen Podestplatz von Hendrickson in Predazzo könnte man aber nicht nur deshalb guten Gewissens wetten. Denn hinter ihr und der derzeitigen Weltcupführenden Japanerin Sara Takanashi, 16, klafft eine große Lücke, auch wenn es im Weltcup so viele Nationen und Athletinnen wie noch nie gibt. "Vom sportlichen Wert der Wettkämpfe müssen wir heute keine Abstriche mehr machen", sagt Walter Hofer, Skisprungdirektor des Weltskiverbandes Fis. "Aber es fehlt noch an der Homogenität in der Leistungsdichte."

Größtes Vorbild: Hope Solo

Die beste Deutsche ist die 21-jährige Carina Vogt mit Rang sieben, dahinter folgt Katharina Althaus, 16, auf dem 22. Platz. "Es tobt derzeit ein Generationenkrieg, da die Trainingsälteren mit dem Materialwechsel nicht so zurechtkommen wie die Jüngeren", sagt der deutsche Cheftrainer Andreas Bauer. Zu Beginn der Saison erhielten die Frauen erstmals eigene Material- und Kleidungsvorschriften, zuvor waren sie in den Anzügen der Männer gesprungen.

"Ich finde, es ist ein Vorteil, dass wir nun engere Anzüge tragen, schließlich haben wir eine andere Körperform als Männer", sagt Hendrickson. Bei einer Körpergröße von 1,62 Metern wiegt sie 50 Kilogramm: Normalgewicht für eine Sportlerin mit ihrem Trainingspensum. Ob die Frauen im Skispringen ähnliche Sorgen um ihre Gewicht hätten wie die Männer? "Nein", sagt sie, etwas zu zögerlich. "Das spielt zum Glück keine so große Rolle." Mehr will sie nicht sagen, das Thema ist ihr unangenehm. Lieber betont sie, dass sie gar keine Probleme hatte, sich an die neuen Anzüge zu gewöhnen, "einfach annehmen, nicht skeptisch sein, dann klappt das auch", sagt sie.

Überhaupt scheint sie sich recht wenig Gedanken über mögliche Probleme machen zu wollen. "Ich hatte noch nie Angst, wenn ich oben auf der Schanze stand", sagt sie. Manchmal sei der Wind vielleicht etwas heftig, "aber ich vertraue meinem Trainer. Wenn der sagt 'Spring!', dann springe ich."

Sie habe es schon als kleines Mädchen geliebt, einfach draufloszufahren, sagt Hendrickson. Als Zweijährige stand sie das erste Mal auf Skiern, mit sieben das erste Mal auf einer Skisprungschanze. "Danach wollte ich nichts anderes mehr machen. Es ist ein einzigartiger Sport. Wer sonst fliegt ohne technische Hilfsmittel so schnell so weit durch die Luft?"

Sie ist sicher, dass auch andere diese Faszination irgendwann verstehen werden. "Ich glaube daran, dass mein Sport eine Zukunft hat", sagt sie. Ihr Vorbild, die US-amerikanische Fußballerin Hope Solo, habe auch lange um Aufmerksamkeit kämpfen müssen. Jetzt sei sie ein Star. "Aber bis dahin war es ein weiter Weg."

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insgesamt 11 Beiträge
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1. optional
renee gelduin 18.02.2013
Wieso ist Skispringen seit einigen Jahren weiblich? Zugegeben, Schmitt und co. sind weniger von typisch männlicher Statur, aber sonst? Weite ist nicht alles und abhängig von der Schanze. Aber mit Bestwert 143m liegt sie über 100m (!) hinter der männlichen Konkurenz.. Also eher nichts mit locker mit Männern mitspringen. Ist ja nicht verwerflich Leistungen von Frauen in (deutschem) Exotensport hervorzukramen, aber bei der Darstellung muss mans ich schon fragen ob hier nicht ein kleiner Minderwertigkeitskomplex gegenüber Leistungen des Männersports besteht. Die Leistungsdichte ist nicht nur viel ausgeprägter, sondern sorgt (logischerweise) auch für wesentlich bessere Leistungen. Deshalb gibt es gerade im Frauensport oft "Überflieger" die der Konkurenz enteilen. Da ist es vergleichsweise krass einfacher relativ gute Leistungen in kürzester Zeit zu bringen. Man sollte einfach mal Sahcen so benennen, wie sie sind. Dh ein Vonnscher Kreuzbandriss der in mehrerer Hinsicht nur eine Frage der Zeit war, ist ein Kreuzbandriss wie er tausendfach passiert. Und KEINE Tragödie die 3 DIN A4 Seiten Spiegelreportage Besserwisserei braucht. Im Männersport gibt´s bei sowas maximal einen Vierzeiler zur Kenntnisnahme...
2. Oha, welch ein Wunder
23 1/3 18.02.2013
soll man das jetzt als diskriminierend auffassen dass Frauen auch mal sich in eine Männersportdomäne vorwagen oder dass Ganze als Emazipation begreifen ?! Tragisch nur dass es keine Sportart gibt wo Frauen dominieren, außer bei den Intelligenz-Tests natürlich. Ein Chromosomenpaar mehr und ein leistungfähigeres Gehirn machen nämlich den Unterschied zur dumben Muskelmasse bei uns Männern.
3. @renee gelduin
denbec 18.02.2013
Frauen dürfen an keinen Skiflug-Wettbewerben teilnehmen, deswegen gibt es keine Weiten, die annähernd so weit wie bei den Männern sind.
4. ...
Zereus 18.02.2013
Zitat von 23 1/3soll man das jetzt als diskriminierend auffassen dass Frauen auch mal sich in eine Männersportdomäne vorwagen oder dass Ganze als Emazipation begreifen ?! Tragisch nur dass es keine Sportart gibt wo Frauen dominieren, außer bei den Intelligenz-Tests natürlich. Ein Chromosomenpaar mehr und ein leistungfähigeres Gehirn machen nämlich den Unterschied zur dumben Muskelmasse bei uns Männern.
Jaja, die Frau, das anmutige Wesen von überlegener Intelligenz und leistungsfähigster Genetik. Es scheint wenige Frauen zu geben die in der Lage sind, ihr übermächtiges Potential auch auszuschöpfen. Das ist schade.
5. Weiten kaum vergleichbar
mooskopf 18.02.2013
Die Frauen fahren ja generell aus einer höheren Luke ab. Und die Daniela Iraschko ist eh auch schon über 200 Meter gesprungen.
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