Skisprungstar Morgenstern Überflieger mit Bodenhaftung

Thomas Morgenstern ist bislang der unumschränkte Skisprung-König dieses Winters. Experten trauen ihm sogar den vierfachen Triumph bei der Vierschanzentournee zu. Dabei befand sich der Österreicher jahrelang im Sinkflug.

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Am liebsten schaut sich Thomas Morgenstern die Welt von oben an. Den Pilotenschein hat er vor zwei Jahren gemacht. Dort oben, in der Höhe, fühle man sich "so richtig frei", sagt der Österreicher.

Dieses Freiheitsgefühl dürfte er zurzeit häufiger verspüren. Morgenstern schwebt in dieser Skisprungsaison über den Dingen. Nach dem Auftaktsieg zur Vierschanzentournee in Oberstdorf ist er auch beim Neujahrsspringen von Garmisch-Partenkirchen am Samstag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) der hohe Favorit.

Dieser Skisprungwinter ist noch jung, dennoch hat Morgenstern bereits fünf Siege im Weltcup geschafft. Selbst in der starken österreichischen Mannschaft ist er zurzeit eine Klasse für sich. Man kann sich momentan nicht vorstellen, dass ihm ein anderer Springer den Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee streitig machen könnte.

Der Rekord von Hannawald wackelt

Sven Hannawald traut dem Österreicher sogar zu, als zweiter Athlet das zu erreichen, was ihm selbst 2002 geglückt war: vier Siege bei vier Tournee-Springen. Zu überragend, zu stabil hat sich Morgenstern zuletzt präsentiert. "Er hebt sich von der Masse ab. Was er macht, ist bombastisch", sagt der deutsche Bundestrainer Werner Schuster.

Es gab andere Zeiten. Schwierigere, nachdem es zuerst nur aufwärtsgegangen war. 2002 schoss Morgenstern als 16-Jähriger in die Weltspitze. 2006 kehrte er von den Olympischen Spielen in Turin mit zwei Goldmedaillen heim. Die österreichische Nation adoptierte den "Morgi" als ihren neuen Lieblingshelden. Ein lustiger Typ zudem, sympathisch, erfolgreich. Die perfekte Kombination im medialen Spitzensport. Der Himmel schien Morgenstern offenzustehen. Dann kam der Absturz.

Zwei Jahre lang lief fast nichts mehr bei dem Springer. Morgenstern wechselte den Ski und kam mit dem neuen Material nicht zurecht. Er versuchte, alles so zu machen wie in den Jahren der Leichtigkeit. Aber die Sprünge wurden kürzer, die Top-Platzierungen seltener. Und die Nation wandte sich einem neuen Helden zu: Gregor Schlierenzauer hieß der neue Skisprungstar der Österreicher. Noch lustiger, noch sympathischer, noch erfolgreicher. Von Morgenstern sprach fast niemand mehr.

Irgendwann war der Spaß abhandengekommen

"Ich weiß, wie mühsam Skispringen ist, wenn man den Spaß nicht hat", sagte Morgenstern rückblickend auf diese Zeit. Er habe stets zu ergebnisorientiert gedacht und sei deswegen verkrampft. Geholfen hat ihm ein eigener Mentaltrainer, den Morgenstern im Sommer konsultierte. Jetzt habe er die Lockerheit zurück, die es zum Siegen brauche, sagt er. Angesichts der Ergebnisse dieses Winters muss der Mentaltrainer gute Arbeit geleistet haben.

Jetzt ist es plötzlich wieder die Konkurrenz, die hinterher fliegt. Der Schweizer Simon Ammann zum Beispiel, der beherrschende Mann der Olympischen Winterspiele von Vancouver 2010, sucht derzeit seine alte Form. Der Schweizer ist allerdings auch bekannt dafür, dass er seine wahre Stärke erst im Laufe des Winters entwickelt. Ammann hatte die Skisprungwelt im Vorjahr nicht zuletzt mit einer revolutionären Neuheit überrascht. Statt der klassischen Skibindung sprang er mit einer Art gekrümmten Stabes von Erfolg zu Erfolg. Die Österreicher wollten Ammann die Bindung zunächst verbieten lassen. Heute springt auch Morgenstern mit dem Patent des Schweizers - und ist damit im Moment erfolgreicher als das Original.

Aus "Morgi" wird Morgenstern

Der Österreicher macht mit seinen 24 Jahren den Eindruck, ein Erwachsener im Skispringen geworden zu sein. So einer wie Ammann oder der Finne Janne Ahonen. Athleten, die so lange dabei sind, dass sie sich durch Rückschläge nicht mehr aus der Spur werfen lassen. Morgenstern will er ab sofort genannt werden, nicht mehr "Morgi" - ein deutliches Indiz dafür, dass er sich verändert hat. Wie Bayern-Star Bastian Schweinsteiger, der auch nicht mehr der "Schweini" sein mochte. Die Aktion "Servus, Teenieschwarm!" war ein Erfolg, die Leistungen sind besser denn je.

Die Schanze in Garmisch-Partenkirchen, auf der Morgenstern am Samstag seinen nächsten Sieg anstrebt, gehört nicht zu den Lieblingsstätten des Österreichers. Einmal erst war er beim Neujahrsspringen auf dem Podest, 2005 wurde er Zweiter. Damals stand allerdings noch die alte Schanze. Seit dem Umbau 2006 hat er lediglich einen sechsten Rang vorzuweisen. Dass die gesamte Fachwelt ihm, und nur ihm, den Tournee-Gesamtsieg zutraut, ist Morgenstern selbst ein bisschen unheimlich. Der Auftaktsieg in Oberstdorf sei schließlich nur "das Fundament. Und in einem Fundament kannst du nicht wohnen, du musst das Haus bauen."

Die Euphoriewelle in Österreich kann er mit solchen Sätzen ohnehin nicht mehr stoppen. "Einfach genial! Was für ein Tag!", jubelte die Fachzeitschrift "Sportwoche", nannte den Siegspringer nur noch den "Serientäter" und machte aus ihm wieder den "Morgi" - ob er das will oder nicht.

Gregor Schlierenzauer ist derweil verletzungsbedingt außer Gefecht und wird erst beim nächsten Springen in Innsbruck wieder dabei sein. Der Überflieger der Vorjahre schaut sich die Skisprungwelt zurzeit von unten an.

insgesamt 4 Beiträge
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Hador, 01.01.2011
1.
Zitat von sysopThomas Morgenstern ist bislang der unumschränkte Skisprung-König dieses Winters. Experten trauen ihm sogar den vierfachen Triumph bei der Vierschanzentournee zu. Dabei befand sich der Österreicher jahrelang im Sinkflug. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,737143,00.html
Jahrelanger Sinkflug? Hier mal die Gesamtweltcup-Platzierungen von Morgenstern der lezten 5 Jahre: 2005/06 5. 2006/07 6. 2007/08 1. 2008/09 7. 2009/10 3. Wenn das ein jahrelanger Sinkflug ist, dann sollten unsere deutschen Springer das vielleicht auchmal probieren. Morgenstern war in den letzten beiden Jahren nicht mehr der Überflieger, der er 07/08 war, aber ihn jetzt hier als Phoenix aus der Asche zu feiern ist lächerlich.
Gertrud Stamm-Holz 01.01.2011
2. hüpf
Zitat von HadorJahrelanger Sinkflug? Hier mal die Gesamtweltcup-Platzierungen von Morgenstern der lezten 5 Jahre: 2005/06 5. 2006/07 6. 2007/08 1. 2008/09 7. 2009/10 3. Wenn das ein jahrelanger Sinkflug ist, dann sollten unsere deutschen Springer das vielleicht auchmal probieren. Morgenstern war in den letzten beiden Jahren nicht mehr der Überflieger, der er 07/08 war, aber ihn jetzt hier als Phoenix aus der Asche zu feiern ist lächerlich.
Was im Skisprung auch nicht der Regelfall ist. Keiner ist über Jahre unschlagbar gut. Simon Ammann hat nach seinen Hochzeiten als zweifacher Olympiasieger 2002 lange zurück an die Spitze gebraucht.
Passivist 01.01.2011
3. Sinkflug?
Morgenstern ist seit Jahren konstant in der Weltspitze vertreten und hat 2007/08, in seinem größten "Sinkflug", die Gesamtwertung gewonnen. Nur die Vierschanzentournee, die hat er noch nicht, das stimmt.
ichliebeeuchdochalle 01.01.2011
4. Tja
Tja, ohne Recherche kommt dann so ein Geschreibsel bei heraus. Deshalb: Keinen Cent für solchen 'Journalismus'. Das kann ein 8-jähriger besser, der sich für Sport interessiert.
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