Skistar Bode Miller "Dopingfahnder selbst auf Drogen"

Vor wenigen Wochen forderte Bode Miller die Freigabe des Blutdopingmittels Epo. Der Vorstoß des Weltcup-Titelverteidigers wurde unisono abgelehnt. Davon hat sich der Amerikaner nicht abschrecken lassen. Miller attackiert die Anti-Doping-Kämpfer der Wada scharf wie nie.


Hamburg - "Wenn man sich das ganze Dopingprogramm und einige Mittel auf der Dopingliste ansieht, könnte man zu der Einsicht gelangen, dass die Verantwortlichen inklusive Wada-Chef Dick Pound selbst auf Drogen sind", sagte Miller. Das gesamte Konzept der Wada sei "krank und eine einzige Heuchelei". Athleten, die das System kritisierten, würden "mundtot gemacht", sagte Miller. Dessen Meinung nach basiert das Wada-Programm auf falschen Voraussetzungen. "Die Sicherheit der Sportler muss das Entscheidende sein, nicht die Fairness. Sicherheit ist das einzig legitime Kriterium", so der Doppelweltmeister.

Kritiker Miller: "Absolut geisteskrank"
DPA

Kritiker Miller: "Absolut geisteskrank"

Nachdem er im Oktober die Epo-Freigabe verlangt habe, um Sturzrisiken vorzubeugen, sei er wieder häufiger als seine Teamkollegen ins Fadenkreuz der Dopingfahnder geraten, behauptete Miller. Das habe mit Zufall nichts zu tun. "Es ist entwürdigend, beleidigend und diskriminierend, wenn sie nach Lust und Laune vorbei kommen und dich zwingen können, die Hosen bis zu den Knien runterzulassen und in einen Becher zu pinkeln", zeterte Miller.

Auch den Weltskiverband bedachte Miller mit harscher Kritik. Die von der Fis zur Bestimmung der Startreihenfolge festgelegten Regeln seien "absolut geisteskrank". Die Skifunktionäre machten "die blödsinnigsten Regeln für Dinge, die nicht sinnvoll sind". Die Dinge, die reguliert oder beachtet werden müssten, ließen sie völlig unbeachtet. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Miller mit der Fis angelegt und damit gedroht, eine neue Rennserie zu gründen.

Das deutsche IOC-Mitglied Thomas Bach wies Millers Aussagen zurück. "Das Ganze ist vollkommen inakzeptabel und von wenig Sachkenntnis geprägt", sagte Bach. Zu möglichen Sanktionen gegen den 28-jährigen Skistar wollte sich der Vorsitzende der Juristischen Kommission des IOC nicht äußern. "Auch im Kampf gegen Doping ist das Recht auf freie Meinungsäußerung zu akzeptieren. Das gilt selbst dann, wenn die Meinung noch so abwegig ist, solange Grenzen nicht überschritten werden", sagte Bach.

Miller fährt nur hinterher

Die Grenze würde erst dann überschritten, "wenn zu Doping aufgefordert würde. Das ist hier jedoch nicht der Fall". Bach hält Miller jedoch vor, dass dieser gegen den olympischen Grundsatz der Fairness "durch seine Wortwahl und seine persönlichen Angriffe" verstoßen habe. Grundsätzlich lasse sich das IOC in punkto Doping nicht von seiner Null-Toleranz-Politik abbringen. Wada-Boss Pound hatte Miller zuletzt gewarnt, man werde seine dopingfreundlichen Äußerungen nicht ewig goutieren. "Wenn er so was während der Olympischen Spiele sagt, dann schnappen wir ihn uns."

Ski gefahren wurde am Wochenende auch. Die Weltcup-Abfahrt im kanadischen Lake Louise gewann der Österreichischer Fritz Strobl in 1:40,96 Minuten vor Kjetil Andre Aamodt (Norwegen/1:41,05) und dem Liechtensteiner Marco Büchel (1:41,11). Es war Strobls erster Erfolg seit dem Olympiasieg von 2002. Miller leistete sich überraschend viele Fahrfehler und wurde nur 22. Im Vorjahr hatte er noch vier der ersten fünf Rennen gewonnen.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.