Zimmermanns Olympia-Aus "Ich hatte Spaß"

Slopestyle ist neu bei Olympia, die Spiele sollen vom Image der jungen und spektakulären Freestyle-Disziplin profitieren. Deren Athleten sind wirklich ganz anders: Medaillen-Favoritin Lisa Zimmermann war nach ihrem Quali-Aus bester Laune.

DPA

Aus Krasnaja Poljana berichtet


Im Prinzip ist Slopestyle wie Eiskunstlauf. Es gibt Sprünge und Wertungen für Sprünge, auch im Slopestyle werden diese von fünf Kampfrichtern vergeben, nur dass die hier zwischen null und einhundert Punkte vergeben können. Je mehr Drehungen, desto besser die Wertung. Und wer stürzt, bekommt Abzüge.

Und doch ist Slopestyle, eine Disziplin des Freestyle-Skiing, ganz anders. Schneller. Spektakulärer. Jünger. Wenn man so will, ist Eiskunstlauf eine alte Olympia-Bekannte und Slopestyle die neue, attraktive Freundin. Das IOC schmückt sich bei den Spielen in Sotschi zum ersten Mal mit ihr und hofft, dadurch selbst ein bisschen jünger zu wirken. Was man eben manchmal so tut, im hohen Alter.

Ob das funktioniert? Irgendwie schon. Im Rosa Chutor Extreme Park, der Heimat der Freestyle-Skier während dieser Olympischen Spiele, sind die Zuschauer lauter als anderswo und die Tribünen voller. Nur hier gibt es spektakuläre Pausenunterhaltung von fünf Breakdancern, die sich von Absperrungen schwingen. Und wummernde Bässe, die durchs Stadion hallen.

Slopestyle wirkt so anders als der Rest, dass man sich unwillkürlich fragt, ob die neue Geliebte nicht ein bisschen zu jung für den Opa Olympia ist - oder andersrum. Denn da sind ja noch die Sportler in den weiten Outfits und der Sprache, die voller Anglizismen ist, die Kampfrichter heißen hier "Judges" und die Läufe "Runs", es geht um "Style" und "Grabs". Aber vor allem geht es um Spaß. Fun.

Ob sie enttäuscht sei? "Nee"

Lisa Zimmermann ist dafür nur ein Beispiel von vielen, aber ein sehr gutes. Sie steht in der Mixed Zone des Extreme Parks, eine 17-Jährige mit schwarzer Mütze und offenem Blick, und sie wird gefragt, ob sie denn enttäuscht sei nach ihrem überraschenden Aus in der Qualifikation zum Slopestyle-Finale. "Nee", sagt Zimmermann. Nee.

Und dann entspinnt sich zwischen ihr und den Journalisten ein Frage-Antwort-Spiel, das sehr viel aussagt über die zwei Welten, die hier aufeinandertreffen.

Was denn in ihr vorgegangen sei, als die Jurybeurteilung auf der Anzeigetafel auftauchte? "Ich hab's verstanden, weil ich unsauber gelandet bin, und das ist vollkommen in Ordnung."

Wie denn grundsätzlich die Stimmung sei, "wo es jetzt ja leider schon vorbei ist"? "Gut". Zimmermann lacht. "Ich hatte Spaß, bin nicht verletzt. Von daher passt alles."

Haben vielleicht die Lichtbedingungen eine Rolle gespielt? "Nein, ich habe ziemlich schlechte Augen, deshalb sehe ich eh nicht viel."

Habe es denn wenigstens Überlegungen gegeben, den zweiten Qualifikationslauf konservativer anzugehen, um das Finale zu erreichen? "Nein, mir war es egal, ich wollte den Run machen, den ich davor auch schon machen wollte."

Im Prinzip nur zu Besuch bei Olympia

Es sind Fragen, die nach Ursachen forschen, nach Enttäuschung, nach Emotionen, nach den gewohnten olympischen Reflexen. Es ist ja üblich, dass Olympiateilnehmer, die vier Jahre für ihren Traum gekämpft haben, das eigene Ausscheiden mit Kopfschütteln quittieren oder Schuldzuweisungen oder wenigstens einer Träne. Aber Lisa Zimmermann sagt, dass alles super sei, "ich hatte Spaß".

Man kann die Freestyler, das ist die Botschaft dieses Morgens, wohl einfach nicht mit den Maßstäben der anderen messen. Im Prinzip sind sie zu Besuch bei den Olympischen Spielen, der Rosa Chutor Extreme Park ist nur ein weiterer Ort für die Community, Zeit zusammen zu verbringen. Einer von ihnen wird dann eben Olympiasieger, und dann stürmen alle, die man überall sonst als Konkurrenten bezeichnen würde, im Zielbereich auf den Gewinner zu und tragen ihn auf Schultern durch das Rund. Und dann zieht die Karawane weiter.

"Dabei sein ist alles" - wenn man so will, stehen sie ganz gut für das sympathischere olympische Motto. Das andere ist "Schneller, höher, weiter".

Am Ende wird Lisa Zimmermann noch gefragt, was sie sich denn noch anschauen wolle bei diesen Spielen. "Slopestyle der Männer" sagt sie, logisch irgendwie. Und zum Eiskunstlauf würde sie auch noch gern, wenn sie es noch schaffe. Fast wäre aus Zimmermann ja auch eine erfolgreiche Eiskunstläuferin geworden, als Kind fing sie mit dem Kufensport an. Doch irgendwann wechselte sie zum Skifahren. Das machte ihr einfach mehr Spaß.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
medicus22 11.02.2014
1. SPASS?Leistungssport!
Ich kann es von unseren Sportlern wirklich nicht mehr hören....blablablabla "ich hatte Spass"...Was ist denn aus unseren Leistungssportlern geworden, die noch gekämpft haben. Spass könnt ihr nach dem Wettbewerb haben. Reicht es denn nicht das unsere verwöhnten Fußballbubis immer nur von Spass reden? Also die Motivationschoaches machen was falsch. Was kommt nach dem Spass? Burn-Out weil man mal keinen Spass hatte? Kein wunder das die Dame verloren hat, weil sie nicht kämpfen kann. GEWINNEN MACHT KEINEN SPASS! Der Spass kommt danach. Davor ist es ein Kampf.
Luna-lucia 11.02.2014
2. ey, Mausi, ist schon okay
Zitat von sysopDPASlopestyle ist neu bei Olympia, die Spiele sollen vom Image der jungen und spektakulären Freestyle-Disziplin profitieren. Deren Athleten sind wirklich ganz anders: Medaillen-Favoritin Lisa Zimmermann war nach ihrem Quali-Aus bester Laune. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/slopestylerin-lisa-zimmermann-nach-olympia-aus-a-952713.html
und bestimmt kein Beinbruch ;-). Du gehörst zu den Weltbesten - und das wirst du noch oft beweisen können - Bussi Bussi von zwei richtigen! Fans - Claudi und Steffi
merlinberlin 11.02.2014
3. .
Ich habe das Interview auch gesehen und mich maßlos geärgert. ...
ra-live 11.02.2014
4. Prima neue Jugendkultur
Diese Einstellung gibts bei vielen Freestylern, ob Rad, Skateboard, Skier. Gefällt mir richtig gut. Die machen mir Mut für eine gute Zukunft.
TaxX 11.02.2014
5. Ist das schön!
-Snip-> Einer von ihnen wird dann eben Olympiasieger, und dann stürmen alle, die man überall sonst als Konkurrenten bezeichnen würde, im Zielbereich auf den Gewinner zu und tragen ihn auf Schultern durch das Rund. Und dann zieht die Karawane weiter.
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