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Olympia-Teilnehmer Bruno Banani: Am Anfang stand die Lüge

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Die Geschichte des Rodlers Bruno Banani aus Tonga las sich wie ein Märchen - bis sie sich vor zwei Jahren als dreiste Kampagne einer Marketingagentur entpuppte. Aller Kritik zum Trotz tritt der 26-Jährige nun bei den Olympischen Spielen in Sotschi an, die Verbände sind machtlos.

Fotostrecke: Ein Tongaer in Sotschi Fotos
DPA

Die folgende Geschichte ist nicht nur schön. Sie erzählt von Schwindel, von Lügen sogar, und von der Perversität, mit der die Marketingindustrie die Strahlkraft von Sport und Sportlern bisweilen ausnutzt. Die Geschichte nimmt aber, so viel sei vorab verraten, einen guten Ausgang.

Es ist die Geschichte von Fuahea Semi, den es heute nicht mehr gibt, weil er nun Bruno Banani heißt. Fuahea Semi war Informatikstudent im Südseeinselstaat Tonga, Bruno Banani ist professioneller Rennrodler. Er nimmt an den Olympischen Winterspielen in Sotschi teil. Das ist das Happy End.

2012 hatte es eine Zeitlang danach ausgesehen, als sei der Olympia-Traum des Rodlers Banani schneller vorbei als erhofft. Nicht, weil es am Sportlichen gehapert hätte: Der junge Tongaer trainierte ehrgeizig, war begabt und schaffte es, im Weltcup auf sich aufmerksam zu machen. Nein, Bananis Traum wäre beinahe an einer dreisten Lüge gescheitert.

Bis zum Januar vor zwei Jahren hatte die Welt geglaubt, sie werde gerade Zeuge eines neuerlichen Wintersportmärchens, so exotisch und rührend wie das der jamaikanischen Bobfahrer 1988 in Calgary. So soll die tongaische Prinzessin Salote Mafile'o Pilolevu Tuita, eine Verehrerin des monegassischen Fürsten Albert, den sehnlichen Wunsch gehegt haben, auch einen Athleten zu den Winterspielen entsenden zu dürfen. Es wurde ein Casting veranstaltet auf der 100.000-Einwohner-Insel, die frühere Rennrodlerin Isabel Barschinski wählte den fleißigen Bruno Banani aus und nahm ihn fortan in Deutschland unter ihre Fittiche.

Idee einer gerissenen Marketing-Agentur

Das gleichnamige Unterwäschelabel aus Chemnitz war von der schier unglaublichen Namensgleichheit angeblich so überrascht, dass es Banani seitdem unterstützte und die tongaische Zwei-Mann-Nationalmannschaft großzügig einkleidete.

Nur: Bruno Banani hieß zum Zeitpunkt des Castings noch Fuahea Semi. Der in Leipzig ansässige Deutschlandzweig der hawaiianischen Marketingagentur Makai hatte die gerissene Idee, Semi offiziell umzubenennen, ihm sogar eine neue Geburtsurkunde ausstellen zu lassen - damit das Märchen des Rodlers aus Tonga besser vermarktet werden und das Unterwäschehaus zugleich von versteckter Werbung profitieren kann.

Der SPIEGEL kam kurz vor der Rodel-Weltmeisterschaft in Altenberg hinter den Schwindel. Er konfrontierte Mathias Ihle, den verantwortlichen Makai-Mitarbeiter, mit den Recherchen. Ihle gab nach einiger Überwindung alles zu, warnte aber vor einer Veröffentlichung: Denkt an die Zukunft des Sportlers! Lasst ihm seinen Traum!

Heute sagt Ihle: "Im Nachtrag ist man schlauer." Damals, im Jahr 2008, hatte es seine Agentur noch für besonders schlau gehalten, mit Hilfe der Naivität und des Traums von Fuahea Semi sämtliche Sportverbände und auch das gleichnamige Chemnitzer Unternehmen zu linken. Bis heute will dieses nichts von dem grotesken Plan gewusst haben. Der damalige Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, schimpfte: "Ich halte das wirklich für eine perverse Marketingidee", sie sei ganz und gar "geschmacklos".

DOSB und IOC sind machtlos

Der schüchterne Bruno litt in dieser Zeit erheblich, im Eiskanal lief es schlechter, und auch die Medien waren ihm plötzlich nicht mehr wohlgesinnt. Aber, und hier zeigt sich der wahre Sportler, er trainierte weiter. Ging ja auch nicht mehr anders, der Name steht nun so in seinem Pass, in seiner Heimat ist er der Rodler Bruno Banani. Auch der DOSB und das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatten keine Wahl, Name ist Name, ganz gleich, wie er zustande kam.

Sie können nichts dagegen tun, dass der Name Bruno Banani in allen Starter- und Wertungslisten auftaucht, ja sogar in die olympische Historie eingehen wird, dass Journalisten auf der ganzen Welt ihn wieder und wieder aufschreiben. Dem IOC, das den teilnehmenden Athleten während der Dauer der Spiele das Zeigen eigener Sponsoren und sogenanntes Ambush-Marketing verbietet, kann das nicht gefallen, aber es ist machtlos.

Und so wird an diesem Samstag (Qualifikation, 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im russischen Sotschi tatsächlich zum ersten Mal in der Geschichte Olympischer Winterspiele ein Sportler aus Tonga an den Start gehen. Banani sagte bei seiner Qualifikation im Dezember, er sei sehr aufgeregt, ein Traum gehe in Erfüllung. Für ihn sei der Sport entscheidend, ein Platz unter den ersten 30 wäre toll. Und: "Der Name ist nicht so wichtig".

Für ihn ist er es nicht. Bei der Agentur und beim Modelabel aber feiern sie schon jetzt.

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1. Zurückbenennen!
PLudwig 08.02.2014
Was spräche dagegen, den Mann auf dem gleichen Weg wieder umzubenennen? Notfalls könnte er sich sogar seinen echten Namen als Künstlernamen eintragen lassen. – Sorry, aber die Kampagne scheint weiterzugehen.
2. Okay aber..
dannyinabox 08.02.2014
Wenn sich ein Deutsches Unternehmen einen Namen wie "Bruno Banani" gibt ist das auch irgendwie Etiketten-Schwindel. Ich habe bisher den Namen mit einem Italienischen Konzern in Verbindung gebracht. Daher weiss ich nicht ob man bei "Bruno Banani" so ahnungslos tun sollte.
3.
_derhenne 08.02.2014
Zitat von dannyinaboxWenn sich ein Deutsches Unternehmen einen Namen wie "Bruno Banani" gibt ist das auch irgendwie Etiketten-Schwindel. Ich habe bisher den Namen mit einem Italienischen Konzern in Verbindung gebracht. Daher weiss ich nicht ob man bei "Bruno Banani" so ahnungslos tun sollte.
Oh Gott oh Gott, das ist ja fürchterlich, diese Werbebranche! Und dann seh ich mit der Unterwäsche noch nichtmal so aus wie das Model auf der Packung! Ich versteh die Aufregung. Im Gegensatz zum restlichen Ausverkauf der Spiele, ist diese Idee doch geradzu "frech" und gerissen. Chapeeu!
4. Zweiter Aufguss?
Her Jemine 08.02.2014
Das Thema hattet ihr doch schon im Januar 2012? Aber okay, zwei große Artikel im Spiegel – was will die Marke Bruno Banane mehr?
5.
Lithias 08.02.2014
Der IOC ist machtlos? Einfach seinen alten Namen nutzen und den Schwindel stoppen. Schließlich ist sein alter Name bekannt und der Sportler kann ihn doch wieder ändern? Einfach ihn dazu zwingen: Entweder richtiger Name oder kein Sotchi wegen versteckter Werbung.
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Reisetipps für Olympia-Gäste in Sotschi
Tickets für die Wettbewerbe
Über die offizielle Ticketseite können nur in Russland wohnende Olympia-Fans Karten kaufen. In Deutschland bucht man bei dem offiziellen Ticketverkäufer Dertour, der auch eine Übersicht über alle Wettbewerbe und Eintrittspreise anbietet. Zusätzlich zum Ticket braucht jeder Zuschauer einen "Spectator Pass", den er im Vorfeld der Veranstaltung online über die Website pass.sochi2014.com beantragen kann oder in einem der Registrierungszentren, wo man ihn auch abholen und aktivieren lassen muss. Eine Übersicht der Adressen mit Lageplan ist ebenfalls auf pass.sochi2014.com abrufbar.
Anreise mit dem Auto
Fast 3000 Kilometer trennen Berlin und Sotschi. Entsprechend beschwerlich gestaltet sich die Anreise, wenn man nicht das Flugzeug nimmt. Etwa 34 Stunden dauert eine Autofahrt durch Polen und die Ukraine nach Russland. Aber Achtung: Auch der Verkehr in Sotschi selbst war zuletzt wegen der vielen olympiabedingten Baustellen stark beeinträchtigt - das Aufkommen während der Olympischen Spiele wird kaum geringer sein. Um die Lage auf den Straßen zur Zeit des Großereignisses etwas zu entspannen, darf der offizielle Olympia-Verkehr auf gesonderten Spuren fahren - wie in London im Sommer 2012.
Anreise mit der Bahn
Wer mit der Bahn nach Sotschi fahren möchte, muss von Berlin aus etwa 56 Stunden im Zug verbringen - das ist die kürzeste Verbindung, die die Deutsche Bahn und die russische Eisenbahn RZD anbieten. Mit dem Nachtreisezug EuroNight aus Paris (Halt unter anderem auch in Mannheim, Frankfurt am Main, Fulda, Hannover und Frankfurt (Oder)) gelangt man in etwa 24 Stunden nach Moskau. Je nach Verbindung geht es dann mit teils zwei- bis dreimal Umsteigen weiter nach Sotschi. Informieren kann man sich auf der Serviceseite der Deutschen Bahn, buchen nur in den Reisezentren.
Anreise mit dem Flugzeug
Lufthansa bietet vom 24. Januar bis zum 17. März Direktflüge von Frankfurt am Main aus an, die dreieinhalb Stunden dauern. Die russische Airline Orenair fliegt von Ende Januar bis Anfang März von Frankfurt am Main, München und Düsseldorf nach Sotschi. Eine Alternative ist der Umweg über Moskau: Unter anderem Air Berlin, Lufthansa und German Wings fliegen einen der drei internationalen Flughäfen der russischen Hauptstadt von Deutschland aus an, unter anderem von Hamburg, Berlin, München und Frankfurt am Main. Vom Flughafen Sotschi, der im 30 Kilometer entfernten Adler liegt, gelangt man per Zug, Taxi oder Shuttle ins Zentrum, zu den olympischen Stätten und zu den Unterkünften.

Eine weitere Möglichkeit ist die Verbindung Dresden-Krasnodar, die Hamburg Airways einmal wöchentlich anbietet. Von Krasnodar aus gelangt man per Zug oder mit dem Auto nach Sotschi.
Anreise mit dem Schiff
Auch eine Anreise per Schiff ist möglich, schließlich liegt Sotschi am Schwarzen Meer. Direkte Seeverbindungen gibt es von Noworossijsk etwas weiter nördlich an der Küste (circa dreieinhalb Stunden) sowie vom südlich gelegenen Trabzon in der Türkei (je nach Boot viereinhalb bis zwölf Stunden). Informationen zu möglichen Verbindungen gibt es auf der offiziellen Seite des Hafens von Sotschi.
Unterkünfte
Man sollte sich gut überlegen, wo man unterkommt: In Sotschi herrscht schon ohne Olympia-Gäste großes Verkehrschaos. Die Stadt ist mit 147 Kilometern der längste Kurort der Welt, und die beiden Wettkampf-"Cluster" in den Bergen und an der Küste nahe dem Flughafen liegen 48 Kilometer auseinander.

Sotschi ist ein beliebter Kur- und Badeort mit vielen Hotels, Pensionen und andere Unterkünften, die auch über Plattformen wie Booking , HRS oder Hotels.com im Internet buchbar sind. Die offizielle Website der Olympischen Spiele bietet ebenfalls eine Zimmervermittlung an.

Unterkünfte auf sieben schwimmenden Hotels sind direkt beim Veranstalter reservierbar: Die Kreuzfahrtschiffe der russischen TUI-Travel-Tochteragentur Svoy TT liegen vom 5. bis zum 24. Februar vor Sotschis Schwarzmeerküste. Jeweils bis zu tausend Passagierplätze liefern sie laut der Nachrichtenagentur Ria Novosti. Komplettpakete aus Übernachtungen auf dem Schiff plus Flug bietet Dertour an.
Benötigte Papiere
Wichtig bei Russland-Reisen: Der Reisepass muss noch sechs Monate gültig sein, zudem braucht man ein Visum. Das Russische Visazentrum in Berlin braucht zwischen vier und 20 Kalendertagen für die Bearbeitung. Bei einer erhöhten Gebühr (95 statt 60 Euro) verkürzt sich die Zeit auf ein bis drei Arbeitstage. Auch spezielle Visaagenturen können ein Visum beantragen. Informationen gibt es bei der russischen Botschaft und über das Auswärtige Amt. Vor der Einreise muss man zudem eine "Migration Card" ausfüllen, von der man einen Abschnitt für die Dauer des Aufenthalts zurückerhält und bei der Ausreise wieder abgeben muss.
Kleidung und Wetter
Sotschi wirbt mit einem "milden subtropischen Klima, hohen Bergen mit viel Grün, einem warmen azurblauen Meer, heilenden mineralischen und Matsesta-Quellen". Die Stadt sei "einer der besten Küsten- und balneologischen Erholungsorte weltweit" - und aufgrund der umgebenden Berge zudem ideal für Wintersport. Die Durchschnittstemperatur liegt im Winter bei acht bis zehn Grad Celsius. Besucher der Olympischen Spiele sollten darauf achten, sich richtig anzuziehen, heißt es auf der offiziellen Olympia-Seite. Das Wetter könne schnell umschlagen, und besonders in den Bergen sollte man sichergehen, warme und wasserdichte Kleidung zu tragen, um sich vor großen Mengen Schnee zu schützen.


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