Stasi-Affäre Steuer Kati Witt vergibt IM "Torsten"

Unerwarteter moralischer Beistand von prominenter Seite: Während Ingo Steuer wegen seiner Spitzeldienste für die Stasi die Entlassung aus der Bundeswehr droht, unterstützt Katarina Witt den Eiskunstlauftrainer. Steuer klagt derzeit auf seine Olympia-Akkreditierung.


Hamburg - Das Berliner Landgericht wird am 6. Februar über den Widerspruch des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) gegen Steuers per Einstweiliger Verfügung erzwungene Teilnahme an Olympischen Winterspielen in Turin (10. bis 26. Februar) entscheiden. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin ist der NOK-Widerspruch heute Mittag eingegangen. Ein persönliches Erscheinen der Parteien bei der Verhandlung wurde nicht angeordnet.

Eiskunstlauf-Ikone Witt: "Er hat keine Leiche im Keller"
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Eiskunstlauf-Ikone Witt: "Er hat keine Leiche im Keller"

Der Trainer der deutschen Paarlauf-Meister Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy aus Chemnitz war in der vergangenen Woche wegen langjähriger Kontakte zum Ministerium für Staatssicherheit vom NOK aus dem deutschen Olympia-Team ausgeschlossen worden. Der 39-Jährige, dessen Schützlinge jüngst EM-Silber holten, hatte in seiner Aktivenzeit als IM "Torsten" Kollegen bespitzelt.

Doch Steuer droht nicht nur der Ausschluss von den Winterspielen, sondern auch der Verlust seiner Stelle als Sportsoldat im sächsischen Frankenberg. Jeder Zeitsoldat muss vor seiner Anstellung bei der Bundeswehr Angaben zu seinem Werdegang machen. Entscheidend sei in Steuers Fall folgende Frage, so Michael Strunk, Pressesprecher im Verteidigungsministerium: "Standen Sie in einem Dienst-, Arbeits- oder sonstigen Verhältnis zu den Nachrichtendiensten der ehemaligen DDR?".

Steuer hat dies 2003 mit nein beantwortet. Sollte sich der Verdacht des Einstellungsbetrugs erhärten, dürfte dies die Entlassung des Eiskunstlauftrainers bedeuten. Das Wehrbereichskommando III in Erfurt wertet derzeit Steuers Akte aus. Die Birthler-Behörde hatte Steuer nach Bekanntwerden des Falles als einen "eilfertigen und beflissenen" Mitarbeiter der Stasi bezeichnet.

Für Witt ist das Thema Stasi beendet

Derweil bekam der umstrittene Trainer prominente Unterstützung: Doppel-Olympiasiegerin Katarina Witt hat Steuer inzwischen seine Spitzeldienste für die Stasi verziehen. "Er hat keine Leiche im Keller. Er war jung und naiv", sagte die 40-Jährige in der "Bild"-Zeitung über Steuer, der auch über sie Berichte angefertigt haben soll. Sawtschenko und Szolkowy nehme man die wichtigste Bezugsperson, sagte Witt.

"Man hätte das alles wesentlich früher beleuchten können. Auf diese Art und Weise ist doch niemandem geholfen", kritisierte Witt. "Ich habe vor 15 Jahren meine Stasi-Akten komplett gelesen und weiß seitdem, wer so alles in meinem Leben herumgeschnüffelt hat", sagte sie. "Für mich ist das Thema erledigt. Ich habe die Akten beiseite gelegt und hoffe, sie verstauben."

jto/dpa



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