Schwere Verletzung von Streif-Gewinner Thomas Dreßen "Das ist natürlich sehr, sehr bitter"

Im Januar hatte er mit dem Sieg auf der Streif seinen größten Triumph gefeiert, nun erlitt er seine schwerste Verletzung: Thomas Dreßen hat sich das Kreuzband gerissen. Wann er zurückkehren wird, ist noch unklar.

Thomas Dreßen (2.v.l.)
AFP

Thomas Dreßen (2.v.l.)


Thomas Dreßen lag hilflos im Zaun und schrie vor Schmerzen, schnell war klar: Der 25 Jahre alte deutsche Skirennfahrer hatte sich beim Weltcup in Beaver Creek schwer verletzt. Die Diagnose ist niederschmetternd: Dreßen hat sich das vordere und hintere Kreuzband im rechten Knie gerissen, hinzu kommt eine ausgekugelte Schulter.

"Wir sind ein wenig traurig. Traurig mit dem Thomas. Niedergeschlagen sind wir aber nicht", sagte Cheftrainer Mathias Berthold noch am Freitagabend nach dem eigentlich unspektakulären Sturz, den "ein kleiner Konzentrationsfehler" ausgelöst habe. Teamkollege Andreas Sander sagte noch vor der Diagnose: "Das ist natürlich sehr, sehr bitter."

Dreßens Ski waren bei schwierigen Bodenverhältnissen und einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Stundenkilometern verkantet, er war gestürzt und ungebremst in das Sicherheitsnetz gekracht. Nach minutenlanger Behandlung konnte Dreßen zwar gestützt von Betreuern aufstehen, ins Tal wurde er jedoch von zwei Sanitätern mit dem Rettungsschlitten gebracht. Die Zuschauer applaudierten aufmunternd.

Dreßen wird den Rest der Saison inklusive der WM in Are/Schweden (5. bis 17. Februar) verpassen. Wann er wieder auf Ski stehen kann, lässt sich nicht seriös beurteilen. Auf Instagram hat er sich für die Unterstützung der Fans bedankt.

Vor fast genau einem Jahr riss sich Slalom-Star Felix Neureuther beim Training in Copper Mountain, nur gut eine Autostunde von Beaver Creek entfernt, ebenfalls das Kreuzband. Stefan Luitz ereilte im Dezember 2017 dieselbe Verletzung - er ist inzwischen wieder fit. Neureuther kämpft aktuell mit den Folgen eines Daumenbruchs, den er sich im Training in Finnland Mitte November zugezogen hatte.

Für Dreßen ist es die schwerste Verletzung seiner bisherigen Karriere, bislang war er größtenteils verschont geblieben. Eine Kopfverletzung nach einem Zusammenstoß 2007 und Knochenprellungen in beiden Kniegelenken 2013 führt der DSV auf seiner Homepage als bislang einzige Verletzungen Dreßens auf.

Dreßen hatte im Januar den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere gefeiert. Gänzlich unerwartet triumphierte auf der legendären "Streif", dem Hahnenkammrennen. Es war der erste deutsche Sieg auf dieser Strecke seit 1979 (damals gewann Sepp Ferstl). Vor dem Beginn des WM-Winters hatte er verkündet, "keine Lust drauf" zu haben, dass Kitzbühel "so ein einmaliger Geschichtsbucheintrag wird".

"Thomas ist ein Super-Bursch, er zeigt in diesem Moment sehr viel Größe", sagte Berthold nun nach Dreßens Verletzung: "Seine mentale Stärke wird ihm helfen, über diese Verletzung hinwegzukommen."

bka/sid/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Sibylle1969 01.12.2018
1.
Tja, es gibt kaum einen alpinen Skirennfahrer oder alpine Rennfahrerin, die sich im Laufe der Karriere nicht schon mal einen Kreuzbandriss oder einen Beinbruch zugezogen hat. In der noch jungen Saison hat es bereits Manuel Osborne-Paradis, Marina Wallner und jetzt auch Thomas Dreßen erwischt, weitere werden mit Sicherheit folgen.
Barças Superstar 01.12.2018
2. Gute Besserung
Das ist wirklich tragisch, aber dieser Sport ist wirklich extrem gefährlich. Mir tut es um jeden Leid, der sich verletzt, unabhängig von Nationalität und Herkunft. Das sind einfach super Burschen und Mädels, eine wirkliche Sportgemeinschaft, sozusagen der Gegenentwurf zu manchem divenhaften Fußballer-Auftritt. Ich hoffe, dass er wiederkommt. Der Sieger Beat Feuz ist da ein Vorbild, der ist auch immer wiedergekommen. Gefühlt erwischt es jeden Spitzenläufer, oft auch mehrfach. Gute Besserung! Wir werden ihn bei der Wahl zum Sportler es Jahres vermutlich wiedersehen.
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