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Trainingsstürze auf Skandalbahn: Bob-Weltverband verhängt Maulkorb

Wieder Ärger um den Eiskanal von Whistler: Zahlreiche Stürze im Training haben eine neue Diskussion um die Sicherheit der Athleten ausgelöst. Diese haben vom Bob-Weltverband Redeverbot bekommen und sind empört. Jetzt versuchen die Verantwortlichen, die Bahn zu entschärfen.

Bob-Pilot Angerer: Sturz beim ersten Training Zur Großansicht
AFP

Bob-Pilot Angerer: Sturz beim ersten Training

Hamburg - Der Bob-Weltverband FIBT hat vor Beginn der Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen für einen Eklat gesorgt. Nach acht Stürzen in den ersten beiden Trainingsläufen liefert die Bahn, auf der der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili am vergangenen Freitag tödlich verunglückte, erneut Stoff für eine Sicherheitsdiskussion.

Diese versucht der Bob-Weltverband durch Maulkörbe klein zu halten. FIBT-Vizepräsident und Kommunikationsdirektor Paul Pruszynski verbat den Trainern und Aktiven, sich über die gefährliche Hochgeschwindigkeitsbahn im Whistler Sliding Centre zu äußern. Wer sich nicht an die Vorgabe halte, drohte er, müsse mit Sanktionen rechnen.

"Das ist für mich skandalös. Das ist ein Witz", sagte der deutsche Sportdirektor Thomas Schwab. "Die Bahn ist sehr schwierig. Man hätte früher auf die Sportler hören müssen. Zudem wurde bei der Abnahme nicht auf das Veto der Verbände gehört. Darin liegt die Schuld", sagte der frühere deutsche Bob-Pilot Christoph Langen. Der deutsche Pilot Karl Angerer kippte im Training mit seinem Schlitten um. "Ich habe den Unfall ganz gut überstanden. Aber diese Bahn ist wirklich brutal schnell. Bei Geschwindigkeiten von 150 Stundenkilometern wird es schon schwierig", sagte Angerer ungeachtet des Maulkorbs.

Anschieber Harvey nach Sturz im Krankenhaus

Nach den acht Stürzen versuchte die Bahnbau-Kommission immerhin, den schnellsten Eiskanal der Welt noch zu entschärfen. Vor dem dritten Trainingsdurchgang wurden jedoch nur leichte Korrekturen vorgenommen. So wurden wegen der starken Sonneneinstrahlung zum Schutz der Bahn Sonnensegel gesetzt - diese schränkten allerdings wiederum die Sicht der Piloten ein.

Das Chaos an der Bahn setzte sich damit trotz der Renovierungsarbeiten unvermindert fort. Im ersten Zweierbob-Training hatten zahlreiche Athleten große Probleme. Neben Angerer stürzten auch die Schweizer Beat Hefti, Daniel Schmid und der Niederländer Edwin van Calker, außerdem Nicolae Istrate (Rumänien), Hiroshi Suzuki (Japan), Christopher Spring (Österreich) und Fabrizio Tosini (Italien).

Springs Anschieber Duncan Harvey musste sogar ins Krankenhaus gebracht werden, die Verletzungen erwiesen sich allerdings als nicht so schwer. Zudem stürzte der Japaner Suzuki auch im dritten Trainingslauf. Der dreimalige Olympiasieger André Lange ließ sich von den zahlreichen Stürzen unterdessen nicht aus der Ruhe bringen und fuhr im ersten Lauf Bestzeit. Thomas Florschütz lag im zweiten Durchgang vorne.

Die Rodler hatten nach dem tödlichen Unfall die Strecke verkürzt und die Starts nach unten gelegt. So gingen die Herren vom Damenstart ins Rennen, die Damen und Doppelsitzer vom Juniorenstart. Diese Möglichkeit haben die Bobfahrer nicht, da sie den Anlauf vom normalen Start benötigen.

met/mig/sid/dpa

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Eckdaten der Strecke
  • Geländehöhe: 939 bis 797 Meter
    (142 Meter Höhenunterschied)
  • Kurven: 16
  • Streckenlänge: 1450 Meter
  • Geplante Höchstgeschwindigkeit:
    137 Kilometer pro Stunde (Quelle: Weltverband)
  • Temporekorde: 154 Kilometer pro Stunde,
    Manuel Pfister, Österreich, Olympiatraining,
    und 153,98 Kilometer pro Stunde, Felix Loch, Deutschland, Weltcup 2009
  • Baujahr und -kosten: 2005,
    104,9 Millionen kanadische Dollar
  • Sportarten: Bob, Rodeln, Skeleton
    (acht Entscheidungen)
  • maximale Zuschauerzahl: 12.000
  • Lage: Fitzsimmons-Creek-Tal bei Whistler im Hinterland von Vancouver

Luftbild der Strecke

Rennbahn in Whistler   Größere Kartenansicht



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