Vergabe für 2018 Münchens Olympia-Traum ist geplatzt

Das Internationale Olympische Komitee hat sich bereits im ersten Wahlgang entschieden: Die Winterspiele 2018 finden im südkoreanischen Pyeongchang statt. Der deutsche Bewerber München konnte sich trotz einer überzeugenden Präsentation und viel Prominenz nicht durchsetzen.

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Hamburg - Trauer in München: Das Internationale Olympische Komitee hat der deutschen Olympia-Bewerbung eine deutliche Absage erteilt. Die Mitglieder entschieden sich auf der Vollversammlung in Durban gegen die bayerische Landeshauptstadt - und für Pyeongchang. Der südkoreanische Bewerber bekam bereits im ersten Wahlgang die benötigte absolute Mehrheit. "Klar, dass man jetzt sehr enttäuscht ist", sagte Olympia-Botschafterin Katarina Witt mit Tränen in den Augen.

"Das ist eine deutsche Niederlage, in diesem Wettbewerb gibt es nur eine Goldmedaille. Man hat sich entschieden, weiter in neue Märkte und Regionen zu gehen", sagte IOC-Vizepräsident und DOSB-Präsident Thomas Bach. "Wir gratulieren Pyeongchang", sagte Bundespräsident Christian Wulff, der bei der Abschlusspräsentation am Mittwochmorgen in Durban für München geworben hatte. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude sprach seine Enttäuschung offen aus: "Natürlich bin ich traurig, dass die Entscheidung nun nicht zu unseren Gunsten ausgefallen ist."

Insgesamt votierten 63 Mitglieder für Pyeongchang, 48 Stimmen waren für den Sieg im ersten Durchgang nötig. München kam auf 25 Stimmen. Für den französischen Bewerber aus Annecy stimmten lediglich sieben Mitglieder. Zuletzt waren die Olympischen Winterspiele 1995 (für Salt Lake City, 2002) und 1999 (für Turin, 2006) bereits im ersten Wahlgang vergeben worden. Der Großteil der Entscheidungen der Olympia-Geschichte fiel in späteren Wahlgängen oder Stichwahlen.

Große Enttäuschung, kleine Hoffnung

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Von den insgesamt 110 IOC-Mitgliedern stimmten in Durban lediglich 95 ab. Sieben Mitglieder fehlten bei der Vollversammlung. Neben IOC-Präsident Jacques Rogge hatte auch Ruder-Präsident Denis Oswald angekündigt, nicht abzustimmen. Damit wollte der Schweizer Vorwürfen der Befangenheit aus dem Weg gehen: Im Herbst 2010 war Pyeongchang von der sogenannten IOC-Ethikkommission verwarnt worden, nachdem die koreanischen Firmen Samsung und Korean Air Sponsorenverträge mit den Weltverbänden der Ruderer und Eisläufer abgeschlossen hatten.

München versucht es mit Emotion, Südkorea mit langem Atem

Zudem durften die sechs Mitglieder aus den Bewerberländern in der ersten Abstimmungsrunde nicht mitwählen. Für Deutschland waren das IOC-Vizepräsident Thomas Bach und Claudia Bokel, für Frankreich Jean-Claude Killy und Guy Drut und für Südkorea Lee Kun-Hee und Moon Dae-Sung.

Mit emotionalen Bildern und eindringlichen Worten hatte Münchens Delegation um das Jawort der IOC-Mitglieder geworben. "Schenken Sie uns Ihr Vertrauen", hatte Wulff gesagt. Er versprach "fröhliche" und "enthusiastische" Winterspiele: "Deutschland steht hinter München 2018." Nach dem Fußball-Sommermärchen 2006 lud Franz Beckenbauer die ganze Welt "zum Wintertraum 2018" ein.

Gewinner Pyeongchang hatte das IOC bei seiner finalen Präsentation nochmals eindringlich an seinen langen Atem im Streben nach Olympischen Winterspielen erinnert. "Wir sind jetzt wirklich bereit", sagte Bewerbungschef Cho Yang Ho nach den zwei gescheiterten Anläufen für 2010 und 2014. "Pyeongchang 2018 ist eine nationale Priorität der koreanischen Regierung - und das schon seit zehn Jahren", betonte Südkoreas Staatspräsident Lee Myung Bak. Er verbürgte sich für die Erfüllung aller Versprechen.

Der französische Außenseiter Annecy hatte mit Bildern des schneebedeckten Mont-Blanc-Massivs geworben. "Die Annecy-Bewerbung ist in die Bergwelt eingepasst", sagte Frankreichs Skilegende Jean-Claude Killy. Die Hauptbotschaft lautete, dass die Winterspiele in eine Bergwelt zurückkehren sollten, die "weltweit das Wintersportziel Nummer eins" sei.

bka/luk/mig



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insgesamt 194 Beiträge
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Seite 1
mneisen 06.07.2011
1. Gut so!
Zitat von sysopDas Internationale Olympische Komitee hat sich bereits im ersten Wahlgang*entschieden: Die Winterspiele 2018 finden im südkoreanischen Pyeongchang statt. Der deutsche Bewerber München konnte sich trotz einer überzeugenden Präsentation und viel Prominenz nicht durchsetzen. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,772569,00.html
Gut so. Sollen andere Olympia finanzieren - und das unwürdige Gezerre um die Grundstücke in Garmisch-Partenkirchen mit Quasi-Enteignungen hat auch endlich ein Ende.
minz66 06.07.2011
2. Als echter Münchner .....
geh ich nach der Entscheidung erst mal in den Biergarten zum Feiern! Den Koreanern meinen Glückwunsch.
1heinz 06.07.2011
3. Deutschland zahlt nur und bekommt nichts
Das ist nun halt unsere Bestimmung - Wir geben und bekommen nicht!
Wattläufer 06.07.2011
4. Muc
Die Bauern dort freuen sich und Kati Witt bleibt uns hoffentlich zukünftig für immer erspart. Den Steuerzahler freut es auch.
hundini 06.07.2011
5. ^^
Wie war das mit dem Sack Reis? xD
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