Favoriten der Vierschanzentournee: Österreichs Extrakick, Ammanns Fluch

Aus Oberstdorf berichtet

Wer gewinnt die Vierschanzentournee? Viermal in Folge triumphierten Österreicher - sie alle sind auch in diesem Jahr wieder dabei und gehören zu den Favoriten. Doch auch aus Norwegen, Slowenien und Polen kommen Springer mit Podestchancen. Und dann ist da noch ein alter Schweizer.

Internationale Skisprung-Elite: Olympiasieger, Routiniers, Außenseiter Fotos
DPA

Es war eine Schnapsidee im wahrsten Sinne, als 1949 Freunde aus Innsbruck und Partenkirchen planten, eine kleine Skisprungtournee in beiden Ländern zu veranstalten. In Österreich und Deutschland hat die Traditionsveranstaltung ihren Ursprung, vieles deutet darauf hin, dass sich die Nachbarn bei der 61. Vierschanzentournee sportlich mal wieder auf Augenhöhe begegnen.

Vor elf Jahren gewann Sven Hannawald alle vier Springen, seitdem siegten Finnen, Norweger, Tschechen - und zuletzt viermal in Folge ein Österreicher. Wolfgang Loitzl (2009), Andreas Kofler (2010), Thomas Morgenstern (2011) und Gregor Schlierenzauer (2012) stehen für die Dominanz des Landes in der jüngeren Vergangenheit, alle vier sind auch diesmal wieder am Start, wenn die Tournee in Oberstdorf beginnt (29./30. Dezember, Liveticker bei SPIEGEL ONLINE).

Für Deutschlands Bundestrainer Werner Schuster sind neben seinem Schützling Severin Freund vor allem Kofler und Schlierenzauer Top-Favoriten auf den erneuten Gesamtsieg: "Sie sind die dominierenden Springer." Auch für den viermaligen Tournee-Gesamtsieger Jens Weißflog steht fest, dass man "an diesem Trio nach den bisherigen Ergebnissen nicht vorbeikommt."

So startet der DSV in die Vierschanzentournee
Titelverteidiger Schlierenzauer siegte bei der Generalprobe im schweizerischen Engelberg zum bereits dritten Mal in dieser Saison und führt damit souverän den Gesamtweltcup an. "Das Gelbe Trikot ist jetzt ein Extrakick für mich, und das gibt mir die Sicherheit, dass ich auf dem richtigen Weg bin", sagt der 22-Jährige: "Das ist eine tolle Motivation für die Vierschanzentournee." Mit 43 Weltcupsiegen liegt Schlierenzauer nur noch drei Erfolge hinter dem Rekord des ehemaligen finnischen Weltklassespringers Matti Nykänen.

ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner weiß um die Klasse seines Teams, auch Kofler konnte in dieser Saison schon zwei Weltcupsiege feiern und liegt in der Gesamtwertung auf Platz drei hinter Schlierenzauer und Freund. "Wir sind auf einem gutem Weg. Ich schaue mit freudiger Erwartung Richtung Tournee", sagt Pointner.

Doch auch wenn die Rahmenbedingungen für das große deutsch-österreichische Duell sprechen: Auch andere Länder sind mit starken Springern vertreten. Der Norweger Anders Bardal gewann vergangene Saison zum ersten Mal den Gesamtweltcup. Bei der Vierschanzentournee wurde er Vierter. Auch in diesem Winter ist der 30-Jährige wieder gut in Form, als Fünfter ist er der einzige Nicht-Österreicher oder -Deutsche unter den besten acht. Zuletzt hatte er aber mit einer Entzündung in den Beinen zu kämpfen, sein Cheftrainer Alexander Stöckl verordnete im Hinblick auf die Tournee ein spezielles Training.

Ammann hat noch eine Rechnung offen

Mit großen Erwartungen ging Kamil Stoch in die Saison. Der 25 Jahre alte Pole, im Vorjahr Achter bei der Tournee, hat sich vorgenommen, im Gesamtweltcup "um einen Platz unter den Top Drei zu kämpfen. Ich denke, man sollte von so einem Platz nicht nur träumen, sondern versuchen, ihn zu erreichen." Auch wenn er derzeit nur 18. ist, für Bundestrainer Schuster zählt er dennoch zum erweiterten Favoritenkreis. Nicht zuletzt, weil er in Engelberg nur ganz knapp von Kofler geschlagen wurde.

Stoch will Polen den zweiten Tournee-Gesamtsieg seit Adam Malysz 2001 bringen und auch Slowenien wartet seit dem Triumph von Primoz Peterka 1996/1997 auf einen Springer mit Siegchancen. Im 19-jährigen Jaka Hvala hat das Land zumindest schon einmal die - neben dem deutschen Andreas Wellinger - wohl größte Überraschung der Saison im Team. Anders als bei Wellinger hatte Hvala mitunter etwas mit den Nerven zu kämpfen und wartet noch auf einen Podestplatz. Dennoch ist er bereits Neunter im Gesamtweltcup und wurde im Team mit seinem ebenfalls hochtalentierten Kollegen Peter Prevc Dritter.

Neben all den Nachwuchsspringern wirkt Simon Ammann wie das Überbleibsel aus einer anderen Skisprungzeit. Viermal gewann der Schweizer olympisches Gold (je zweimal 2002 und 2010), bei der Vierschanzentournee blieb ihm der große Triumph aber noch verwehrt. Zweimal (2008/2009, 2010/2011) wurde Ammann dort Zweiter, im Vorjahr musste er die Tournee wegen einer Erkrankung vorzeitig beenden. Man kann sagen, dass Ammann noch eine Rechnung offen hat mit den vier Schanzen.

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Schattenbergschanze - Oberstdorf
Getty Images

Name: Schattenbergschanze
Ort: Oberstdorf
Land: Deutschland
Zuschauerplätze: 27.000
Baujahr: 1925
Letzter Umbau: 2011
Schanzenrekord: 143,5 Meter durch Sigurd Pettersen (Norwegen/2003)

Hier geht's zur offiziellen Homepage

Vierschanzentournee: Rekordsieger
Athlet Land Siege
Janne Ahonen Finnland 5 (1999, 2003, 2005, 2006, 2008)
Jens Weißflog Deutschland 4 (1984, 1985, 1991, 1996)
Björn Wirkola Norwegen 3 (1967, 1968, 1969)
Helmut Recknagel Deutschland 3 (1958, 1959, 1961)
Jochen Danneberg Deutschland 2 (1976, 1977)
Veikko Kankkonen Finnland 2 (1964, 1966)
Matti Nykänen Finnland 2 (1983, 1988)
Andreas Goldberger Österreich 2 (1993, 1995)
Hubert Neuper Österreich 2 (1980, 1981)
Ernst Vettori Österreich 2 (1986, 1987)
Gregor Schlierenzauer Österreich 2 (2012, 2013)
Vierschanzentournee: Sieger seit 2000
Jahr Athlet
2014 Thomas Diethart (AUT)
2013 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2012 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2011 Thomas Morgenstern (AUT)
2010 Andreas Kofler (AUT)
2009 Wolfgang Loitzl (AUT)
2008 Janne Ahonen (FIN)
2007 Anders Jacobsen (NOR)
2006 J. Ahonen (FIN)/Jakub Janda (CZE)
2005 Janne Ahonen (FIN)
2004 Sigurd Pettersen (NOR)
2003 Janne Ahonen (FIN)
2002 Sven Hannawald (GER)
2001 Adam Malysz (POL)
2000 Andreas Widhölzel (AUT)

Vierschanzentournee: Die Rekordnationen
Platz Land Siege
1. Finnland 16
Deutschland 16
2. Österreich 13
3. Norwegen 10
4. Tschechien/Tschechoslowakei 2
5. Japan 1
Polen 1
Slowenien 1
UdSSR 1