DSV-Team bei der Vierschanzentournee Breiter Rumpf, dünne Spitze

Die deutschen Skispringer ziehen eine durchwachsene Bilanz aus der 61. Vierschanzentournee. Fünf Athleten landeten unter den besten 13, Jungstar Andreas Wellinger zeigte eine starke Vorstellung. Doch für den Sprung nach ganz vorne reichte es nicht. Immerhin: Potential ist vorhanden.

AFP

Aus Bischofshofen berichtet


Der Tag hatte Spuren hinterlassen im Gesicht von Werner Schuster. Der Schlusstag der 61. Vierschanzentournee sollte eine Mannschaftsleistung krönen, die der Bundestrainer der deutschen Skispringer später ohne Umschweife als "super" hätte bezeichnen können. Das tat er auch - doch das Finale in Bischofshofen zwang Schuster zu einem weiteren Attribut: "bitter".

Unmittelbar nach dem Ende der Tournee war Schuster hin- und hergerissen zwischen der Freude über die fünf Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV), die es in der Gesamtwertung unter die besten 13 gebracht hatten, und der Enttäuschung über den Absturz seiner beiden konstantesten und besten Springer der Tournee im Dauerregen des Salzburger Landes.

Dabei war Severin Freund voller Zuversicht ins Finale gegangen: Platz vier in der Gesamtwertung, nur 1,2 Punkte hinter einem Podestplatz, dazu die zweitbeste Weite im Probedurchgang - was konnte schiefgehen? Schon der erste Durchgang zeigte: so gut wie alles.

Ohne Sturz wäre Wellinger Dritter geworden

Um 16.30 Uhr ging es los: Stefan Hula sprang auf 127 Meter. Zwei Minuten später landete Freund bei 126 Metern, das K.-o.-Duell gegen den Polen hatte er verloren. Der 24-jährige Freund durfte noch einige Zeit hoffen, es vielleicht über die Lucky-Loser-Liste in den Finaldurchgang zu schaffen. Doch es reichte nicht, ihn ereilte das Aus schon nach dem ersten Durchgang. "Das war ein Tag zum Vergessen, aber Fehler passieren nun mal", sagte Freund. Es sei einfach ein schlechter Sprung gewesen.

Das sah auch Schuster so: "Severin war eigentlich nach dem Durchhänger in Innsbruck wieder auf seinem Top-Niveau. Aber er wollte es hier erzwingen, nicht erspringen", so Schuster. Als "Blackout" bezeichnete der 43-Jährige Freunds Sprung. Der Zweite des Gesamtweltcups stürzte so in der Gesamtwertung auf den 13. Platz ab.

Es sei schade und enttäuschend, dass die Tournee nun nicht so zu Ende gegangen sei, wie es der Qualität des Teams entspreche, sagte Schuster. Denn zu Freunds Aussetzer kam als zweiter Tiefpunkt des DSV-Tages ein Sturz von Andreas Wellinger, dem bisher so stark springenden 17-Jährigen. Sehr gute 133,5 Meter und damit Bestweite hatte dieser im ersten Durchgang geschafft, noch vor der Sturzlinie aber kam er beim Jubeln ins Straucheln und stürzte.

"Das war ein richtig guter Sprung, man kann ihm keinen Vorwurf machen", so Schuster. Mit 130 Metern im zweiten Durchgang rettete sich Wellinger immerhin noch auf den 19. Platz in Bischofshofen und den neunten Platz in der Gesamtwertung. "Ich habe nachgerechnet - ohne Sturz wäre er Dritter geworden", ärgerte sich Schuster später.

"Die Last besser verteilen"

Ein Riesentalent mit 17 Jahren in den Top Ten, das ist genau das, was sich Schuster wünscht und wofür er vor fünf Jahren zum Cheftrainer gemacht wurde. Dass der 33 Jahre alte Michael Neumayer, der sich laut Schuster bei dieser Tournee "neu erfunden" habe, noch Gesamt-Sechster und somit bester Deutscher wurde, Martin Schmitt zudem auf Platz zehn landete und Richard Freitag auf Platz elf, ließ Schuster dann schon wieder zu besserer Laune finden. "Wir haben mehr Möglichkeiten als je zuvor", glaubt der Österreicher: "Die Breite ist besser denn je."

Sorge macht einzig die Spitze, sprich: die Regionen, in denen sich vor allem Gregor Schlierenzauer und Anders Jacobsen, phasenweise auch Anders Bardal, Tom Hilde Kamil Stoch und Freund bei dieser Tournee bewegten.

Da bedarf es laut Schuster noch an Geduld und Arbeit, Freund brauche "definitiv Unterstützung, damit die Last etwas verteilt ist". Man habe nun einige Schritte in die richtige Richtung gemacht, aber noch nicht die entscheidenden, um im kommenden Jahr um den Titel mitspringen zu können: "Das ist die Arbeit, die noch vor uns liegt."

Die Arbeit, die in den vergangenen Jahren geleistet wurde, macht zuversichtlich, dass es damit auch noch klappt.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Professor123 07.01.2013
1. Was mich besonders freut ist,
Zitat von sysopAFPDie deutschen Skispringer ziehen eine durchwachsene Bilanz aus der 61. Vierschanzentournee. Fünf Athleten landeten unter den besten 13, Jungstar Andreas Wellinger zeigte eine starke Vorstellung. Doch für den Sprung nach ganz vorne reichte es nicht. Immerhin: Potential ist vorhanden. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/vierschanzentournee-bilanz-der-deutschen-skispringer-a-876046.html
dass sich Martin Schmitt, von dem bis vor 14 Tagen kaum jemand gedacht hat, dass er überhaupt bei der Vierschanzentournee dabei ist, durch Fleiß wieder zurück gearbeitet hat. Er hat sich bei allen 4 Springen nicht nur qualifiziert, sondern auch jeweils den zweiten Durchgang geschafft und war als 10. der Gesamtwertung drittbester Deutscher. Wer hätte das vor 2 Wochen gedacht? Weiter so, Martin!
andreashofmann 07.01.2013
2. welch eine kultur
Die "Produktion" von Podestplätzen, nicht die Ausbildung und Förderung von Menschen ist das Ziel. Der Trainer ist nicht zufrieden, wenn eine Person an ihren Fähigkeiten gemessen gut abgeschnitten hat, sondern wenn sie am Stockerl steht. In dieser Unmenschlichkeit (weil Ergebnisbezogenheit) geht verloren, was einen Sport so phantastisch macht - die Bewegung, eine Gemeinschaft, manchmal auch die Natur und noch so viele andere Aspekte. Klar, auch die Leistung zählt dazu, aber eben nicht (primär) an den anderen gemessen, sondern an sich selbst - das wäre ein Weg zu einem (Leistungs-) Sport, der "Leistung" als Ergebnis eines (manchmal langwierigen) individuellen Wachstums- und nicht eines Optimierungsprozesses betrachtet. Dann stünde nicht das Ergebnis vornan, sondern die jeweilige Person.
ktschorn 07.01.2013
3. was ist die Ursache?
Sehr erfreulich die gezeigten Leistungen des "Oldi´s" Martin Schmitt. Es stellt sich die Frage ob Schmitt´s Können in den letzten Jahren schlecht war oder er auf Grund der Regeländerungen nicht besser abschneiden konnte. Jetzt, bei engerem Anzug, kommt es u.a. auch wieder auf Athletik an. Die hat der Martin immer gehabt. Vieleicht ist es mehr Springer als Segler?
hellefisk 07.01.2013
4. ähm...
Zitat von andreashofmannDie "Produktion" von Podestplätzen, nicht die Ausbildung und Förderung von Menschen ist das Ziel. Der Trainer ist nicht zufrieden, wenn eine Person an ihren Fähigkeiten gemessen gut abgeschnitten hat, sondern wenn sie am Stockerl steht. In dieser Unmenschlichkeit (weil Ergebnisbezogenheit) geht verloren, was einen Sport so phantastisch macht - die Bewegung, eine Gemeinschaft, manchmal auch die Natur und noch so viele andere Aspekte. Klar, auch die Leistung zählt dazu, aber eben nicht (primär) an den anderen gemessen, sondern an sich selbst - das wäre ein Weg zu einem (Leistungs-) Sport, der "Leistung" als Ergebnis eines (manchmal langwierigen) individuellen Wachstums- und nicht eines Optimierungsprozesses betrachtet. Dann stünde nicht das Ergebnis vornan, sondern die jeweilige Person.
Ihrem Beitrag merkt man an, dass Sie weder den Artikel aufmerksam gelesen, noch besonders viel Ahnung vom Skispringen oder der Debatte um die Entwicklung des deutschen Skispringens in den letzten 10 Jahren haben. Nach der Schmitt/Hannawald-Euphorie ist der deutsche Skisprung-Zirkus nach 2002 massiv in die Krise geraten. Der oben zitierte Bundestrainer hat den bestehenden Kader nun offenbar sehr behutsam unter Berücksichtigung neuer Talente langsam wieder aufgebaut und es in keinem Interview der laufenden Saison versäumt zu betonen, wie stolz er auf alle "seine" Springer und deren jeweilige persönliche Entwicklung ist, und dass es ihm nicht um punktuelle Siege, sondern um die nachhaltige Förderung einer insgesamt starken Mannschaft geht. Dass man etwas enttäuscht ist, wenn der Weltcup-Gesamt-Zweite in einer tollen Saison nach einem verhauenen, alles entscheidenden Sprung in der Tournee-Gesamtwertung nicht (was möglich gewesen wäre) 3. sondern 13. wird, halte ich durchaus für legitim. Bessere Platzierungen im Weltcup ermöglichen übrigens auch mehr Startplätze für neue Talente...
elbdampfer 07.01.2013
5. .
Zitat von andreashofmannDie "Produktion" von Podestplätzen, nicht die Ausbildung und Förderung von Menschen ist das Ziel. Der Trainer ist nicht zufrieden, wenn eine Person an ihren Fähigkeiten gemessen gut abgeschnitten hat, sondern wenn sie am Stockerl steht. In dieser Unmenschlichkeit (weil Ergebnisbezogenheit) geht verloren, was einen Sport so phantastisch macht - die Bewegung, eine Gemeinschaft, manchmal auch die Natur und noch so viele andere Aspekte. Klar, auch die Leistung zählt dazu, aber eben nicht (primär) an den anderen gemessen, sondern an sich selbst - das wäre ein Weg zu einem (Leistungs-) Sport, der "Leistung" als Ergebnis eines (manchmal langwierigen) individuellen Wachstums- und nicht eines Optimierungsprozesses betrachtet. Dann stünde nicht das Ergebnis vornan, sondern die jeweilige Person.
Na ja, man sollte aber schon unterscheiden, ob man vom Freizeit- oder vom Spitzensport redet. Und bevor man heute bei Kindern über die sportliche "Ausbildung und Förderung" nachdenkt, muss man sie erstmal in Konkurrenz zu Smartphone, Spielkonsole und McDonalds für den (wenn ernsthaft betrieben, auch zeitraubenden) Vereinssport gewinnen. Und da spielen international erfolgreiche Idole eben doch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bedingt durch den Vereinssport meiner Kinder kenne ich mich da im Basketball ein bisschen aus. Ich glaube nicht, dass ein Dirk Nowitzki als passabel spielendes Mitglied der deutschen Nationalmannschaft eine sonderlich motivierende Wirkung auf die jungen Baller hätte. Ein "Dirkules", der MVP in Amerika wird, taugt da schon viel eher als Vorbild. Aber wenn sich Ihre Sprösslinge auch mit so "uncoolen" Argumenten wie "Bewegung", "Gemeinschaft" und "Natur" zum Sport treiben überreden lassen - umso besser.
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