Vierschanzentournee: Fliegen und siegen

Aus Oberstdorf berichtet

Jahrelang dominierten die Österreicher die Vierschanzentournee, doch damit soll nun Schluss sein. Das deutsche Team will wieder um Siege mitspringen - die Voraussetzungen sind so gut wie lange nicht mehr. Die größten Hoffnungen ruhen auf Severin Freund.

Skispringer Freund: Einer der Top-Favoriten auf den Gesamtsieg Zur Großansicht
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Skispringer Freund: Einer der Top-Favoriten auf den Gesamtsieg

Österreich, Österreich, Österreich, Österreich. Man kann nicht sagen, dass die Vierschanzentournee in den vergangenen Jahren besonders abwechslungsreich war. Auch wenn die Besetzung im Team des Österreichischen Skiverbandes wechselte, das Resultat blieb gleich: Am Ende stellte der ÖSV den Gewinner.

Und Deutschland? Im Januar 2002 feierte Sven Hannawald einen Rekordsieg, als er alle vier Springen gewann. 2009 holte Martin Schmitt mit Platz drei in Innsbruck den bislang letzten Podestplatz. Seitdem wartet der Deutsche Skiverband (DSV) darauf, dass ein deutscher Springer mal wieder unter die ersten drei kommt oder gar echte Chancen auf den Gesamtsieg hat. In dieser Saison könnte das Warten ein Ende haben.

Am 30. Dezember beginnt die Vierschanzentournee mit dem Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen richtet traditionell das Neujahrsspringen aus. Es folgen die österreichischen Stationen Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen am 6. Januar (SPIEGEL ONLINE berichtet live von allen Springen).

"Wir wollen mal wieder einen Podestplatz in einem Einzelspringen bei der Tournee holen, das gab es schon viel zu lange nicht mehr", sagt Werner Schuster. Der Bundestrainer ist im fünften Jahr für das DSV-Team verantwortlich, und endlich scheinen seine Springer in der Form, die Dominanz der Österreicher brechen zu können: "Wir haben erstmals realistische Chancen, bei der Tournee nicht nur zu reagieren, sondern zu agieren", so Schuster bei der Eröffnungspressekonferenz in Oberstdorf.

So startet der DSV in die Vierschanzentournee
Grund für den Optimismus sind die bisherigen Ergebnisse des Winters. In den fünf Weltcup-Einzelwettbewerben der Saison gab es zwei Siege durch Severin Freund und drei weitere Podestplätze, dazu den Erfolg im Teamspringen im finnischen Kuusamo. "Wir sind alle sehr zufrieden mit dem ersten Saisonviertel", so Schuster. "Es ist schön, dass auch die anderen auf das Podium springen können. Das macht uns richtig stark", sagte Freund bereits nach dem Weltcup in Sotschi, wo Richard Freitag Zweiter wurde, der 17 Jahre alte Andreas Wellinger Dritter und Freund auf Platz fünf landete.

"Als Mannschaft sind wir ein Stück weitergekommen. Wir haben junge Springer dazubekommen, die sehr belebend sind für das Team. Und die Etablierten sind gesund und so gut in Form, dass sie vorne mitmischen können", sagt Schuster. "Darauf haben wir aber auch fünf Jahre hingearbeitet. Wir wollen die eigenen Stärken ausspielen und ständig Druck ausüben. Wir sind nicht die Top-Favoriten, aber Mit-Favoriten. Ein Podestplatz ist realistisch, ein Tagessieg wäre fantastisch."

Freund peilt einen Tagessieg bei der Tournee an

Der 24-jährige Freund gilt schon lange als potentieller Sieg-Springer, doch Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. Im Frühjahr ließ er sich wegen anhaltender Rückenprobleme an der Wirbelsäule operieren. In dieser Saison springt Freund konstant gut, lag bis zum Weltcup im schweizerischen Engelberg sogar im Gesamtweltcup vorn.

Dass er die Führung nun an den Österreicher Gregor Schlierenzauer verloren hat, stört Freund wenig. "Das ist egal. Dafür kann ich mir nix kaufen", sagt er. Wichtiger ist ihm da das Vertrauen in die eigene Form - und das ist da: "Wir sind im Moment nah an den Österreichern dran. Um einen Podestplatz möchte ich schon mitspringen, ein Tagessieg wäre natürlich der Wahnsinn."

Vor der Tournee-Generalprobe in Engelberg hatte Schuster kritisiert, dass neben Freund ein weiterer Springer in der absoluten Spitze fehlt. Ausgerechnet Wellinger, der Jüngste im Team, könnte diese Rolle nun ausfüllen. In der Schweiz sicherte er sich in seinem erst siebten Weltcupspringen bereits den zweiten Podestplatz, in der Gesamtwertung ist er bereits Vierter.

Wellinger vom C-Kader ins erste Team

Druck verspüre er nicht, so Wellinger. "Ich freue mich einfach auf die Vierschanzentournee." Es sei schön, "als Schüler ein bisschen was zu verdienen", sagt der Elftklässler. Schuster hatte ihn erst im Sommer aus dem C-Kader geholt. Ein "interessanter junger Mann" sei er, einer, "der viele Qualitäten" und eine große Zukunft habe. "Im Herbst hat er mich überzeugt, da haben wir gesagt: Den Burschen nehmen wir mit", erzählt Schuster.

Auch der 33 Jahre alte Michael Neumayer und der 22-jährige Richard Freitag zeigten in dieser Saison gute Leistungen und sind auch bei der Tournee sicher dabei (Hier finden Sie den DSV-Kader im Überblick). Im Mittelpunkt des Interesses steht aber Martin Schmitt.

Der 34-Jährige sprang bisher nicht im Weltcup, sondern lediglich im zweitklassigen Continental Cup mit. Für den deutschen A-Kader reichten seine Leistungen zuletzt nicht mehr. Zumindest bei den beiden deutschen Stopps in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen ist Schmitt aber dennoch dabei, denn im eigenen Land darf Schuster zwölf Athleten einsetzen. Für die weiteren Springen muss er seinen Kader auf sieben Athleten reduzieren. Ob Schmitt dann noch antreten darf, ist fraglich. "Mich freut es für ihn, dass er die Herausforderung des Continental Cup angenommen hat", sagte Schuster.

Schon vor seiner Nominierung hatte Schmitt betont, bei der Tournee unbedingt starten zu wollen. Den Rückstand zu den Besten sah er damals gelassen: "Wenn es mir gelingt, die Lücke noch einmal zu schließen, ist es toll. Wenn nicht, geht die Welt nicht unter", sagte der Skispringer.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Spannung
alex-P 29.12.2012
Auch als Österreicher und Skisprungfan, freue ich mich über den Aufschwung bei den deutschen Skispringern. Ein äußerst sympathisches Team mit einem sehr sachlich und seriös arbeitenden, hervorragenden Coach. Die Spannung is vorprogrammiert. Ich hoffe bloss, dass es in den österreichischen Wettbewerbsorten nicht wieder dieses unsägliche Pfeifkonzert beim Start der deutschen Sportler gibt. Es wäre aus meiner Sich ganz wichtig, dass die Veranstalter vor den Wettbewerben darauf hinweisen, dass das Üublikum sich in dieser Hinsicht fair verhalten soll. Möge der bessere gewinnen, am schönsten wäre es, wenn es verschiedene Sieger gäbe....... und den Torneesieg wünsche ich am meisten Andreas Kofler, der zu oft im Schatten von Morgenstern und Schlierenzauer steht.
2. Dominanz brechen?
rehabilitant 29.12.2012
Was will uns der Autor eigentlich da ankündigen? Ein Brechen der österreichischen Dominanz liegt dann vor, wenn die deutschen Springer insgesamt bei der Tournee erfolgreicher sind als die Österreicher. Und das scheint mir etwas sehr weit hergeholt, daran ändern auch einige gute Leistungen in den Weltcups nichts.
3.
bauklotzstauner 29.12.2012
Zitat von sysopGetty ImagesJahrelang dominierten die Österreicher die Vierschanzentournee, doch damit soll nun Schluss sein. Das deutsche Team will wieder um Siege mitspringen - die Voraussetzungen sind so gut wie lange nicht mehr. Die größten Hoffnungen ruhen auf Severin Freund. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/vierschanzentournee-deutschland-setzt-auf-severin-freund-a-874015.html
Hört doch endlich mal damit auf! Im Mittelpunkt *WESSEN* Interesses steht der denn? Es sind allein die Medien, die auch noch im zehnten Jahr des Hinterherspringens alle Naselang "den Durchbruch zu alter Stärke" erwarten. Schmitt ist seit dem Wechsel der FIS zum BMI-Reglement weg vom Fenster! Er hat die Umstellung nie geschafft, und Verletzungsprobleme warfen ihn weit zurück. Ich finde es beachtlich, daß er sich dennoch Jahr für Jahr wieder motiviert und durchkämpft. Aber die Medien sollten ihn doch langsam mal in Ruhe lassen! Diese ständige Erwartungshaltung nervt die Zuschauer und demotiviert den Sportler!
4. Fairness
to5824bo 29.12.2012
Zitat von alex-PAuch als Österreicher und Skisprungfan, freue ich mich über den Aufschwung bei den deutschen Skispringern. Ein äußerst sympathisches Team mit einem sehr sachlich und seriös arbeitenden, hervorragenden Coach. Die Spannung is vorprogrammiert. Ich hoffe bloss, dass es in den österreichischen Wettbewerbsorten nicht wieder dieses unsägliche Pfeifkonzert beim Start der deutschen Sportler gibt. Es wäre aus meiner Sich ganz wichtig, dass die Veranstalter vor den Wettbewerben darauf hinweisen, dass das Üublikum sich in dieser Hinsicht fair verhalten soll. Möge der bessere gewinnen, am schönsten wäre es, wenn es verschiedene Sieger gäbe....... und den Torneesieg wünsche ich am meisten Andreas Kofler, der zu oft im Schatten von Morgenstern und Schlierenzauer steht.
Unfaire Dummbeutel gibt es auch hierzulande genug. Ich habe gerade mal bei "Bild" nachgeschaut. Die titeln mit: "Endlich! Ösis zittern vor unseren Springern". Wen wundert's angesichts solcher "Presse", wenn dann ein paar Bekloppte ausländische Sportler auspfeifen? Aber danke für Ihren guten Beitrag!
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Schattenbergschanze - Oberstdorf
Getty Images

Name: Schattenbergschanze
Ort: Oberstdorf
Land: Deutschland
Zuschauerplätze: 27.000
Baujahr: 1925
Letzter Umbau: 2011
Schanzenrekord: 143,5 Meter durch Sigurd Pettersen (Norwegen/2003)

Hier geht's zur offiziellen Homepage

Vierschanzentournee: Rekordsieger
Athlet Land Siege
Janne Ahonen Finnland 5 (1999, 2003, 2005, 2006, 2008)
Jens Weißflog Deutschland 4 (1984, 1985, 1991, 1996)
Björn Wirkola Norwegen 3 (1967, 1968, 1969)
Helmut Recknagel Deutschland 3 (1958, 1959, 1961)
Jochen Danneberg Deutschland 2 (1976, 1977)
Veikko Kankkonen Finnland 2 (1964, 1966)
Matti Nykänen Finnland 2 (1983, 1988)
Andreas Goldberger Österreich 2 (1993, 1995)
Hubert Neuper Österreich 2 (1980, 1981)
Ernst Vettori Österreich 2 (1986, 1987)
Gregor Schlierenzauer Österreich 2 (2012, 2013)
Vierschanzentournee: Sieger seit 2000
Jahr Athlet
2014 Thomas Diethart (AUT)
2013 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2012 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2011 Thomas Morgenstern (AUT)
2010 Andreas Kofler (AUT)
2009 Wolfgang Loitzl (AUT)
2008 Janne Ahonen (FIN)
2007 Anders Jacobsen (NOR)
2006 J. Ahonen (FIN)/Jakub Janda (CZE)
2005 Janne Ahonen (FIN)
2004 Sigurd Pettersen (NOR)
2003 Janne Ahonen (FIN)
2002 Sven Hannawald (GER)
2001 Adam Malysz (POL)
2000 Andreas Widhölzel (AUT)

Vierschanzentournee: Die Rekordnationen
Platz Land Siege
1. Finnland 16
Deutschland 16
2. Österreich 13
3. Norwegen 10
4. Tschechien/Tschechoslowakei 2
5. Japan 1
Polen 1
Slowenien 1
UdSSR 1