Auftakt der Vierschanzentournee: "Sehr, sehr, sehr viel Spaß"

Aus Oberstdorf berichtet

Erstes Springen, erster Podestplatz: Severin Freund hat mit seinem dritten Rang beim Auftakt in Oberstdorf schon jetzt die Erwartungen des DSV-Teams erfüllt. Bundestrainer Schuster freute sich über das Auftreten seines Teams, beim großen Konkurrenten Österreich hingegen klappte wenig.

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Skispringer Freund: "Sehr, sehr, sehr viel Spaß"

Den Blick gen Himmel, ein leichtes Kopfschütteln, die Schultern hängend: Das "geile Gefühl", von dem Severin Freund kurz darauf sprechen sollte, war dem 24-Jährigen unmittelbar nach seinem zweiten Finalsprung nicht anzusehen.

Auf 135,5 Meter flog Freund in seinem zweiten Versuch, nach 138,5 Metern im ersten Durchgang bedeutete das: Platz drei. Bundestrainer Werner Schuster und der gesamte DSV-Trainerstab rissen die Fäuste in die Höhe, auch Freunds Teamkollegen, die neben der Auslaufzone ihre Interviews kurz unterbrochen hatten, jubelten über die Leistung des derzeit besten deutschen Springers.

Und dann brach es auch aus Freund heraus, als er seine Platzierung auf der Leinwand sah, riss er beide Skier in die Höhe.

Ein Podestplatz war zuvor erklärtes Tournee-Ziel der deutschen Mannschaft. "Super, dass wir das nun schon beim ersten Springen geschafft haben", freute sich Freund. "Sehr, sehr, sehr viel Spaß" habe ihm der Auftakt zur 61. Vierschanzentournee in Oberstdorf gemacht. Die 24.500 Zuschauer hatten die Arena unter der Schattenbergschanze in ein Fahnenmeer verwandelt, die Sprünge der deutschen Starter wurden mit Begeisterungsstürmen begleitet.

"Die Jungs haben sich frei gesprungen"

"Meine Springer haben sich anstecken lassen von der phantastischen Stimmung hier", sagte Schuster, der sich über eine starke Mannschaftsleistung freute. Mit Michael Neumayer auf Rang acht, Andreas Wellinger als Zehntem, Richard Freitag auf Platz 15 und Martin Schmitt an Position 16 zeigten sich die Stars im Team bereits in sehr guter Form. "Die Jungs haben sich frei gesprungen", sagte Schuster.

Anders als Neumayer ("so kann es weitergehen"), Wellinger ("bin absolut zufrieden") und Schmitt ("ein super Wettkampf für mich") haderte Freitag mit seiner Leistung: Ihm sei kein einziger guter Sprung geglückt, so der 21-Jährige. "Ich mache morgen weiter", hakte er den Tag ab.

In Garmisch-Partenkirchen geht die Tournee bereits an Silvester mit der Qualifikation weiter (13.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Für die Hälfte des deutschen Kaders geht es darum, sich für die beiden österreichischen Springen in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) aufzudrängen. Dort kann Schuster nur sechs statt bisher zwölf Athleten aufbieten. "Natürlich würde ich dort gerne springen", sagte Schmitt, aber so oder so werde der Deutsche Skiverband eine gute Mannschaft stellen. "Wer sich aufdrängt, hat eine gute Chance", so Schuster.

Freund muss sich um seinen Platz keine Sorgen machen, sein Ziel wird nach dem "perfekten Tag" ein Podestplatz in der Tournee-Gesamtwertung sein. Favorit auf den Sieg ist für Schuster aber der in Oberstdorf zweitplatzierte Gregor Schlierenzauer, "auch wenn ihm Severin auf den Fersen ist".

Jacobsen überrascht die Experten, Rückschläge für Team Österreich

Als "Sphinx" bezeichnete Schuster den Mann, der sogar noch weiter sprang als Weltmeister und Titelverteidiger Schlierenzauer, Österreichs Trainer Alexander Pointner nannte ihn einen "totalen Außenseiter": Anders Jacobsen, den 27 Jahre alten Tournee-Sieger von 2006/2007, hatte zuvor kaum jemand diese Leistung zugetraut. Schuster zeigte sich vor allem von der Konstanz beeindruckt, die Jacobsen in Training, Qualifikation und nun auch im Finale zeigte. "Wie im Märchen", fühle er sich, so Jacobsen: "Die Bedingungen und die Atmosphäre waren perfekt - einfach ein guter Tag."

Nach einer Wettkampfpause im vergangenen Jahr, als er Motivationsprobleme und das Bedürfnis nach mehr Zeit mit seiner Familie hatte, ist Jacobsen statistisch nun sogar erster Favorit auf den Gesamtsieg: Zuletzt hatten sowohl Andreas Kofler (2009) als auch Thomas Morgenstern (2010) und Schlierenzauer (2011) mit Platz eins in Oberstdorf den Grundstein zum späteren Gesamtsieg gelegt.

Ein erneuter Triumph dürfte zumindest für Kofler und Morgenstern schon jetzt unmöglich sein. Morgenstern schied im ersten Durchgang aus, Kofler wurde nachträglich wegen eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifiziert.

Der Stimmung im Team der zuletzt so dominanten Österreicher dürfte weder das eine noch das andere zuträglich gewesen sein. Wenn es nach Severin Freund und Co. geht, darf es wohl ruhig so weitergehen.

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1. Nie wieder
Drummer 31.12.2012
Zitat von sysopErstes Springen, erster Podestplatz: Severin Freund hat mit seinem dritten Rang beim Auftakt in Oberstdorf schon jetzt die Erwartungen des DSV-Teams erfüllt. Bundestrainer Schuster freute sich über das Auftreten seines Teams, beim großen Konkurrenten Österreich hingegen klappte wenig. Vierschanzentournee: DSV jubelt über guten Start von Freund und Co. - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/wintersport/vierschanzentournee-dsv-jubelt-ueber-guten-start-von-freund-und-co-a-875190.html)
Jedes Jahr hab ich mich auf die Vierschanzentournee gefreut. Und gleich wie lange die Sylvesterparty auch war, zum Neujahrspringen hab ich mich immer aufgerappelt. Aber das ist nun vorbei. Warum soll ich ein Springen schauen, bei dem nicht der gewinnt, der am weitesten und schönsten springt, sondern bei irgendwelche Koeffizienten aus Wind, Körpergröße, Skilänge und Körpertemperatur der Enkelin des Sprungrichters entscheidend sind. Sorry, aber den Blödsinn tu ich mir nicht an. Warum lag der Russe gestern so lange vorne, wo er doch für jeden sichtbar, in den Schnee gegriffen hatte. Früher galt ein solcher Sprung als gestürtzt, heute gewinnt man damit? Sorry, aber hier haben mir zu viele Funktionäre an den Regeln rumgespielt, so dass nur noch die das verstehen. In Zukunft ohne mich!
2.
centennials 31.12.2012
Zitat von DrummerJedes Jahr hab ich mich auf die Vierschanzentournee gefreut. Und gleich wie lange die Sylvesterparty auch war, zum Neujahrspringen hab ich mich immer aufgerappelt. Aber das ist nun vorbei. Warum soll ich ein Springen schauen, bei dem nicht der gewinnt, der am weitesten und schönsten springt, sondern bei irgendwelche Koeffizienten aus Wind, Körpergröße, Skilänge und Körpertemperatur der Enkelin des Sprungrichters entscheidend sind. Sorry, aber den Blödsinn tu ich mir nicht an. Warum lag der Russe gestern so lange vorne, wo er doch für jeden sichtbar, in den Schnee gegriffen hatte. Früher galt ein solcher Sprung als gestürtzt, heute gewinnt man damit? Sorry, aber hier haben mir zu viele Funktionäre an den Regeln rumgespielt, so dass nur noch die das verstehen. In Zukunft ohne mich!
"Der Russe" hat gewonnen? Sie waren sicherlich auch immer der Erste der sich über die ständige Benachteiligung durch den Wind beschwert hat. Wenn man sich die ausgleichenden Faktoren 5 Minuten zu Gemüte führt, hat man das schnell verstanden und kann sehr gut abschätzen ob ein Sprung zur Führung reicht oder nicht.
3.
Kalle Bond 31.12.2012
Zitat von DrummerJedes Jahr hab ich mich auf die Vierschanzentournee gefreut. Und gleich wie lange die Sylvesterparty auch war, zum Neujahrspringen hab ich mich immer aufgerappelt. Aber das ist nun vorbei. Warum soll ich ein Springen schauen, bei dem nicht der gewinnt, der am weitesten und schönsten springt, sondern bei irgendwelche Koeffizienten aus Wind, Körpergröße, Skilänge und Körpertemperatur der Enkelin des Sprungrichters entscheidend sind. Sorry, aber den Blödsinn tu ich mir nicht an. Warum lag der Russe gestern so lange vorne, wo er doch für jeden sichtbar, in den Schnee gegriffen hatte. Früher galt ein solcher Sprung als gestürtzt, heute gewinnt man damit? Sorry, aber hier haben mir zu viele Funktionäre an den Regeln rumgespielt, so dass nur noch die das verstehen. In Zukunft ohne mich!
Das ist eine schöne Nachricht zum Jahresende! Ein "Nörgelchen" weniger. Danke und alles Gute in 2013. Gewonnen hat gestern übrigens ein Norweger.
4. Mathematik?
kritischerleser50 31.12.2012
Also ich kann "Drummer" nur beipflichten - ich hätte es nicht besser ausdrücken können (obwohl ich es gestern schon in einem anderen Beitrag versucht habe). Ein Sport, wo "höhere Mathematik" notwendig ist, um aus verschiedenen Parametern auszurechnen, wer denn nun gewonnen hat, mag "wissenschaftlich" gerechter sein - aber für die Zuschauer ists unschön. Auf meinen Beitrag von gestern hat mir ein Leser von SPON beipflichtend geantwortet und gesagt, live im Stadion, wo er nach eigenen Angaben war, wär es noch unübersichtlicher - er wird nicht mehr hingehen. Ich denke, hier hat man etwas Gutes gewollt und ist über das Ziel hinausgeschossen.
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So startet der DSV in die Vierschanzentournee

Schattenbergschanze - Oberstdorf
Getty Images

Name: Schattenbergschanze
Ort: Oberstdorf
Land: Deutschland
Zuschauerplätze: 27.000
Baujahr: 1925
Letzter Umbau: 2011
Schanzenrekord: 143,5 Meter durch Sigurd Pettersen (Norwegen/2003)

Hier geht's zur offiziellen Homepage
Große Olympiaschanze - Garmisch-Partenkirchen
dapd

Name: Große Olympiaschanze
Ort: Garmisch-Partenkirchen
Land: Deutschland
Zuschauerplätze: 35.000
Baujahr: 1921
Letzter Umbau: 2007
Schanzenrekord: 143,5 Meter durch Simon Ammann (Schweiz/2010)

Hier geht's zur offiziellen Homepage

Vierschanzentournee: Sieger seit 2000
Jahr Athlet
2014 Thomas Diethart (AUT)
2013 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2012 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2011 Thomas Morgenstern (AUT)
2010 Andreas Kofler (AUT)
2009 Wolfgang Loitzl (AUT)
2008 Janne Ahonen (FIN)
2007 Anders Jacobsen (NOR)
2006 J. Ahonen (FIN)/Jakub Janda (CZE)
2005 Janne Ahonen (FIN)
2004 Sigurd Pettersen (NOR)
2003 Janne Ahonen (FIN)
2002 Sven Hannawald (GER)
2001 Adam Malysz (POL)
2000 Andreas Widhölzel (AUT)