Vierschanzentournee in Garmisch Favoriten völlig durch den Wind

Der größte Gegner der Athleten beim Neujahrsspringen war der Wind. Er brachte die Favoriten reihenweise um ihre Siegchance. Die Jury setzte den Wettbewerb bei teilweise irregulären Bedingungen fort - mit entscheidenden Folgen für die Gesamtwertung.

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In diesen Tagen ist im Skispringen viel vom Überflieger Thomas Morgenstern, dem bislang erfolgreichsten Athleten dieses Winters, zu lesen. Die Jury beim Neujahrsspringen der Vierschanzentournee schien jedoch eher bei dessen Namensvetter, dem Dichter Christian Morgenstern, nachgelesen zu haben. Im Gedicht "Die unmögliche Tatsache" heißt es sinngemäß am Ende: Was nicht sein kann, das nicht sein darf.

Nach Ansicht der Jury durfte es offensichtlich nicht sein, den Wettbewerb in Garmisch-Partenkirchen abzubrechen. Und das, obwohl der starke und unberechenbare Wind ein Springen zu regulären Bedingungen immer wieder unmöglich und zeitweise sehr gefährlich machte. Die Favoriten, wie die Österreicher Andreas Kofler oder Manuel Fettner stürzten reihenweise mit für sie teilweise lächerlichen Weiten ab. "Es war ein sehr selektiver Durchgang. Es war sehr schwierig, bei diesen Bedingungen optimale Leistungen zu zeigen", sagte Walter Hofer, Renndirektor des Internationalen Skiverbandes Fis.

Die Tourneeleitung kann froh sein, dass Athleten und Betreuern keine Zeit bleibt, sich lange mit dem Wind-Chaos von Garmisch auseinanderzusetzen. Bereits am Sonntag steht die Qualifikation zum dritten Springen der Tournee an. Hofer kurz und bündig: "Wir sind eine Freiluftsportart, haben ein Ergebnis und siedeln jetzt nach Innsbruck über."

Das Ergebnis sah für den Finnen Ville Larinto dann so aus: Er war früh im Wettkampf bei der Landung nach 140,5 Metern und bei äußerst böigem Wind gestürzt. Nach einer ersten Diagnose brach sich der Finne nichts. Nach Larintos Unfall unterbrach die Jury zwar das Springen für 45 Minuten, entschied dann aber, den Wettbewerb durchzuziehen - obwohl sich an den Windverhältnissen kaum etwas geändert hatte.

Erst als der erste Durchgang beendet war, zeigte die Jury Einsicht - was allerdings auch an der einbrechenden Dunkelheit gelegen haben mag, die einen zweiten Durchgang unmöglich gemacht hätte. Und so sagte das Endklassement in Garmisch-Partenkirchen mehr über das Glück der Springer im Wind-Lotto als über ihr Können aus.

"Das war extrem gefährlich"

Es wäre ungerecht zu sagen, dass der Schweizer Simon Ammann bei seinem Sieg letztlich nur Glück hatte - schließlich gehört Ammann seit Jahren zu den weltbesten Springern. "Die Bedingungen waren schwierig, für Einige zu schwierig", sagte der Schweizer, der den Russen Pawel Karelin und den Polen Adam Malysz auf die Plätze zwei und drei verwies. Für ihn, so Ammann, seien die Bedingungen allerdings kein Problem gewesen. Aber es war für ihn auf jeden Fall günstig, dass bei seinem Sprung der Wind mitspielte. Und er hatte ebenso Glück, dass die Jury unbedingt den Durchgang vollständig springen lassen wollte, um ein Ergebnis zu haben und eine Wiederholung - schon wegen des engen Terminplans schwierig - zu vermeiden.

Weniger Glück hatte Morgenstern. Der Gewinner des Auftaktspringen in Oberstdorf behielt zwar mit Platz 14 seine Führung in der Tour-Gesamtwertung, doch Ammann rückte näher heran. Morgenstern blieb bemerkenswert gelassen. "Es war ein schwieriger Wettkampf", sagte er. "Das war extrem gefährlich, ich bin froh, dass ich heil runtergekommen bin."

Weniger gelassen war dagegen der österreichische Cheftrainer Alexander Pointner. "Heute hat man den Bogen überspannt", kritisierte er. "Gott sei Dank haben wir keine Verletzten - aber viele Athleten mit hängenden Köpfen. Man hätte einen Schlussstrich ziehen müssen."

Zu den Verlierern im Wind-Lotto gehörten beispielsweise:

  • Titelverteidiger Andreas Kofler. Morgensterns Teamkollege kam nur auf Platz 50 und büßte damit wohl schon die Chance auf den Gesamtsieg ein. Kofler verhinderte bei seinem Sprung nur mit stark wirbelnden Armen und einer Notlandung einen Sturz.
  • Severin Freund. In Oberstdorf als Sechster noch die positive Überraschung im deutschen Team, kam er nur zu Platz 41. In der Gesamtwertung belegt er Platz neun.
  • Matti Hautamäki. In Oberstdorf noch Zweiter, landete er nur auf Platz 31 und war richtig sauer: "Ich sage jetzt nicht was ich denke, denn sonst würde ich Probleme bekommen." Der Finne ist trotz seiner Notlandung noch immer Dritter der Tournee-Wertung, hat aber mit 388,7 Punkten nur noch theoretische Chancen auf den Sieg.

Angesichts des Wind-Chaos wäre fast in Vergessenheit geraten, dass Martin Schmitt aus deutscher Sicht für eine positive Überraschung sorgte. Er sprang auf Rang sieben, war damit bester Deutscher und profitierte davon, relativ früh bei noch optimalen Bedingungen gesprungen zu sein. Schmitt feierte damit sein bestes Ergebnis seit seinem WM-Silber 2009. "Ich bin sehr zufrieden, dass ich meinen besten Sprung im Wettkampf gezeigt habe", sagte der 32-Jährige.

Schmitt, der im Gesamtklassement jetzt Platz elf belegt, hat mit seiner Leistung auch Bundestrainer Werner Schuster überzeugt. Der setzt bei den verbleibenden beiden Springen auf die sieben Athleten, die zuletzt auch im Weltcup dabei waren, darunter ist auch Schmitt. Schuster nominierte am Samstag zudem Michael Uhrmann, Freund, Stephan Hocke, Richard Freitag, Pascal Bodmer und Michael Neumayer, der als bester Deutscher in der Gesamtwertung auf Rang sechs liegt.

Mit Material von sid und dpa

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Seite 1
Dr. Freemann, 01.01.2011
1. Aw.Zu Skisprungskandal Garmisch
Ich verstehe das nicht mit diesem irregulärem Durchgang denn morgen ist doch Sonntag da hätte man gut und gerne nochmals einen regulären Durchgang durchführen können. Die Verantwortlichen sollten für die Gesamttournee solche Ereignisse einplanen und das können die offebar nicht und muß der Tourneeleitung als Gesamtversagen angelastet werden. Die Aussage das Skisprung eine Freiluftsportart ist ist eine Binsenwahrheit aber die Ausrede gilt nicht denn man muß besser planen. Die Tourneeleitung gehört schlicht und einfach abgesetzt!
Gertrud Stamm-Holz 01.01.2011
2. nun
Zitat von Dr. FreemannIch verstehe das nicht mit diesem irregulärem Durchgang denn morgen ist doch Sonntag da hätte man gut und gerne nochmals einen regulären Durchgang durchführen können. Die Verantwortlichen sollten für die Gesamttournee solche Ereignisse einplanen und das können die offebar nicht und muß der Tourneeleitung als Gesamtversagen angelastet werden. Die Aussage das Skisprung eine Freiluftsportart ist ist eine Binsenwahrheit aber die Ausrede gilt nicht denn man muß besser planen. Die Tourneeleitung gehört schlicht und einfach abgesetzt!
Das hätte man eben nicht. Der Zeitplan von Anreise, Training, Quali und Springen gibt bei dem engen Zeitrahmen keinen Spielraum her. Das ist die Schwierigkeit bei der Tournee. Dafür können die Organisatoren nichts.
Dr. Freemann, 01.01.2011
3. Aw-Gertrud..
Organisation ist alles im Leben . Zu diesem Menschentyp gehöre ich und ich weiß das die meisten Menschen da viele Schwierigkeiten haben. Deshalb verachte ich auch Menschen nicht die nichts organisieren können jedoch muß man von einer Tourneeleitung schon erwarten das Sie einen regulären Wettkampf durchführen wollen da gelten schon höhere Vorausetzungen wie bei einem sogenannten Otto-Normalbürger. Ich hoffe Sie verstehen was ich meine und einer Torneeorganisation darf man schon zumuten das Sie Ausweich-termine anbieten kann und auch die Möglichkeit einschließt eine Tournee zwei Tage bis zum nächsten Wochenende zu verlängern. Soviel Organisationstalent darf man im Interesse einen fäiren regulären Sports schon erwarten!
BouvardPecuchet 01.01.2011
4. Da kann man nur abschalten
Zitat von Gertrud Stamm-HolzDas hätte man eben nicht. Der Zeitplan von Anreise, Training, Quali und Springen gibt bei dem engen Zeitrahmen keinen Spielraum her. Das ist die Schwierigkeit bei der Tournee. Dafür können die Organisatoren nichts.
Der Verlierer des heutigen Tages ist die Jury. Anstatt den Wettkampf abzubrechen, wollte man dem Publikum und vor allem den Fernsehsender eine Show bieten und ließ die irreguläre Veranstaltung weiterlaufen. Dabei hatte man großes Glück, Larinto ist schwer gestürzt aber anscheinend nicht ernsthaft verletzt, Kofler konnte einen Sturz nur mit einer akrobatischen Einlage und viel Glück vermeiden. Ammann hatte durch Zufall mal halbwegs normale Bedingungen und hat gewonnen, der tatsächlich beste Springer Morgenstern stürzte dagegen auf Rang 14 ab. Dies war eine echte Antiwerbung für das Skispringen. Doch die Jury hat die Rechnung ohne ihren Wirt, d.i. sind das übertragende Fernsehen und die Sponsoren, gemacht. Vor allem die zahlreichen Pausen waren eine echte Antiunterhaltung. Der Experte Thoma hat gefühlte drei Stunden immer nur das selbe gesagt, nämlich das er auch nicht weiß, wann, wie und ob es überhaupt weitergeht. Dies wurde dann durch den Auftritt des gnadenlos Dauerlächelpäärchens Mittermaier und Neureuther noch getoppt, die ihre dämliche Pro-Olympia Kampagne unkritisiert absondern durften. Dies war keine Fernsehunterhaltung mehr, das war Fernsehfolter. Für mich war es ein Grund abzuschalten und das Ergebnis später im Internet nachzulesen.
Gertrud Stamm-Holz 01.01.2011
5. tournee
Zitat von Dr. FreemannOrganisation ist alles im Leben . Zu diesem Menschentyp gehöre ich und ich weiß das die meisten Menschen da viele Schwierigkeiten haben. Deshalb verachte ich auch Menschen nicht die nichts organisieren können jedoch muß man von einer Tourneeleitung schon erwarten das Sie einen regulären Wettkampf durchführen wollen da gelten schon höhere Vorausetzungen wie bei einem sogenannten Otto-Normalbürger. Ich hoffe Sie verstehen was ich meine und einer Torneeorganisation darf man schon zumuten das Sie Ausweich-termine anbieten kann und auch die Möglichkeit einschließt eine Tournee zwei Tage bis zum nächsten Wochenende zu verlängern. Soviel Organisationstalent darf man im Interesse einen fäiren regulären Sports schon erwarten!
Ich versteh Sie sehr gut. Auch ich mag dieses übers Knie brechen nicht. Wie alt ist die 4 Schanzen Tournee? Ich hab keine Ahnung. Die Veranstaltung ist ein Fixtermin in engem zeitlichen Korsett. Damit muss man leben. Auch wenn die Qualität wie heute enorm darunter leidet. Noch bleibt die Hoffnung auf Innsbruck und Bischofshofen. Seien Sie nachsichtig.
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