Skisprungstar Stoch Don Kamil

Kamil Stoch ist der bislang dominierende Springer der Vierschanzentournee und kann noch hoffen, alle vier Wettbewerbe zu gewinnen. Sein Trainer hat daran großen Anteil - er kennt alle Kniffe der Konkurrenz.

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Skispringen ist eine Sportart mit einer interessanten Altersstruktur. Man kann es schon als Teenie mit 15 oder 16 Jahren in die Weltspitze schaffen wie einst der Kanadier Steve Collins oder zuletzt der Slowene Domen Prevc. Oder man springt noch mit knapp 40 Jahren mit, wie es der Japaner Noriaki Kasai über Jahre bewies. Unbekümmertheit und Erfahrung sind Qualitäten, die von zwei unterschiedlichen Seiten den Skisprung gleichermaßen bereichern.

Kamil Stoch ist einer von der Fraktion Erfahrung. Er ist jetzt 30 Jahre alt, im Finale der Top 30 beim Neujahrsspringen war nur ein Springer älter als er, viele seiner Kollegen haben in diesem Alter schon aufgehört. Der Pole ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens.

Stoch, als Titelverteidiger an den Start gegangen, hat die ersten beiden Springen der Vierschanzentournee gewonnen, und wer das schafft, fordert den Vergleich mit Sven Hannawald geradezu logisch heraus. Der Deutsche war der bislang einzige, der alle vier Wettbewerbe der Tournee für sich entscheiden konnte, das ist jetzt auch schon 16 Jahre her. "Das interessiert mich derzeit überhaupt nicht", hat Stoch dazu gesagt. Und tatsächlich ist ja auch erst die Hälfte geschafft, es gab sogar neun Springer, die mal die ersten drei Stationen gewannen, dann aber bis auf Hannawald alle an Bischofshofen scheiterten.

Mit Druck kann Stoch umgehen

Ohnehin ist es ein anderer Vergleich, der viel schwerer auf Stoch und jedem anderen polnischen Springer lastet. Adam Malysz war in Polen so etwas wie ein Nationalheiliger, er rangierte knapp unterhalb von Papst Johannes Paul II. Jeder, der in Polen Ski unterschnallt und mit ihnen die Schanze herunterfährt, wird an dem vierfachen Weltmeister Malysz gemessen. Skispringen in Polen ist populärer als Biathlon in Deutschland. Und das soll schon etwas heißen.

Dass Stoch mit Druck gut umgehen kann, hat er schon bei den Winterspielen in Sotschi vor vier Jahren bewiesen, als er Gold auf beiden Schanzen errang. Es folgten allerdings zwei sportlich frustrierende Jahre. Stoch musste sich zu Beginn des Winters 2014/2015 einer Knöcheloperation unterziehen. Wer um die Belastungen weiß, denen gerade die Fußgelenke der Springer ausgesetzt sind, dem musste klar sein, dass Stoch nicht an seine Leistungen von Sotschi anknüpfen konnte. "Da bist du so gut wie erledigt", sagt sein heutiger Trainer Stefan Horngacher und war denn auch wenig überrascht, dass Stoch danach erst wieder Zeit brauchte.

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Horngacher und Stoch - das ist eine besondere und schon oft beschriebene Beziehung. Der Österreicher, jahrelanger Assistent von DSV-Chefcoach Werner Schuster, hatte Stoch schon vor zwölf Jahren betreut, als er für den polnischen Nachwuchs zuständig war. Der Trainer wusste schon damals um die Möglichkeiten, die dieser junge Mann hatte. 2006 ging Horngacher dann allerdings zum Deutschen Skiverband, zehn Jahre später kehrte er zurück - sozusagen, um die Ernte seiner damaligen Arbeit einzufahren.

Stoch war in seiner Heimat als Olympiasieger mittlerweile eine Berühmtheit geworden, er war aber vor allem "krankhaft ehrgeizig", wie Stoch im Nachhinein selbst sagt. Horngacher trieb ihm das aus, er brachte ihm bei, entspannt zu bleiben, im Wissen um sein Können. Und was das ausmacht, das konnte man beim Neujahrsspringen bestens beobachten.

Stoch hatte im ersten Sprung die Bestweite vorgelegt, dementsprechend war er der Letzte, der im zweiten Durchgang zu springen hatte. Sein Hauptkonkurrent Richard Freitag hatte vorgelegt, nur noch zwei Springer standen oben bereit, da wechselten plötzlich die Winde, der Wettbewerb wurde unterbrochen. Viele seiner sensiblen Springerkollegen hätte das schon nervös gemacht, Stoch blieb ganz cool und sprang erneut am weitesten.

"Auch Kamil ist schlagbar"

"Auch Kamil ist schlagbar", sagt Freitag vor dem dritten Tourneeduell in Innsbruck (Donnerstag, 14 Uhr; Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ARD), hat dafür aber eine eher philosophische Begründung anzubieten: "Schließlich ist niemand unschlagbar." Derzeit scheint es nicht leicht, den Polen aus der Ruhe zu bringen, für die Winterspiele in Pyeongchang ist er die größte Goldhoffnung des Landes.

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Horngacher hat zudem um ihn herum ein Team aufgebaut, das auch im olympischen Mannschaftswettbewerb zum Hauptrivalen des DSV werden dürfte. Das Duell Freitag-Stoch ist auch zum Zweikampf der beiden alten österreichischen Trainerkumpel Horngacher und Schuster geworden. Beide wissen alles voneinander.

Noch einmal bei Olympischen Spielen ganz oben stehen, und am besten nicht nur einmal, den Triumph von 2014 wiederholen - das ist das große Ziel von Stoch. Dass er Titel verteidigen kann, das beweist er gerade.

Seinen Pilotenschein will er nach der Karriere machen, hat Stoch erzählt, und das liegt ja auch sehr nahe. Der Überflieger ist er jetzt schon.



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HH-Hamburger-HH 04.01.2018
1. Chapeau!
Wer soll Stoch momentan schlagen? Allenfalls doch er selbst...
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