Skispringer Kasai Der Vielflieger

Der Japaner Noriaki Kasai ist ein Skisprung-Phänomen. Dutzende Male ist er bei bei Weltmeisterschaften und Olympia gestartet, hat mehr als zwei Jahrzehnte Weltcup-Erfahrung. Ans Aufhören denkt der 41-Jährige noch lange nicht, bei der Vierschanzentournee ist er sogar Mitfavorit.

DPA

Hamburg - Schenkt man den Buchmachern Glauben, steht bereits nach dem ersten Auftaktspringen der 62. Vierschanzentournee fest: Den Sieg werden der Pole Kamil Stoch und Titelverteidiger Gregor Schlierenzauer aus Österreich unter sich ausmachen. Auch dem Norweger Anders Bardal, Schlierenzauers Landsmann Thomas Morgenstern und dem Schweizer Simon Ammann werden gute Chancen zugeschrieben, verwunderlich ist das aufgrund ihrer derzeitigen Leistungen nicht.

Für Überraschung sorgt in den Wettannahmestellen ein anderer, einer, der vor 22 Jahren zum ersten Mal Skiflug-Weltmeister wurde und im Februar 2004 seinen letzten Weltcup gewann: Noriaki Kasai. Der Japaner ist heute 41 Jahre alt, und mit einer Quote von 8:1 gehört er plötzlich wieder zum Favoritenkreis der Tournee.

Den Ausschlag für den neuerlichen Aufstieg in die Top Ten hatte Kasais Vorstellung bei der Auftaktqualifikation in Oberstdorf gegeben, als er mit 135 Metern sogar weiter gesprungen war als der Tagesbeste Bardal. Den Wettkampfdurchgang schloss er als guter Sechster ab, vor all den vielversprechenden Talenten aus Deutschland oder Skandinavien. "Es ist faszinierend, dass es einem wie Kasai gelingt, die Grenzen im Kopf total zu verschieben", sagt der deutsche Bundestrainer Werner Schuster: "Es ist nicht auszuschließen, dass er noch ein Springen gewinnt." Den nächsten Versuch wird Kasai beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen (ab 14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) unternehmen.

"Ich bin immer noch jung"

15 Weltcup-Siege hat Kasai bislang auf seinem Konto, und auch wenn seit seinem letzten Erfolg fast ein Jahrzehnt vergangen ist, trauen ihm die Experten bei dieser Tournee tatsächlich noch einmal etwas zu. Vor allem an Neujahr gilt Kasai als ernsthafter Kandidat, zweimal triumphierte er schon in Garmisch-Partenkirchen, 1993 und 2001.

Es ist vor allem die Erfahrung, die Kasai in der technisch hoch anspruchsvollen Sportart noch immer in der Weltspitze hält. Als er 1989 sein Debüt im Weltcup gab, existierte die DDR noch, Gregor Schlierenzauer war noch nicht geboren, die Stars hießen Dieter Thoma oder Ernst Vettori.

Sie haben das Springen längst aufgegeben, Kasai möchte noch zehn Jahre weitermachen, sagte er kürzlich beim Weltcup in Titisee-Neustadt: "Ich bin vielleicht etwas älter geworden, aber noch immer jung." Da war er gerade Dritter geworden, und bis auf seine etwas tieferen Lachfalten sah er kaum älter aus als 20.

Neue Dimension des Skispringens

Die Jahre sind jedoch auch an Kasai nicht spurlos vorbeigegangen, Rücken und Knie zwangen den 1,76 Meter großen und 59 Kilogramm schweren Japaner etliche Male zu Pausen. Die Weltcup-Saison 2012/2013 beendete er auf dem 24. Platz, seit 2004 ist er nicht mehr über den 15. Gesamtrang hinausgekommen. Entmutigen ließ sich Kasai von seinen mäßigen Ergebnissen nie, dafür ist ihm sein Sport zu wichtig, dafür hat er zu viel Spaß am Fliegen.

So tauchte Kasai immer mal wieder unerwartet an der Spitze auf, beim jüngsten Sommerweltcup in seiner Heimat wurde er beim ersten Wettbewerb Fünfter, den zweiten gewann er. Es gibt junge Springer, die nicht begreifen können, wie Kasai es über all die Jahre schafft, den Anschluss an die Weltspitze zu halten - trotz wiederholter Materialumstellungen und Regeländerungen, und fast immer mit einem Lächeln im Gesicht. Kasai sei ein Phänomen, sagt Österreichs Skisprungidol Toni Innauer, "er hat eine neue Dimension eröffnet, von der wir nicht geglaubt haben, dass sie möglich ist".

Als Kasai mit dem Skispringen anfing, wäre solch eine Karriere kaum denkbar gewesen. "Damals haben die Leute mit 26, 28 aufgehört. Mit 30 Jahren war man schon ein Oldie", sagt Bundestrainer Schuster. Erst als mehr Geld in den Sport floss, hätten die Springer teilweise länger weitergemacht - wie der einstige Teenie-Schwarm Martin Schmitt, mittlerweile 35, oder der 36-jährige Janne Ahonen, der in diesem Winter sein Tournee-Comeback gibt.

Doch mit Kasai können beide nicht mithalten. 34 Mal ging er bislang bei Weltmeisterschaften an den Start, 15 Mal bei Olympischen Spielen - und auch im kommenden Februar in Sotschi möchte er wieder zum japanischen Team gehören. "Mir fehlt noch Gold bei Olympia", sagt er, "ich kann gar nicht aufhören."

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
septus 01.01.2014
1. schon wieder
Japanisch Sportler und ihre Fans tragen immer öfter ihre alte Kriegsfahne statt der Nationalflagge. Der Mann hat auch die Schrift "kamikaze" auf seinem Helm. Ich finde sehr sehr abscheulich...
mcflurry96 01.01.2014
2.
5 statt 15 mal bei olYmpia ? sonst wär der mann mindestens 60 das trau ich jetzt auch nicht zu ;)
skyrunner04 01.01.2014
3. Wettqouten
Die Wettquoten für Kasai liegen bei halbwegs serösen Buchmachern (z.B. beim Hauptsponsor von Real Madrid) bei 1:50 und mehr. Mit anderen Worten: Seine Siegchancen sind kleiner als 2%. Woraus sich also der Anspruch eines "Mitfavoriten" begründet erschließt sich mir nicht.
t.schlefing 01.01.2014
4. Hmmm
Irgendwas stimmt hier nicht. "34 Mal ging er bislang bei Weltmeisterschaften an den Start, 15 Mal bei Olympischen Spielen". Entweder ist Kasai viel älter als angenommen, oder es gab seit 1989 viel mehr olympische Spiele als die Öffentlichkeit mitbekommen hat...
Gertrud Stamm-Holz 01.01.2014
5. rechnen
Zitat von t.schlefingIrgendwas stimmt hier nicht. "34 Mal ging er bislang bei Weltmeisterschaften an den Start, 15 Mal bei Olympischen Spielen". Entweder ist Kasai viel älter als angenommen, oder es gab seit 1989 viel mehr olympische Spiele als die Öffentlichkeit mitbekommen hat...
Normalschanze + Großschanze + Mannschaftsspringen. Jeweils pro WM und Olympiade. Bitte gerne.
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