Vierschanzentournee Schlierenzauer siegt, deutsches Debakel

Die deutschen Springer erwischten beim Tournee-Finale in Bischofshofen einen schwachen Tag. Severin Freund schied im ersten Durchgang aus, Andreas Wellinger stürzte beim Jubeln. Die Tournee gewann der Österreicher Gregor Schlierenzauer.

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Hamburg - Gregor Schlierenzauer hat seinen Titel bei der Vierschanzentournee verteidigt. Der Österreicher gewann das letzte Springen in Bischofshofen und siegte damit in der Gesamtwertung vor Anders Jacobsen. Der Norweger wurde auch beim Tournee-Finale Zweiter. Rang drei in Bischofshofen ging an den Österreicher Stefan Kraft, in der Gesamtwertung sicherte sich Tom Hilde aus Norwegen den letzten Platz auf dem Podest.

Für die deutschen Starter verlief das Finale enttäuschend. Severin Freund, der sich noch Hoffnungen auf Rang drei in der Gesamtwertung gemacht hatte, scheiterte überraschend im ersten Durchgang. Der 24-Jährige sprang nur 126 Meter und verlor somit sein Duell gegen den Polen Stefan Hula. Am Ende fehlten ihm 0,1 Punkte, um sich über die "Lucky Loser"-Wertung zu qualifizieren. "Es ist sehr bitter. Ich hätte nicht gedacht, dass mir so ein Fehler hier passiert", sagte Freund.

Freund in der Gesamtwertung nur 13.

Andreas Wellinger sprang zwar mit 133,5 Metern die Bestweite im ersten Durchgang, stürzte aber nach der Landung - weil er zu früh jubelte. So bekam der 17-Jährige deutliche Punktabzüge, rettete sich aber dennoch knapp in den zweiten Durchgang. Dort sprang Wellinger 130 Meter und wurde am Ende 19. "Ich bin selbst dran schuld, weiß aber gar nicht genau, warum ich gestürzt bin", so Wellinger.

Martin Schmitt erreichte mit Rang 24 sein schlechtestes Tournee-Resultat. Bester Deutscher war Michael Neumayer als Achter, Richard Freitag wurde 12. und Andreas Wank kam auf Platz 21.

So erreichte Neumayer schließlich als Sechster auch das beste deutsche Ergebnis in der Gesamtwertung. Dahinter belegten Wellinger und Schmitt die Ränge neun und zehn. Freund stürzte durch sein frühes Aus auf Rang 13 ab. "Er wollte es erzwingen und nicht erspringen", kritisierte Bundestrainer Werner Schuster: "Er kam im Flug nicht auf die richtige Höhe und ist ziemlich unlocker gesprungen. Das ist schade für ihn."

leh/sid



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kasi67 06.01.2013
1. optional
Fakt ist : Deutschland hat immer noch keinen Siegspringer, ist aber mannschaftlich geschlossen. Nichtsdestoweniger drängen die Jungen nach vorn. Wellinger ist ein großartiges Beispiel dafür. Also sollten wir gelassen bleiben und den Bundestrainer in Ruhe arbeiten lassen. Freuen wir uns auf den nächsten Winter. Ich bin sicher, das unsere Springer dort eine erstklassige Rolle spielen werden, vorausgesetzt, die Auswahl der Punktrichter erfolgt mit mehr Fingerspitzengefühl. Bei dem, was während der Tournee an Ungereimtheiten bezüglich der Punktevergabe auftrat, würde es mich nicht wundern, wenn der ein oder Andere Verband um ein paar Euro ärmer und andere Verbände einfach nur wütend und desillusioniert sind.
handbikefahrer 07.01.2013
2. Debakel?
Ein wirkliches Debakel kann ich nicht sehen, denn wenn ich mir das Gesamtergebnis der Tournee ansehe, haben die Deutschen lange nicht mehr so gut (als geschlossene Mannschaft) abgeschnitten.
Sicherheitsberater 07.01.2013
3. Teamhierarchie
Das Problem, das ich aktuell sehe ist, dass durch die Rückkehr von M. Schmidt die Teamhierarchie, die sich im vergangenen Jahr neu gebildet hatte, durcheinandergebracht wurde. Deshalb werden die Leistungen wieder schwächer. Als Schmidt vor ca. 1 Jahr das Team verlassen hatte, war der alte Platzhirsch weg und es hat sich eine neue Teamstruktur gebildet. Leider ist Schmidt kein Newcomer, der sich dort einsortiert, sondern er wird bewußt oder unbewußt seinen alten Platz beanspruchen. Das sogt für Unruhe im Team und die Leistungen fallen wieder ab. Alle (Medien) reden/schreiben nur noch über Schmidt. Alle anderen Talente werden wieder in die zweite Reihe zurückversetzt. Dann lieber einen jungen Sportler in das Team nehmen, der sich leichter in das Team integrieren lässt und in 1-2 Jahren Top-Leistungen bringen kann. Mit Schmidt ist das Team wieder Durchschnitt geworden. Die Konstanz, die es vor der Tournee gab, ist weg, seit Schmidt wieder zurück ist. Ich habe nichts gegen M. Schmidt, aber er hat seine Zeit gehabt. Schmidt sollte seine herausragende Erfahrung in eine Trainerfunktion einbringen. Da kann er viel mehr bewirken.
ackerboy 07.01.2013
4. Schmitt
Zitat von SicherheitsberaterDas Problem, das ich aktuell sehe ist, dass durch die Rückkehr von M. Schmidt die Teamhierarchie, die sich im vergangenen Jahr neu gebildet hatte, durcheinandergebracht wurde. Deshalb werden die Leistungen wieder schwächer. Als Schmidt vor ca. 1 Jahr das Team verlassen hatte, war der alte Platzhirsch weg und es hat sich eine neue Teamstruktur gebildet. Leider ist Schmidt kein Newcomer, der sich dort einsortiert, sondern er wird bewußt oder unbewußt seinen alten Platz beanspruchen. Das sogt für Unruhe im Team und die Leistungen fallen wieder ab. Alle (Medien) reden/schreiben nur noch über Schmidt. Alle anderen Talente werden wieder in die zweite Reihe zurückversetzt. Dann lieber einen jungen Sportler in das Team nehmen, der sich leichter in das Team integrieren lässt und in 1-2 Jahren Top-Leistungen bringen kann. Mit Schmidt ist das Team wieder Durchschnitt geworden. Die Konstanz, die es vor der Tournee gab, ist weg, seit Schmidt wieder zurück ist. Ich habe nichts gegen M. Schmidt, aber er hat seine Zeit gehabt. Schmidt sollte seine herausragende Erfahrung in eine Trainerfunktion einbringen. Da kann er viel mehr bewirken.
Dieses Argument habe ich jetzt schon öfters gelesen. Dazu zwei Gegenargumente: 1. Martin Schmitt (mit "tt" bitte) hat sich sowohl seine Nominierung für Oberstdorf und GAP, als auch sein Dabeibleiben in Innsbruck und B'hofen sportlich erkämpft. Das oberste Kriterium sollte immer noch Leistung sein. 2. Es gibt auch andere Ansatzpunkte, warum das DSV-Team in der Spitze nicht so mitgehalten hat, wie vor der Tournee: z.B.: Nervliche Belastung während der Tournee durch extremes Medieninteresse. Man will es dann "zu gut" machen. Und: Es ist wohl mehr als eine bloße Vermutung, dass die Weltcups vor der Tournee von vielen Nationen als "Aufwärmveranstaltungen" genutzt wurden. Ein Weltcup in Kuusamo hat halt vom Ergebnis her nicht die Aussagekraft eines Tourneespringens. Anmerkung zum Artikel: Ich denke, dass Wellinge nicht gestürzt ist weil er jubelte. Man konnte das in der Zeitlupe ganz gut sehe, dass ihm der Ski schon begann wegzufahren, ehe er die Faust ballen wollte.
Robert_Rostock 07.01.2013
5.
Zitat von handbikefahrerEin wirkliches Debakel kann ich nicht sehen, denn wenn ich mir das Gesamtergebnis der Tournee ansehe, haben die Deutschen lange nicht mehr so gut (als geschlossene Mannschaft) abgeschnitten.
Nein, das war ein unvergleichliches, historisches Debakel, eine Katastrophe ohnegleichen! Die sollen sich mal ein Beispiel an solchen großen Skisprung-Nationen wie Finnland nehmen! Oder auch das Mannschafts-Ergebnis der Österreicher ansehen.
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