Rebensburgs vierter Platz Ein Fehler zerstörte den Medaillentraum

Viktoria Rebensburg startete als Favoritin in den olympischen Riesenslalom. Am Ende reichte es nur für Platz vier. War es das schon mit den alpinen Medaillenchancen für das deutsche Team?

Rebensburg beim Riesenslalom
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Rebensburg beim Riesenslalom

Aus Pyeongchang berichtet


Doch, auch das kann passieren bei diesen Olympischen Winterspielen in Südkorea: Eine Deutsche geht als Mitfavoritin an den Start - und gewinnt nicht. Ein ungewohntes Gefühl in diesen Tagen, wo es fast an jedem Tag Gold für das deutsche Team gibt. Im Riesenslalom im Yongpyong Alpine Centre landete Viktoria Rebensburg nun sogar außerhalb der Medaillenränge. Die Erfolgsstory des Team Deutschlands hat also doch Grenzen.

Beim Sieg der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin wurde Rebensburg hinter Ragnhild Mowinckel (Norwegen) und der Italienerin Federica Brignone am Ende Vierte. "Undankbar" wird dieser Platz gern genannt, Rebensburg sagte zwar: "Ich kann es jetzt sowieso nicht mehr ändern." Ihr Lächeln wirkte aber etwas gequält.

Nach einem Fahrfehler im ersten Durchgang konnte Rebensburg zwischenzeitlich sogar wieder von einer Medaille träumen. Als Achte ging sie in den zweiten Lauf, mit einem Rückstand von 0,83 Sekunden und zeigte dann, warum sie nach dem Formanstieg der vergangenen Wochen als größte alpine Chance des Deutschen Skiverbands (DSV) gehandelt wurde. Rebensburg gelang der drittbeste Lauf, auch Shiffrin schlug sie um fünf Hundertstel.

Viktoria Rebensburg
DPA

Viktoria Rebensburg

Die 28-jährige Deutsche führte das Rennen für einige Minuten an, ehe Mowinckel, die Vierte des ersten Durchgangs, Brignone und Shiffrin vorbeizogen. "Als Ragnhild im Ziel war, wusste ich, dass es keine Medaille mehr werden wird", sagte Rebensburg. Auf einer Strecke, die keine Fehler verzeiht, patzte nur noch die Führende nach dem ersten Lauf, Manuela Mölgg. Die Italienerin fiel nach einer sehr unrunden Fahrt sogar noch auf den achten Platz zurück.

Die Fahrerinnen waren sich einig, dass die Organisatoren um Renndirektor Atle Skaardal nach den schwierigen ersten Tagen mit mehreren Absagen eine Strecke mit perfekten Verhältnissen geschaffen hatten. "Ich mag den Kurs, und der Schnee war wirklich super", sagte Rebensburg. Letztlich war es aber auch ein Faktor für die unglückliche Niederlage. "Es ist fast unmöglich, hier einen richtig großen Vorsprung rauszufahren", sagte die Riesenslalom-Olympiasiegerin von 2010. "Im ersten Lauf hatte ich halt einen groben Fehler drin, das kannst Du auf einer solchen Strecke nicht ausgleichen." Rebensburg schätzte eine Bodenwelle falsch ein und verlor die entscheidenden Zehntel.

Als nächstes Rennen steht für sie am kommenden Samstag der Super G an, aber da rechnet Rebensburg angesichts des Trainingsschwerpunkts Riesenslalom in den vergangenen Wochen nicht mit einer Überraschung.

Für ein Fazit ist viel zu früh, aber der Tag, an dem mit Thomas Dreßen auch die zweite Hoffnung des DSV in der Abfahrt leer ausging, könnte der Auftakt für medaillenlose Spiele in der alpinen Sparte des ansonsten in Pyeongchang so erfolgreichen Verbands sein.

Mikaela Shiffrin
AP

Mikaela Shiffrin

Anders sieht es im amerikanischen Ski-Team aus, zumindest bei den Frauen. Shiffrin hat ihre erste Goldmedaille gewonnen und geht auch als unumstrittene Top-Favoritin in den Slalom am Freitag (2 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Etwas abgeschwächt gilt das auch für Lindsey Vonn im Super G und in der Abfahrt.

Shiffrin hatte in den vergangenen Tag versucht, den Erwartungsdruck von außen nicht an sich heranzulassen. "Niemand hat größere Erwartungen an mich, als ich selbst", sagte die 22-Jährige. "Ich habe in den vergangenen zwei Wochen aber ganz bewusst die sozialen Medien gemieden. Was ich nicht sehe, kann mich auch nicht nervös machen."

Zwischen den beiden Läufen am Donnerstag hatte Shiffrin sogar Zeit für ausgedehnte Entspannung. "Ich versuche, mich eigentlich immer hinzulegen, Musik zu hören und abzuschalten. Danach ist es manchmal wie an einem neuen Tag", sagte die Slalom-Olympiasiegerin von Sotschi. "Heute bin ich kurz eingeschlafen."



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zaunreiter35 15.02.2018
1. Hmm...
Die ganze Fahrt von Manuela im 2. Durchgang war nicht "sehr unrund", die war geprägt von der Angst vorm Versagen und der Nervosität. Weil sie vorher noch nie gewann, wenn sie zur Halbzeit auf Platz 1 lag. Und dann ausgerechnet gegen Karriereende im olympischen Finale als letzte starten zu müssen, das ist schon hammerhart. Viktoria Rebensburg hat unten raus noch einiges verloren, da wo Ragnhild Mowinckel Zeit gut gemacht hat. Der erste Durchgang ist vom italienischen Trainer gesteckt worden, der war tricky. Hat ja auch geholfen, so dass wenigstens "Fede" eine Medaille hat. Und ihrer Mutter damit zwei voraus hat.
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