Skistar Rebensburg: Instinkt plus X

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Viktoria Rebensburg ist die Medaillenhoffnung der deutschen Skifahrerinnen bei der Weltmeisterschaft in Schladming. Um endlich ihre erste WM-Medaille zu gewinnen, hat die 23-Jährige ihren Fahrstil umgestellt. Vertraute sie bisher meist ihrer Intuition, bereitet sie die Rennen nun mit Bedacht vor.

Skifahrerin Rebensburg: Erste WM-Medaille ist das Ziel Fotos
AFP

Hamburg - Auf den Rhythmus kommt es an im Leben von Viktoria Rebensburg. Nur mit dem richtigen Rhythmus kann die derzeit wohl beste deutsche Skifahrerin die Slalomstangen schnell genug umkurven, und nur so kann sie abseits der Piste abschalten. "Musik ist extrem wichtig für mich", sagt die 23-Jährige, "ohne geht nichts." Paul Kalkbrenner mag sie gern, aktuell auch "All night" von Parov Stelar. Auf jeden Fall muss etwas passieren, gern mit Tempo - im Ohr wie auf der Piste.

Eine gute Voraussetzung für jemanden, der bei der anstehenden Weltmeisterschaft (4. bis 17. Februar) eine Medaille gewinnen möchte - und dabei Skistars wie Lindsey Vonn oder Tina Maze schlagen muss. Dennoch reist Rebensburg als eine der großen Favoritinnen im Super-G und Riesenslalom ins österreichische Schladming. "Viktoria hat bei den Frauen beste Chancen auf einen Podestplatz", sagte Olympiasieger Markus Wasmeier SPIEGEL ONLINE.

Im Alter von 20 Jahren wurde Rebensburg Olympiasiegerin im Riesenslalom, zweimal hat sie in dieser Disziplin bereits den Weltcup gewonnen. Zum vierten Mal ist sie jetzt bei einer Weltmeisterschaft dabei - doch eine WM-Medaille fehlt ihr noch. "Natürlich wäre das toll, aber ich versuche, ohne Druck in die Rennen zu gehen", sagt sie im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Eine WM ist etwas anderes, aber ich stelle mir einfach vor, das sei ein normaler Weltcup."

In dieser Saison läuft es im Super-G immer besser

Gleich am Dienstag, dem ersten Wettkampftag in Schladming, geht Rebensburg im Super-G an den Start (11 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Eigentlich liegt ihr der Riesenslalom mehr, weil er in den Schwüngen anspruchsvoller ist und ihrem kraftvollen Kurvenstil entgegenkommt. Doch neuerdings läuft es auch im schnelleren Super-G immer besser. "Im vergangenen Jahr bin ich die Rennen oft zu überstürzt angegangen und deshalb oft ausgefallen", sagt Rebensburg. Jetzt fährt sie bedachter und wird so immer stabiler.

Jüngster Beweis: Vor zwei Wochen gewann Rebensburg in Cortina d'Ampezzo den letzten Super-G vor der WM, es war ihr zweiter Sieg in dieser Disziplin überhaupt. Im Weltcup belegt sie derzeit Rang vier, genau wie im Riesenslalom. Eigentlich ist das ihre Paradedisziplin, doch so richtig kommt sie da dieses Jahr nicht in Fahrt. Rebensburg hat Probleme mit der Materialumstellung, "ich bin noch am Tüfteln, damit ich meine alte Konstanz wiederfinde", sagt sie.

"Jetzt kommt auch noch der Kopf dazu"

Mit dem neuen Material müssen die Fahrer wesentlich aktiver sein, da sich die Skier weniger leicht in die Kurven drücken lassen. "Wenn ich früher ein gutes Set aus Schuhen und Ski gefunden hatte, konnte ich das für alle Schneebedingungen nutzen. Das funktioniert jetzt nicht mehr, ich muss immer neu ausprobieren", erklärt Rebensburg. Sie habe deshalb versucht, ihren Stil anzupassen und bewusster zu fahren. Früher galt sie als Draufgängerin, die ohne nachzudenken die Piste runterjagte - und deshalb immer mal wieder eine Sensationszeit lieferte. Als "männlich und ungestüm" bezeichneten einige ihr Fahrverhalten.

Noch immer liege ihr "aggressives Terrain" ganz besonders, sagt Rebensburg. Doch bevor sie heute losfährt, versucht sie, sich die Piste genau einzuprägen. "Ich schalte dann alles andere aus und konzentriere mich nur noch auf meine Technik, auf die Dinge, die ich mir im Training hart erarbeitet habe." So könne sie ihr Talent, das vor allem aus ihrem außergewöhnlichen "Gefühl für Speed" und dem richtigen Timing für die Schwünge bestehe, schon jetzt besser nutzen als früher, sagt Rebensburg über sich selbst.

"Ich bin eigentlich eine Bauchfahrerin, die meisten Entscheidungen treffe ich instinktiv. Jetzt kommt auch noch der Kopf dazu."

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Ski-WM: Deutschlands Hoffnungsträger für Schladming

Ski alpin WM: Ewiger Medaillenspiegel
Platz Nation Gold Silber Bronze
1 Österreich 85 89 85
2 Schweiz 59 65 55
3 Frankreich 39 49 31
4 Deutschland 33 31 40
5 Italien 20 21 23
6 Norwegen 20 17 13
7 USA 19 23 28
8 Schweden 17 7 16
9 Kanada 13 5 6
10 Kroatien 6 0 2
11 Lichtenstein 5 8 7
12 Großbritannien 4 4 3
Ski alpin WM: Deutsche Sieger
Jahr Ort Name Disziplin
1932 Cortina d'Ampezzo Däuber Slalom
1934 St. Moritz Cranz, Pfnür Slalom, Kombination
1935 Mürren Cranz Abfahrt, Kombination
1937 Chamonix Cranz Abfahrt, Slalom, Kombination
1938 Engelberg Cranz, Resch Slalom, Kombination / Abfahrt
1939 Zakopane Cranz, Jennewein, Lantschner Abfahrt, Slalom, Kombination / Kombination / Abfahrt
1956 Cortina d'Ampezzo Reichert Riesenslalom
1960 Squaw Valley Biebl Abfahrt
1964 Innsbruck Leitner Kombination
1976 Innsbruck Mittermaier Abfahrt, Slalom, Kombination
1978 Garmisch-Partenkirchen Epple Riesenslalom
1985 Bormio Wasmeier Riesenslalom
1987 Crans Montana Wörndl Slalom
1989 Vail Tauscher Abfahrt
1993 Morioka Seizinger, Voigt Super-G, Kombination
2001 St. Anton Ertl Kombination
2005 Bormio Deutschland (Bergmann-Schmuderer, Ertl, Gerg, Eckert, Ertl, Neureuther) Mannschaft
2009 Val d'Isère Hölzl, Riesch Riesenslalom, Slalom
2013 Schladming Riesch Kombination