Weltmeisterin Höfl-Riesch Königin der Comebacks

Riesenjubel bei Maria Höfl-Riesch: Die Doppel-Olympiasiegerin von Vancouver ist nun auch zum zweiten Mal Weltmeisterin geworden. Ihr Kombinations-Gold von Schladming ist symptomatisch für eine Karriere, die von Rückschlägen bestimmt wurde - und beeindruckenden Antworten darauf.

AFP

Hamburg - Maria Höfl-Riesch hatte feuchte Augen, als sie die deutsche Nationalhymne mitsang. Nur mit größter Mühe hielt sie die Tränen zurück. Weltmeisterin in der Super-Kombination - das fühlte sich für die 28-Jährige an wie ein unwirklicher Traum. Doch der Traum war rund eine halbe Stunde zuvor wahr geworden. Dabei hatte Höfl-Riesch nach einer bisher mäßigen Saison und ihrem verpatzten Start im Super-G zum WM-Auftakt wieder eindrucksvoll ihre Comeback-Qualitäten unter Beweis gestellt.

"Es gibt keine bessere Wettkämpferin als die Maria. Wenn die ins Starthaus geht, dann steht da ein Mensch drin, der Übermenschliches leisten kann. Das ist sehr bewundernswert an ihr", sagte Felix Neureuther, der frühere Kindergartenfreund, erst kürzlich. Diese mentale Stärke, das schnelle Abhaken von Rückschlägen, hat Maria Höfl-Riesch in ihrer Karriere zu einer Ausnahmestellung verholfen. Und es sind eine Menge Rückschläge, die die Skirennfahrerin in ihrer bisherigen Laufbahn verkraften musste.

Im Januar 2005 stürzte sie beim Super-G in Cortina d'Ampezzo, erlitt einen Kreuzbandriss am rechten Knie und musste die Saison vorzeitig beenden. In der Vorbereitung zur Saison 2005/06 folgte der nächste Rückschlag. Beim Training in Neuseeland erlitt Höfl-Riesch eine Verletzung am Schienbeinkopf, einen Monat später kam in Sölden ein Bruch des Mittelhandknochens hinzu. Im Dezember 2005 erlebte die damals 21-Jährige ihren Karrieretiefpunkt. Beim Riesenslalom von Aspen zog sie sich schwere Verletzungen am linken Knie zu (Kreuzbandriss, Meniskusschaden, Knorpelverletzungen und Knochenstauchung).

Doppel-Gold in Vancouver, Doppel-Bronze in Garmisch

"Das war das tiefste Tal, das ich während der Karriere durchschritten habe", sagte Höfl-Riesch der "FAZ". Dennoch kam sie zurück und konnte den zahlreichen Verletzungen sogar noch etwas Positives abgewinnen. "Ich habe in der Zeit gelernt, mich durchzubeißen und für etwas zu kämpfen, auch wenn es schon ausweglos scheint, dranzubleiben und den Glauben nicht zu verlieren", so Höfl-Riesch. Genau dieser Glaube und die unbändige Willenskraft sind es, die die 28-Jährige mittlerweile so auszeichnen:

  • Bei der WM 2009 im französischen Val d'Isère verpasste sie in den ersten vier Wettbewerben die angepeilte Medaille, um dann im abschließenden Slalom überlegen Gold zu holen. Der Druck vor dem letzten Rennen war dabei nach einem Trainingssturz, der als Viertplatzierte nur knapp verpassten Medaille in der Kombination und den enttäuschenden Plätzen acht, zehn und 28 in Super-G, Abfahrt und Riesenslalom enorm groß - Höfl-Riesch hielt stand.
  • Auch vor ihrem Doppel-Gold bei den Olympischen Winterspielen von Vancouver 2010 in der Super-Kombination und im Slalom misslang der Abfahrtsauftakt mit Platz acht gründlich. Wieder ließ sie sich nicht beirren und legte einen der beeindruckendsten Doppelschläge der Sportgeschichte hin.
  • Bei der Heim-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen wurde Höfl-Riesch durch eine Viruserkrankung zurückgeworfen. Trotzdem kämpfte sie sich zu Bronze in der Abfahrt und im Super-G. "Ich wusste, dass die Leute eine Medaille von mir erwarten", sagte Höfl-Riesch anschließend.

Dass in Schladming der enttäuschende Super-G-Auftritt so schnell abgehakt wurde und in der Kombination nach nur zwei Podesträngen in diesem Winter Gold folgte, passt in das bemerkenswerte Karrierebild der 28-Jährigen. Längst steht die Gesamtweltcupsiegerin von 2011 mit den beiden anderen deutschen Doppel-Olympiasiegerinnen Rosi Mittermaier und Katja Seizinger auf einer Stufe.

Seizinger war ihr Idol, Mittermaier "die Mutter vom Felix". Die beiden deutschen Ski-Asse gingen in denselben Kindergarten und waren in der Grundschule in einer Klasse. "Gold-Rosi" erkannte "unglaubliches Skigefühl" und "gnadenlose Willensstärke" bereits bei der kleinen Maria.

Bis Sotschi 2014 will Höfl-Riesch auf jeden Fall weiter beeindrucken - "spätestens 2015" soll dann aber Schluss sein.

mib/sid/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
south73 08.02.2013
1. Na...
...da wird sich der Wasi aber bestimmt ganz besonders freuen. Und dafür, liebe Maria, gibt es einen extra Glückwunsch!
elgrande78 08.02.2013
2.
Zitat von south73...da wird sich der Wasi aber bestimmt ganz besonders freuen. Und dafür, liebe Maria, gibt es einen extra Glückwunsch!
Hahaha, bevor ich mir den Artikel überhaupt durchgelesen habe, war genau Ihre Aussage mein erster Gedanke :-) Und natürlich auch von mir einen dicken Glückwunsch. Tolles Rennen!
Zufriedenheit 08.02.2013
3. Geschmeidig
Ich finde Marias Fahrstil als einen der schönsten und allen Alpinfahreren. Geschmeidig wie eine Katze. Klasse, Glückwunsch und lieber mehr Sport als noch ein Buch Maria, Skifahren kannste besser!
rolfm 08.02.2013
4. Glückwunsch -
O.K. - trotzdem ist Lindsey Vonn die Grösste und Beste !!!
toni_mahoni 08.02.2013
5.
zwei mal glückwunsch! gold und VOR tina maze!
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