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Arbeitsbedingungen in Sotschi: Systematisch ausgebeutet

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Olympische Winterspiele 2014: Paläste und Arenen in Sotschi Fotos
DPA

Gigantismus, Korruption, Lohndrückerei - die Olympischen Winterspiele machen zehn Tage vor ihrem Beginn negative Schlagzeilen. Bauarbeiter klagen über mieseste Bedingungen. IOC-Boss Thomas Bach sieht dennoch alles auf einem guten Weg.

"Hot. Cool. Yours." lautet der Slogan der Olympischen Winterspiele in Sotschi, die in eineinhalb Wochen beginnen. Er lässt sich auch auf die Missstände anwenden, die vorab ihre Schatten auf die Wettkämpfe werfen. Will man etwa die Kosten dieser Spiele beziffern, gleicht dies schnell einem Ratespiel, man kann sich von "Cool" bis "Hot" an eine Summe herantasten: kalt, kalt, warm, wärmer, noch wärmer, heiß!

51 Milliarden US-Dollar wird von Experten als ebenso realistische wie gigantische Summe angesehen. Bis zu 30 Milliarden davon sollen in Firmen und Organisationen versickert sein, an denen Bekannte von Präsident Wladimir Putin beteiligt sind. Nur für einen Großteil der bis zu 100.000 Bauarbeiter schien kein Geld mehr übrig gewesen zu sein, das "Yours" blieb auf der Strecke.

Und dabei scheint es sich nicht um die eine oder andere von den Olympia-Organisatoren nicht bezahlte Rechnung zu handeln, sondern um gezielten und systematischen Betrug an den Arbeitern.

"Viele haben keine Arbeitsverträge"

"Es steckt System dahinter", klagt Semejon Simonow in der am Montagabend ausgestrahlten WDR-Sendung "Sport Inside". Der Vertreter der Menschenrechtsorganisation Memorial sagt: "90 Prozent aller Arbeiter der Olympiabauten von Sotschi haben entweder ihren Lohn gar nicht bekommen oder nur in Teilen. Mit ihrer Arbeit wurde Olympia erst möglich, aber bezahlt wurden sie dafür nicht."

1500 Arbeitern habe er in Sotschi geholfen, sagt Simonow, vor allem Gastarbeitern. "Viele dieser Menschen haben keine Arbeitsverträge, in manchen Fällen nicht einmal eine Arbeitserlaubnis oder Registrierungspapiere. Nicht selten nehmen ihnen die Arbeitgeber vorhandene Dokumente einfach ab", schilderte Simonow das Vorgehen in Sotschi bereits im Oktober bei tagesschau.de. Er schätzt, dass statt der offiziellen 17.000 Gastarbeiter rund dreimal so viele Hilfskräfte aus dem Ausland gekommen seien, vor allem aus Zentralasien.

Dorthin, genauer: nach Tadschikistan, machte sich Florian Bauer auf, sportpolitischer ARD-Reporter, verantwortlich für den "Sport Inside"-Bericht. Hatten sich die betrogenen Arbeiter bisher aus Angst vor den Organisatoren nicht öffentlich äußern wollen, bestätigten sie nun die Ausbeutung. Vorarbeiter Cholip Junusow nannte Bauer Zahlen: "Die haben 10.000 Euro Lohn nicht bekommen", so Bauer, Junusow selbst spricht von "moderner Sklaverei". Sie hätten keinen Tag frei gehabt, es gab keine medizinische Betreuung: "Wenn du krank warst, war das dein Problem."

Human Rights Watch kritisiert Bedingungen seit langem

Anfang Januar hatte der "Tagesspiegel" am Beispiel des Arbeiters Mardiros Demertschan dann berichtet, wie man Arbeiter später wieder loswurde. Der ungelernte Bauarbeiter wurde mit einem überdurchschnittlichen Lohn von umgerechnet rund 33 Euro am Tag angeworben, doch auch er sollte kaum Geld erhalten: Regelmäßig wurden kleinere Summen ausgezahlt, offenbar eine Hinhaltetaktik. Der Arbeitgeber kündigte Demertschan unter fadenscheinigen Begründungen, eine niedrige Abfindung wurde versprochen, dann warf man ihm Diebstahl vor - der Arbeiter fand sich auf einer Polizeistation wieder. Dort habe man ihn zu einem Geständnis genötigt.

Bereits im Februar des Vorjahres hatte Human Rights Watch auf die Missstände auf den Baustellen von Sotschi hingewiesen, die vor allem die Gastarbeiter betreffen. Allerdings war daraufhin nichts passiert, auch wenn IOC-Präsident Thomas Bach am Montag gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte: "Wir sind mit Human Rights Watch auch in dieser Frage immer in Kontakt und nehmen solche Fragen, die mit Olympia zusammenhängen, auf."

Erst kürzlich habe es aufgrund einer IOC-Initiative ein Treffen zwischen dem russischen Vizepremierminister und dem russischen Ombudsmann für Menschenrechte gegeben. "Als Folge wurde eine Übereinkunft erzielt, dass kurzfristig 277 Millionen Rubel (6,1 Millionen Euro) an Löhnen nachbezahlt werden", so Bach. Wann und wie die Auszahlung bei den zumeist nicht registrierten Gastarbeitern von Sotschi, von denen viele auch kein Bankkonto haben, erfolgt sein soll, konnte das IOC der ARD auf Nachfrage allerdings nicht mitteilen.

Barbara Lochbihler, Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Europäischen Parlaments, kritisiert Bach und Co. scharf: "Das IOC darf nicht einfach so weitermachen wie bisher. Man hätte viel früher reagieren müssen. Es ist jetzt absolut notwendig, dass das IOC, die russische Regierung und die einzelnen Unternehmen Verantwortung zeigen."

Für Bach sind derlei Diskussionen "eine positive Wirkung der Spiele", wie er im "FAZ"-Interview sagte. Zudem stellte der IOC-Boss fest: "Die Athleten bekommen auch in Sotschi exzellente Bedingungen."

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1. Hauptsache das IOC macht seinen Reibach
wolfi55 28.01.2014
Das ist doch für Bach das wichtigste an der Sache. Kohle ins IOC schaufeln. Das ist ein Ableger der FIFA oder umgekehrt. Korrupt, verlogen, intransparent und nicht von dieser Welt.
2. Gigantismus, Korruption, Lohndrückerei
GSYBE 28.01.2014
Upps, erst dachte ich es ginge in dem Bericht um Deutschland und seine diversen Projekte... Gestern Abend war auch ein ausführlicher Bericht über Sotschi im Fernsehen. Ohne irgendetwas beschönigen zu wollen, so beschleicht einen doch das Gefühl, dass mit zweierlei Mass gemessen wird: an die `heilige Kuh´ Fussball und Katar/Blatter traut sich niemand in dieser Ausführlichkeit. Russland-Bashing passt immer in den Zeitgeist und liest sich auch leichter.
3.
_derhenne 28.01.2014
Das eigentlich traurige ist doch, dass man es garnicht anders erwartet hat. Nach Peking, Katar, Brasilien... Und immer stehen die Weltverbände schweigend daneben und heben die Hände: Also dafür können wir wirklich nichts.
4. Nicht mehr zeitgemäss
Theo Haenzi 28.01.2014
Solche Spiele sind nicht mehr zeigmäss. Da kompensiert ein Diktator fehlende Grösse mit Gigantismus. Und dies nota bene zu Lasten der Ärmsten. Und das IOC lässt sich zum Handlanger machen. Und wir Zuschauer machen uns mitschuldig, wenn wir solches Treiben stillschweigend, nur damit wir unterhalten werden, akzeptieren.
5. Verblüffend
franz.v.trotta 28.01.2014
Die Schilderung der Arbeitsbedingungen in Sotschi erinnert stark an Zustände auf dem deutschen Arbeitsmarkt und besonders an die Umstände der illegalen Beschäftigung von Osteuropäern (vorenthaltene Entlohnung; Vermietung einer Matratze zum Schlafen, Wegnahme der Ausweispapiere etc.). Und: mit Kinderarbeit produzieren wir im Ausland.
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Olympische Winterspiele
Jahr Austragungsort (Land)
2022 Peking (China)
2018 Pyeongchang (Südkorea)
2014 Sotschi (Russland)
2010 Vancouver (Kanada)
2006 Turin (Italien)
2002 Salt Lake City (USA)
1998 Nagano (Japan)
1994 Lillehammer (Norwegen)
1992 Albertville (Frankreich)
1988 Calgary (Kanada)
1984 Sarajevo (Jugoslawien)
1980 Lake Placid (USA)
1976 Innsbruck (Österreich)
1972 Sapporo (Japan)
1968 Grenoble (Frankreich)
1964 Innsbruck (Österreich)
1960 Squaw Valley (USA)
1956 Cortina d'Ampezzo (Italien)
1952 Oslo (Norwegen)
1948 St. Moritz (Schweiz)
1936 Garmisch-Partenkirchen (Deutschland)
1932 Lake Placid (USA)
1928 St. Moritz (Schweiz)
1924 Chamonix (Frankreich)

Reisetipps für Olympia-Gäste in Sotschi
Tickets für die Wettbewerbe
Über die offizielle Ticketseite können nur in Russland wohnende Olympia-Fans Karten kaufen. In Deutschland bucht man bei dem offiziellen Ticketverkäufer Dertour, der auch eine Übersicht über alle Wettbewerbe und Eintrittspreise anbietet. Zusätzlich zum Ticket braucht jeder Zuschauer einen "Spectator Pass", den er im Vorfeld der Veranstaltung online über die Website pass.sochi2014.com beantragen kann oder in einem der Registrierungszentren, wo man ihn auch abholen und aktivieren lassen muss. Eine Übersicht der Adressen mit Lageplan ist ebenfalls auf pass.sochi2014.com abrufbar.
Anreise mit dem Auto
Fast 3000 Kilometer trennen Berlin und Sotschi. Entsprechend beschwerlich gestaltet sich die Anreise, wenn man nicht das Flugzeug nimmt. Etwa 34 Stunden dauert eine Autofahrt durch Polen und die Ukraine nach Russland. Aber Achtung: Auch der Verkehr in Sotschi selbst war zuletzt wegen der vielen olympiabedingten Baustellen stark beeinträchtigt - das Aufkommen während der Olympischen Spiele wird kaum geringer sein. Um die Lage auf den Straßen zur Zeit des Großereignisses etwas zu entspannen, darf der offizielle Olympia-Verkehr auf gesonderten Spuren fahren - wie in London im Sommer 2012.
Anreise mit der Bahn
Wer mit der Bahn nach Sotschi fahren möchte, muss von Berlin aus etwa 56 Stunden im Zug verbringen - das ist die kürzeste Verbindung, die die Deutsche Bahn und die russische Eisenbahn RZD anbieten. Mit dem Nachtreisezug EuroNight aus Paris (Halt unter anderem auch in Mannheim, Frankfurt am Main, Fulda, Hannover und Frankfurt (Oder)) gelangt man in etwa 24 Stunden nach Moskau. Je nach Verbindung geht es dann mit teils zwei- bis dreimal Umsteigen weiter nach Sotschi. Informieren kann man sich auf der Serviceseite der Deutschen Bahn, buchen nur in den Reisezentren.
Anreise mit dem Flugzeug
Lufthansa bietet vom 24. Januar bis zum 17. März Direktflüge von Frankfurt am Main aus an, die dreieinhalb Stunden dauern. Die russische Airline Orenair fliegt von Ende Januar bis Anfang März von Frankfurt am Main, München und Düsseldorf nach Sotschi. Eine Alternative ist der Umweg über Moskau: Unter anderem Air Berlin, Lufthansa und German Wings fliegen einen der drei internationalen Flughäfen der russischen Hauptstadt von Deutschland aus an, unter anderem von Hamburg, Berlin, München und Frankfurt am Main. Vom Flughafen Sotschi, der im 30 Kilometer entfernten Adler liegt, gelangt man per Zug, Taxi oder Shuttle ins Zentrum, zu den olympischen Stätten und zu den Unterkünften.

Eine weitere Möglichkeit ist die Verbindung Dresden-Krasnodar, die Hamburg Airways einmal wöchentlich anbietet. Von Krasnodar aus gelangt man per Zug oder mit dem Auto nach Sotschi.
Anreise mit dem Schiff
Auch eine Anreise per Schiff ist möglich, schließlich liegt Sotschi am Schwarzen Meer. Direkte Seeverbindungen gibt es von Noworossijsk etwas weiter nördlich an der Küste (circa dreieinhalb Stunden) sowie vom südlich gelegenen Trabzon in der Türkei (je nach Boot viereinhalb bis zwölf Stunden). Informationen zu möglichen Verbindungen gibt es auf der offiziellen Seite des Hafens von Sotschi.
Unterkünfte
Man sollte sich gut überlegen, wo man unterkommt: In Sotschi herrscht schon ohne Olympia-Gäste großes Verkehrschaos. Die Stadt ist mit 147 Kilometern der längste Kurort der Welt, und die beiden Wettkampf-"Cluster" in den Bergen und an der Küste nahe dem Flughafen liegen 48 Kilometer auseinander.

Sotschi ist ein beliebter Kur- und Badeort mit vielen Hotels, Pensionen und andere Unterkünften, die auch über Plattformen wie Booking , HRS oder Hotels.com im Internet buchbar sind. Die offizielle Website der Olympischen Spiele bietet ebenfalls eine Zimmervermittlung an.

Unterkünfte auf sieben schwimmenden Hotels sind direkt beim Veranstalter reservierbar: Die Kreuzfahrtschiffe der russischen TUI-Travel-Tochteragentur Svoy TT liegen vom 5. bis zum 24. Februar vor Sotschis Schwarzmeerküste. Jeweils bis zu tausend Passagierplätze liefern sie laut der Nachrichtenagentur Ria Novosti. Komplettpakete aus Übernachtungen auf dem Schiff plus Flug bietet Dertour an.
Benötigte Papiere
Wichtig bei Russland-Reisen: Der Reisepass muss noch sechs Monate gültig sein, zudem braucht man ein Visum. Das Russische Visazentrum in Berlin braucht zwischen vier und 20 Kalendertagen für die Bearbeitung. Bei einer erhöhten Gebühr (95 statt 60 Euro) verkürzt sich die Zeit auf ein bis drei Arbeitstage. Auch spezielle Visaagenturen können ein Visum beantragen. Informationen gibt es bei der russischen Botschaft und über das Auswärtige Amt. Vor der Einreise muss man zudem eine "Migration Card" ausfüllen, von der man einen Abschnitt für die Dauer des Aufenthalts zurückerhält und bei der Ausreise wieder abgeben muss.
Kleidung und Wetter
Sotschi wirbt mit einem "milden subtropischen Klima, hohen Bergen mit viel Grün, einem warmen azurblauen Meer, heilenden mineralischen und Matsesta-Quellen". Die Stadt sei "einer der besten Küsten- und balneologischen Erholungsorte weltweit" - und aufgrund der umgebenden Berge zudem ideal für Wintersport. Die Durchschnittstemperatur liegt im Winter bei acht bis zehn Grad Celsius. Besucher der Olympischen Spiele sollten darauf achten, sich richtig anzuziehen, heißt es auf der offiziellen Olympia-Seite. Das Wetter könne schnell umschlagen, und besonders in den Bergen sollte man sichergehen, warme und wasserdichte Kleidung zu tragen, um sich vor großen Mengen Schnee zu schützen.

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