Ski-Präsident Kasper Gold im Aussitzen

Während der WM plant der Skisport seine Zukunft. Aber wie soll das gehen, mit einem Präsidenten wie Gian Franco Kasper?

Gian-Franco Kasper
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Gian-Franco Kasper

Aus Åre berichtet


Am kommenden Mittwoch entscheidet der Skisport über seine Zukunft. Am Rande der WM im schwedischen Åre, die noch bis Sonntag läuft, tagt der Weltverband Fis. Wichtige Fragen: Wird es zum Beispiel weiterhin Kombinationsrennen geben, oder modernisieren sich die Alpinen mit neuen Wettbewerben? Oder hat die Fis vielleicht noch ganz andere Probleme?

Als die Weltmeisterschaft eröffnet wurde, stand Gian Franco Kasper auf der Bühne und schwenkte eine große Fis-Fahne. Der Schweizer ist als Fis-Präsident der mächtigste Wintersportfunktionär der Welt. Der Verband ist sein Leben, seit 21 Jahren steht Kasper ihm vor, zuvor war er 23 Jahre lang Fis-Generalsekretär. Kasper ist 75 Jahre alt.

Er war auch lange im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) tätig. Im vergangenen Jahr musste er wegen einer Altersbegrenzung abtreten. Inzwischen firmiert er dort als Ehrenmitglied.

"Wahrlich bemerkenswerter Februar"

Wer so lange dabei ist, hatte auch viele Chancen, sich Feinde zu machen. Kasper ist zwar ein angenehmer Gesprächspartner, der mit einem Hang zu Ironie durchaus unterhalten kann. Manchmal ist er in seinen Aussagen aber auch sehr sprunghaft und nicht immer stilsicher.

In Åre kam Kasper mit reichlich Gegenwind an. In seinem Grußwort zu Beginn schwärmte er vom für seinen Verband "wahrlich bemerkenswerten Februar". Kasper meinte damit die Ballung von alpiner Ski-WM in Schweden, Snowboard-, Freestyle- und Freeski-WM in den USA und den anstehenden Titelkämpfen im Ski Nordisch in Österreich innerhalb eines Monats. Was den Februar aber aus Fis-Sicht wirklich bemerkenswert machte, war Kasper selbst, mit Aussagen in einem Interview, für dass er sich später im Grußwort entschuldigt. Man möge ihn doch bitte nicht wörtlich nehmen. Was war passiert?

Kasper über Diktaturen und Global Warming

Es begann am 4. Februar mit einem Interview im Schweizer "Tagesanzeiger". Zum besseren Verständnis zitierten wir das Gespräch hier ausführlicher.

Kasper: "All die Diskussionen über Kunstschnee oder Wasserverschwendung: Das hört einfach nicht auf. Obwohl kein einziger Tropfen verloren geht. Die Energie, die es dafür braucht, ist etwas anderes, aber bezüglich Wasserverschwendung: Spritzen Sie den Garten, ist das Wasser auch nicht ein für alle Mal weg. Solche Sachen sollen gegen den Skisport sprechen. Und dann gibt es auch noch den sogenannten Klimawandel."

"Tagesanzeiger": Sogenannt?

Kasper: "Es gibt keinen Beweis dafür. Wir haben Schnee, zum Teil sehr viel."

"Tagesanzeiger": Auch, weil es wärmer wird und in Lagen schneit, in denen es früher dafür zu kühl war.

Kasper: Ich war (bei den Olympischen Winterspielen) in Pyeongchang, zu Beginn waren es minus 35 Grad. Jedem, der schlotternd auf mich zukam, sagte ich: Welcome to the global warming.

Es folgten weitere Aussagen zum Thema Umwelt und Sport, in Sachen Olympia-Vergabe sagte Kasper, es sei nun einmal so, "dass es für uns in Diktaturen einfacher ist. Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten".

"So dämlich"

Viele Medien, deutschsprachig und international, griffen die Aussagen kritisch auf, Kasper wurde vor allem in sozialen Medien scharf attackiert, inzwischen wurde sogar eine Kampagne gestartet, die den Rücktritt von Kasper fordert. Der hielt sich zunächst noch zurück. Die Kritik aus dem eigenen Wintersport-Lager traf Kasper schon härter. Die Schweizer Zeitung "Blick" zitierte Slalomfahrer Daniel Yule ("Diese Aussage ist für mich ein Beleg dafür, wie weit sich Herr Kasper von unserem Sport entfernt hat.") und seine Kollegin Michelle Gisin sagte: "Für mich hat sich Herr Kasper mit seinen Aussagen ins Abseits gestellt." Besonders deutlich wurde Superstar Aksel Lund Svindal: "Manchmal sagen Leute Dinge, die so dämlich sind, dass man sie nicht kommentieren muss."

Am 9. Februar nutzte Kasper ein Interview in der ARD-Sportschau (sehen Sie hier alle Aussagen), um in die Offensive zu gehen. Er habe das Interview nicht autorisiert, sei somit vom "Tagesanzeiger" ungenau zitiert worden, ihm seien auch Aussagen in den Mund gelegt worden. So habe er auf die Frage, ob es leichter sei, in Diktaturen neue Skigebiete zu bauen oder Olympische Spiele durchzuführen, oder in Demokratien im Westen, geantwortet: "Natürlich ist es einfacher in Diktaturen, da wird nicht lange diskutiert, sondern einfach gemacht." Laut dem im "Tagesanzeiger" veröffentlichten Interview ist jedoch eine andere Frage gestellt worden: All das Drumherum, Menschenrechtsverletzungen etwa, das alles ist Ihnen egal?

Erfahrung im Aussitzen

Wenige Stunden nach Kaspers Gespräch mit der ARD veröffentlicht die in Zürich ansässige Zeitung Auszüge der Audio-Mitschnitte des Gesprächs und nimmt Stellung zum Vorwurf der fehlenden Autorisierung. Kasper habe, wie bei ihm üblich, gar nicht auf eine Autorisierung bestanden.

Seitdem tut Kasper das, was er in der ARD schon angekündigt hatte: Er sitzt die Krise aus. Man merkt, er hat darin Erfahrung. In Åre geht er ganz normal seinen Aufgaben nach. Kasper besucht die Strecke, schaut sich die Rennen an und taucht mitunter auch bei den Siegerehrungen auf, wie am vergangenen Samstag nach der Abfahrt der Männer.

Und am Mittwoch wird Gian Franco Kasper dann ein gehöriges Wort mitreden, wie der Skisport der Zukunft aussehen soll. Bisher verschließt er sich nötigen Reformen, auch von Marketing hält er nicht sonderlich viel. Ski, so Kasper, werde auch in Zukunft "von oben nach unten" gefahren. Seine eigene Zukunft ist übrigens geklärt: Kaspers Amtszeit läuft noch bis 2022.



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chense90 13.02.2019
1. Gian Franco Kaspar...
... ist sicherlich wie fast alle Sportfunktionäre eine streitbare Person. Was man ihm jedoch nicht vorwerfen kann ist mangelnden Willen zur Erneuerung. Er tut doch genau das was die Medien fordern - aus dem Skiweltcup einen Zirkus zu machen - in leichten verdaulichen Häppchen (Parallelrennen) präsentiert. Dazu fernsehtaugliche (glattgebügelte) Strecken und viel Disneyland rundherum. Also all das wovor es mir als Skifan graust, aber so sind die Zeiten nunmal und auch die FIS muss sich nun wohl leider diesen Zwängen beugen, weil sie kurzfristigen Erfolg bringen. In ein paar Jahren wird die Journaille dann darüber schimpfen, dass alles kaputtreformt wurde.
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