WM-Aus gegen Japan Deutschland scheitert im Viertelfinale

Der Traum vom Titel-Triple ist geplatzt: Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen hat das WM-Halbfinale verpasst. Gegen Japan verlor das Team von Silvia Neid in der Verlängerung.

Enttäuschte DFB-Spielerinnen: Titeltraum geplatzt
dapd

Enttäuschte DFB-Spielerinnen: Titeltraum geplatzt


Hamburg - Drama in der Extraschicht: Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat den Einzug ins Halbfinale der Weltmeisterschaft verpasst. Gegen Japan verlor das Team von Bundestrainerin Silvia Neid nach einem Tor von Karina Maruyama in der zweiten Hälfte der Verlängerung 0:1 (0:0; 0:0).

"Es ist das eingetreten, was ich befürchtet habe. Wir waren heute nicht in der Lage, ein Tor zu machen. Unsere Standards waren zu ungenau. Bei den Japanerinnen muss man immer mit einem guten Konter rechnen. Da ist natürlich alles sehr schade und traurig", sagte Neid nach dem Schlusspfiff.

Für die deutsche Elf ist der Traum vom dritten Weltmeistertitel in Folge damit geplatzt. Es war die erste WM-Niederlage der DFB-Elf seit zwölf Jahren und zugleich das schlechteste Abschneiden seit der Weltmeisterschaft 1999. Damals gab es im Viertelfinale eine 2:3-Niederlage gegen die USA.

Kulig muss früh verletzt raus

Japan hingegen steht erstmals im Halbfinale einer Weltmeisterschaft und trifft dort am Mittwoch in Frankfurt am Main auf Schweden oder Australien. Für den Weltranglistenvierten war es der erste Sieg überhaupt gegen Deutschland.

Neid hatte im Vergleich zum 4:2-Sieg gegen Frankreich ihre Startelf auf drei Positionen verändert. Melanie Behringer, Kim Kulig und Linda Bresonik ersetzten Fatmire Bajramaj, Lena Goeßling und Bianca Schmidt.

Doch für die Hamburgerin Kulig war das Spiel bereits nach sieben Minuten beendet. Bei einem Kopfball verletzte sie sich und musste mit Tränen in Augen ausgewechselt werden, Bianca Schmidt kam in die Partie. Die über 26.000 Zuschauer in Wolfsburg sahen die erste gefährliche Szene der Deutschen in der 23. Minute: Garefrekes konnte den Ball aber nach einem Behringer-Freistoß nicht auf das japanische Tor bringen.

Japan hatte nur wenige Offensivaktionen, die waren jedoch brandgefährlich. Nach einem Fehler von Innenverteidigerin Saskia Bartusiak hätten die Japanerinnen durch Yuki Nagasato vom deutschen Meister Turbine Potsdam sogar in Führung gehen können (30.). Zwei Minuten später ließ Célia Okoyino da Mbabi auf der Gegenseite eine gute Chance ungenutzt. Zuvor war bereits Behringer mit einem Distanzschuss gescheitert (31.).

Japan aggressiv, Grings schießt auf die Tribüne

Neid sah in der Pause keinen Anlass zum Wechseln. Unverändert kam die deutsche Elf aufs Spielfeld zurück. Die Japanerinnen spielten nun wesentlich aggressiver, oftmals über die Grenze des Erlaubten hinaus. Deutschland ließ sich von der harten Gangart zunächst beeindrucken, kam dann aber wieder zu Chancen.

Inka Grings schoss in der 77. Minute eine Rückgabe von Garefrekes auf die Tribüne. Zwei Minuten später verdribbelte sich die Stürmerin zunächst, der Ball kam dennoch zu Behringer. Die Mittelfeldspielerin brachte allerdings keinen gefährlichen Schuss zustande. Besser machte es Japans Aya Miyama, doch auch sie verfehlte das Tor knapp (81.).

Aufregung dann in der 83. Minute: Inka Grings fiel im japanischen Strafraum, doch Schiedsrichterin Quetzalli Alvarado aus Mexiko ließ zurecht weiterlaufen. In den letzten Minuten der regulären Spielzeit hatten die Deutschen dann noch einige hochkarätige Chancen, doch unter anderem Okoyino da Mbabi vergab kläglich.

In der Verlängerung war beiden Teams ihre Müdigkeit anzusehen. Viele Ballverluste verhinderten den Spielfluss. Die beste Möglichkeit hatte Grings, als sie links im Strafraum frei zum Schuss kam, doch die Angreiferin verpasste das Tor deutlich (101.).

Auf der anderen Seite herrschte kurze Zeit Verwirrung im deutschen Strafraum, als Angerer einen Ball nicht unter Kontrolle bringen konnte (105.). Maruyama riss die Deutschen mit dem entscheidenden Tor dann aus allen Träumen (108.). Die Angreiferin drang nach tollem Pass von Homare Sawa rechts in den Strafraum ein und legte den Ball an Angerer vorbei. Die Deutschen fuhren nach dem Gegentor Angriff um Angriff, doch der Ausgleich kam nicht mehr.

Deutschland - Japan 0:1 (0:0) n.V.
0:1 Maruyama (108.)
Deutschland: Angerer - Bresonik (ab. 65 Goeßling), Krahn, Bartusiak, Peter - Laudehr, Kulig (ab 8. Schmidt) - Garefrekes, Okoyino da Mbabi, Behringer - Grings (ab 102. Alexandra Popp)
Japan: Kaihori - Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima - Ohno (66. Iwabuchi/116. Utsugi), Sakaguchi, Sawa, Miyama - Ando, Nagasato (46. Maruyama)
Schiedsrichterin: Alvarado (Mexiko)
Zuschauer: 26.067 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Peter - Iwashimizu, Sakaguchi, Sawa, Kumagai

bka/sid/dpa

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Seite 1
krafts 29.11.2010
1.
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Ich gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
Kanzla87 29.11.2010
2.
Zitat von kraftsIch gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
Aus welchem Grund?
Rockker, 29.11.2010
3.
Ein Wettbwerb aus der Kategorie *EIKS, aber dank den deutschen Medien wird er gehypt zu dem nächsten unsänglichen "Sommermärchen" wo die deutsche NM, alle Gegner sowieso mit 22:0 schlagen wird... *Eigentlich Interessiert Keine Sau
Flosse, 29.11.2010
4. Zu wünschen wäre es...
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Die Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
CaptainSubtext 29.11.2010
5. !
Zitat von FlosseDie Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
mmmmh. Wenn die Damenelf noch nicht mal in der Lage ist gegen eine Vereins-B-Jugend zu gewinnen, wieso.....?
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