Satansmörder Hendrik Möbus "Ein wahrer Nationalsozialist"

Hendrik Möbus ist einer der bekanntesten Neo-Nazis Deutschlands. Zu zweifelhaftem Ruhm gelangte der zunächst dem Satanskult huldigende Thüringer, als er 1993 zusammen mit zwei Freunden seinen Mitschüler Sandro Beyer erdrosselte.


"Deutscher Romantiker" mit Lust auf Krieg: Neo-Nazi Hendrik Möbus
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"Deutscher Romantiker" mit Lust auf Krieg: Neo-Nazi Hendrik Möbus

Inspiriert von ihrem bevorzugten Horrorfilm "The Evil Dead" hatten die aus Sondershausen stammenden Jugendlichen ihr Opfer getötet und dann in einem Erdloch verscharrt. Der 15-jährige Sandro hatte Anschluss an die Satanisten-Gruppe gesucht und dafür mit seinem Leben bezahlt.

Der damals 17-jährige Möbus erhielt 1994 im Prozess vor dem Landgericht Mühlhausen acht Jahre Jugendstrafe. Er blieb von Tat und Strafmaß offensichtlich unberührt und scheute sich nicht, sein Opfer auch im Nachhinein noch zu diffamieren: "Ich weiß ja nicht, ob man in der Nazi-Zeit bestraft worden wäre, wenn man Volksschädlinge unschädlich gemacht hätte."

Auch der Gefängnisaufenthalt hielt den fortan als "Satansmörder" bekannten Jung-Nazi nicht davon ab, mit seiner Band "Absurd" eine CD und eine Musikkassette aufzunehmen und zu veröffentlichen. Auf dem Cover: das Grab des ermordeten Sandro Beyer, mit dem Zusatz "Er wurde von Absurd am 29. April 93 ermordet".

Trotz öffentlicher Verhöhnung des Opfers und Verherrlichung der eigenen Tat kommt der Mörder nach fünf Jahren auf Bewährung frei. Von Reue oder Schuldbewusstsein keine Spur. Noch Jahre später lautet der lakonische Kommentar zu Sandros Schicksal: "Er war mir im Grunde egal."

Gemeinsam mit seinem Bruder gründet Möbus unmittelbar nach der Entlassung in Erfurt den Musikversand "Darker Than Black". Er macht sich zum Chef einer deutschen Sektion der "Allgermanischen Heidnischen Front", für die er nicht nur in Black-Metal-Kreisen wirbt, sondern auch in der NS-Skinhead-Szene.

Möbus öffentliche Auftritte zwischen Black Metal, Paganismus, satanischen Anwandlungen und übelster nationalsozialistischer Polemik lässt die staatlichen Gesetzeshüter am Ball bleiben. Auf Geheiß des ehemaligen thüringischen Justizministers Kretschmer werden gleich zwei Verfahren gegen Möbus eingeleitet - eines wegen Verunglimpfung Verstorbener, das andere wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole. Das Amtsgericht Tiergarten verurteilt Möbus Ende 1999 zu anderthalb Jahren, das Amtsgericht Eisenach zu acht Monaten Haft. Möbus legte Berufung ein und setzt sich in die Vereinigten Staaten ab.

US-Rechtsextremist William Pierce zeigt sich beeindruckt vom deutschen Nachwuchs und gewährt dem Heimatflüchtigen auf seinem Grundstück im Bundesstaat West Virginia Unterschlupf. Er bezeichnet Möbus als "sehr intelligenten jungen Mann", "ernsthaft und ganz seinen Idealen verpflichtet". Der Führer der rassistischen "National Alliance" erteilt seinem Gast das Gütesiegel: "Ein wahrer Nationalsozialist". Die vielfältigen Kontakte des Mentors ebnen Möbus den Weg in die rechtsextreme Szene der USA. Mit der zur National Alliance gehörenden Plattenfirma "Resistance Records" plant er Projekte mit rechtsextremen Black-Metal-Bands.

Mehrere Wochen wird das Anwesen von Pierce observiert, bis Möbus Ende August 2000 von US-Marshalls festgenommen und in Auslieferungshaft gebracht wird. Unmittelbar nach der Verhaftung stellt er einen Antrag auf politisches Asyl in den Vereinigten Staaten. Sein juristischer Fürsprecher in den USA genießt einen zweifelhaften Ruf: Pierce-Anwalt Connors hatte schon John Demjanjuk vertreten - den Mann, der verdächtigt wurde, als KZ-Scherge Juden im Konzentrationslager Treblinka brutal gequält und ermordet zu haben ("Iwan der Schreckliche").

Doch auch in dem von Möbus so gelobten Vereinigten Staaten scheint das Leben im Knast kein Zuckerschlecken zu sein: Die angeblich zu 95 Prozent aus Schwarzen und Mestizen bestehenden Gefängnisinsassen würden die Weißen hassen, jammert er in einem Online-Interview mit Gesinnungsgenossen. Weil die "schwarzen Brüder" es auf ihn abgesehen hätten, müsse er "in Einzelhaft, ohne Tageslicht, Bewegung oder viel Erholung" leben.

Der spärliche ideologische Hintergrund zeichnet sich nicht gerade durch Originalität aus: In seinem Herzen ein "deutscher Romantiker", möchte der Mörder zum "Werkzeug der Evolution werden", um den "Weg zum Übermenschen zu ebnen": "Die Idee, zu töten oder getötet zu werden, ist weder aufregend noch schockierend für mich. Ich bin ziemlich fasziniert von dem Verstandesspiel, bei dem man den Feind mit einer überlegenen Strategie besiegt. Der 'Triumph des Willens'."

Im Kampf um das politische Asyl in den USA muss Möbus jedoch eine Niederlage einstecken: Am 5. März stellt ein Richter der US-Einwanderungsbehörde im Bundesstaat New York fest, dass der verurteilte Mörder in Deutschland nicht wegen seiner Gesinnung, sondern auf Grund seiner Verbrechen verfolgt wird. Der Heimatflüchtling sieht das anders: Im "Verbrecherstaat" Deutschland erwarteten ihn bei einer Rückkehr nicht nur fünf Jahre Reststrafe, sondern gar "Schautribunale, verschärfte Haftbedingungen, Psychoterror und Sippenhaft". Er plant, alle Rechtsmittel in den Vereinigten Staaten voll auszunutzen.



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