Die Schufterei deutscher Klinikärzte 24 Stunden ohne Pause

Morgens um sieben, Uniklinik Göttingen: Unfallchirurg Tobias Radebold nimmt seinen Dienst auf, der erst am nächsten morgen nach mehr als 24 Stunden und keiner einzigen Minute Schlaf enden wird.


Ärzte in der Unfallchirurgie: Arbeiten bis an die physische und psychische Grenze
DDP

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Alltag auf deutschen Krankenstationen. Kein Lastwagenfahrer, kein Monteur, kein Beamter dürfte so lange am Stück arbeiten. Ärzte aber doch, das deutsche Arbeitszeitgesetz macht's möglich. "Morgens um drei, wenn ich nichts gegessen und nicht geschlafen habe, kann ich mich nicht mehr so konzentrieren", sagt Chirurg Radebold. Drei Patienten operiert der 32-jährige Arzt bis zum Nachmittag, dann beginnt sein Bereitschaftsdienst - nach deutschem Recht ist dieser keine Arbeitszeit. Arbeit gibt es aber genug bis zum nächsten Morgen in der Notaufnahme der Uniklinik. So viel, dass Dr. Radebold keine einzige Pause machen kann.

Die Dienstzeiten verstoßen gegen geltendes EU-Recht - das hat jüngst das Bundesarbeitsgericht entschieden. 15.000 neue Ärzte müssten angestellt werden, um das Urteil umzusetzen. Die dafür nötigen mehreren Milliarden Euro fehlen den kränkelnden Krankenhäusern natürlich. Ändern wird sich für Tobias Radebold und seine Kollegen daher wohl so schnell nichts.

SPIEGEL TV-Autorin Nicole Mikulasch hat den Unfallchirurg bei seinem Marathondienst begleitet.


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DPA

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