Von der Stange: Die Platten sind zurück
Lange galten sie als Häuser von der Stange. Ein Windstoß, und sie fallen in sich zusammen. Doch Fertighäuser sind mittlerweile besser als ihr Ruf. Die Holzrahmenbauten gelten sogar als besonders erdbebensicher.
Trotz hässlicher Narben, die der Plattenwohnungsbau in der ehemaligen DDR hinterlassen hat, gab es nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern einen wahren Fertighaus-Boom.
Eines unter vielen: Das "Haus von der Stange"
Im letzten Jahr ging der Trend des schnellen Hauses in den neuen Bundesländern zurück, und in diesem Jahr ist die Auftragslage bundesweit noch schlechter als 1999. "Das liegt jedoch daran, dass die Baugenehmigungen insgesamt zurückgegangen sind", sagt Maria Schlechter, Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF). Bundesweit werde der Anteil der Fertigbauweise aber weiterhin, unabhängig davon, wie viel Bauwütige es geben wird, rund 14 Prozent ausmachen. Ansonsten sieht Schlechter in der Branche der Fertigware eine Polarisierung: Teure Villen auf der einen Seite, preiswerte Ausbauhäuser auf der anderen.
Gleichzeitig ist, bleibt und wird ökologisch korrektes Bauen immer beliebter - da sind sich alle einig. Sogar Architekten entdecken den Charme und die Chancen des Platten-Hauses wieder.
Schnell, günstig, ökologisch - Platten für alle?
Verglasung: Einfacher für Sonnenstrahlen
Der Anblick von riesigen Plattenbauten in und am Rande von Städten hinterließ jedoch einen eher negativen Eindruck in den Köpfen. Unterstützung erfuhr das negative Image noch durch den Holzschutzmittel-Skandal in den Siebzigern. Xylamon, so hieß das Gift, sollte Borkenkäfer davon abhalten, sich in den Holzkonstruktionen festzubeißen, machte aber die menschlichen Bewohner krank.
Mittlerweile könne es sich kein Hersteller mehr leisten, ökologisch bedenkliche Materialen einzusetzen. "Heute
"sole mio"-Plattenbau: Aneinandergereihte Glasmodule
Häufig sind jedoch "spektakuläre Entwürfe von namhaften Architekten in der Branche nur ein Marketinginstrument", meint Engels. So habe zum Beispiel der Architekt Gustav Peichl ein halbkreisförmiges Haus entworfen. "Das sind oft Entwürfe, die man in Deutschland auf Grund der Bauvorschriften nicht realisieren kann." Leider sei die Entscheidung über Architektur auf eine der untersten Ebenen in Behörden delegiert, "wo architektonische Laien sitzen".
BDF-Sprecherin Schlechter hält die Entwicklung zwar für "schön und interessant. Aber es ist ja auch immer eine Frage des Preises. Architektenhäuser sind natürlich teurer". Hinzu komme, dass die Mehrzahl der Produzenten der Fertigbauteile Masse verkaufen will und daher billig bleiben muss, schätzt der designhouse-Inhaber. Aus diesem Grund werden Fertighäuser so standardisiert wie möglich sein - nach dem das Prinzip "You get what you see." Das ist Vor- und gleichzeitiger Nachteil im Vergleich zum Stein-auf-Stein-Setzen: Architektonische Anpassung an das Grundstück ist selten drin.
Innenleben von "Preishit 107": Fällt nicht aus dem Rahmen
So ist das Fertighaus nicht nur schnell und nützlich, sondern auch noch günstig und ökologisch - Platten für alle? Wenn Deutschland dem amerikanischen Trend auch in dieser Hinsicht folgt, werden sich zumindest Hersteller und Vertreiber der Häuser freuen.
Petra Märlender
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