Bremen - Ein Notebook, ein normaler Computer mit Bildschirm, ein paar Kabel. Das ist alles, was die Zwölftklässler für ihr Verkehrs-Überwachungssystem brauchen. Kostenpunkt: rund 1300 Euro.
Die Toll-Collect-Betreiber DaimlerChrysler und Telekom haben seit 2002 rund zwei Milliarden Euro in ihr Maut-System gesteckt - ohne Erfolg. Dabei könnte alles so einfach sein, das haben André Kreis und seine Kumpel Tim Gosche und Helge Stobrawe, alle 18 Jahre alt, vom Bremer Gymnasium Vegesack, bewiesen. In weniger als drei Wochen entwickelten sie in ihrer Freizeit ein "Digitales Verkehrs-Überwachungssystem".
Es ist nicht satellitengesteuert, wie das funktionsunfähige Projekt von Toll Collect, sondern basiert auf der Wireless-Lan-Technologie. Hierbei wird der Lastwagen mit einer Black Box ausgestattet, die das jeweilige Kennzeichen gespeichert hat. Die Autobahnen werden durch so genannte Access Points in Abschnitte eingeteilt. Diese sind untereinander verbunden und geben ihre Daten an einen Hauptcomputer weiter.
Fährt nun ein mit dieser Technologie bestückter Laster auf die Autobahn, sendet die Black Box automatisch das Kennzeichen an den Access Point, den Maut-Kontrollpunkt. Dieser sendet die Daten weiter an den Hauptcomputer. Je nachdem, wie viele Access Points der Lkw passiert, addieren sich die Maut-Gebühren. Verlässt der Laster die Autobahn wieder, wird automatisch eine Rechnung von dem zentralen Kontrollrechner an die zuständige Spedition geschickt. Nützlicher Nebeneffekt: Die Polizei kann bei Fahrzeugkontrollen mit einem mobil einsetzbaren Rechner die Wagendaten direkt auslesen. Auch Parksünder können so schneller zur Kasse gebeten werden.
Mit ihrer Erfindung belegten die Schüler den ersten Platz beim Landeswettbewerb "Jugend forscht" im Bereich Geo- und Raumwissenschaften. 250 Euro betrug die Siegprämie. Eine Einladung von Toll Collect in die Konzernzentrale in Berlin gab es übrigens auch. Die Zuständigen dort finden das System der Schüler äußerst interessant. Umsetzen wollen sie es jedoch nicht - es sei schon zu viel Geld investiert worden...
© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH