Samstag, 21. November 2009

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"Nach außen leben wir ganz normal - in Wahrheit sind wir im Krieg"

Im SPIEGEL-TV-Interview spricht erstmals ein Macher des Qaida-nahen Netzwerks "Globale Islamische Medien-Front" über seine Taktik. Er kündigt an, dass die Bundeswehr in Afghanistan stärker ins Visier der Islamisten geraten wird - und fordert: "Deutschland muss sich zurückziehen."

Der Krieg im Irak ist längst auch ein globaler Krieg der Bilder. Das Internet wird zum Schlachtfeld - der Kampf um die Köpfe findet in den virtuellen Welten des World Wide Web statt. Viele sind auf Seiten wie YouTube oder MyVideo auf der Suche nach den ultimativen Clips: von Attentaten im Irak, sterbenden US-Soldaten und anderen Filmen islamistischer Gewalt.

Verbreitet werden solche Bilder von der GIMF - der "Globalen Islamischen Medien-Front", die im Internet für den Heiligen Krieg wirbt: in deutscher Sprache, mit zahlreichen Gewaltvideos und einem eigenen Internet-Fernsehsender, dem "Djihad-Kanal". Erstmals gab jetzt ein Mitglied der Untergrund-Truppe ein Interview - zu sehen bei SPIEGEL TV Magazin am Sonntag, 22.30 Uhr auf RTL.

Der Deckname des Mannes: Musab. Seine Aussagen legen nahe, dass auch die Bundeswehr im Visier der Islamisten ist. Die Taliban hätten über die GIMF angekündigt, in naher Zukunft ihre Operationen im Norden Afghanistans zu verstärken, sagt Musab: "Deutschland muss sich aus Afghanistan zurückziehen."

Zum Interview kam Musab mit rot-weißem Turban-Kopftuch; außerdem machte er zur Bedingung, dass seine Stimme verfremdet wird, um seine Identität schützen. Er stammt vermutlich aus dem Irak. Der Kontakt kam über die Homepage der GIMF zustande.

In fließendem Deutsch begann er zu sprechen: "Nach außen hin führen wir ein ganz normales Leben. Wir sind Lehrer, Studenten oder Angestellte. Aber in Wirklichkeit befinden wir uns in einem speziellen Krieg gegen die Amerikaner." Man habe diesen Krieg längst gewonnen: "Die Wahrheit ist, dass nicht die Mudschahidin fliehen. Die Wahrheit ist, dass die Amerikaner von Niederlage zu Niederlage eilen." Eine ganz eigene Wahrheit - die die Islamisten untermalen mit Bildern erschossener US-Soldaten.

Seit Mai vergangenen Jahres verbreitet die GIMF ihre Propaganda auf einer eigenen deutschsprachigen Homepage. In blumigen Worten und mit blutigen Videos wird der heldenhafte Kampf der Mudschahidin gegen den verhassten Feind beschrieben. Dutzende Links führen zu Hasspredigten oder den neuesten Verlautbarungen der Qaida-Führung. Abrufbar sind Hunderte Kampf-Videos, die zum größten Teil aus dem Irak stammen. Die Bildqualität ist bemerkenswert gut.

Fast professionell scheint es den Mudschahidin zu gelingen, ihren blutigen Kampf in Szene zu setzen: Wo geschossen wird, läuft die Kamera mit - danach landen die Bilder auf angeblich mehr als 50.000 Internet-Seiten. Musab sieht sich auf einer Mission: "Wir wollen, dass die Muslime endlich aufwachen, endlich reagieren und erkennen, dass dieser Krieg kein Krieg zwischen den USA und Irakern oder al-Qaida ist. Dieser Krieg ist ein neuer Kreuzzug gegen die Muslime."

Mehr zum Thema: SPIEGEL TV Magazin,
am Sonntag um 22.30 Uhr auf RTL

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